Seminar für JournalistInnen in Krisenregionen

Ich bin ein überwiegend fröhlicher und höflicher Mensch. Besonders in der Arbeitswelt: Grüßt mich jemand, wenn ich geschäftlich unterwegs bin, grüße ich zurück. Auch wenn ich die Person nicht kenne. Und ich lächle. Viel und oft. Dass das nicht in allen Kulturen richtig ist, habe ich in Kenia erfahren: An einem Sicherheitsposten wunderte ich mich, warum die anderen Frauen mit versteinerten Gesichtern geradeaus schauten. Ich lächelte den Sicherheitsbeamten an und grüßte. Darauf flüsterte er mir eine etwas zweideutige Bemerkung zu, und ich wusste nicht, wie ich reagieren sollte. Zum Glück fuhren wir in diesem Moment weiter.

Wenn man (k)einen Urlaub gebucht hat

Es gibt viele Portale, in denen man mit Vergünstigung Produkte kaufen kann. Manchmal geht es dabei um Restposten, in anderen Fällen kommt der Rabatt dadurch zustande, dass über eine Plattform besonders viele Käufer gefunden werden. Ich hatte mit den Angeboten von letzteren Plattformen eine gute Zeit: Gutscheine für Restaurantbesuche, Cafés, Museen, Stadtführungen. Vor gut einem Jahr habe ich mich aber entschlossen, mein letztes Konto bei einem solchen Anbieter zu kündigen. Der Grund dafür: Mein Mann bekam im Juli 2016 völlig überraschend die Information von einem dieser Unternehmen, dass er eine Rundreise in Vietnam für zwei Personen gebucht habe, und zwar für 998 Euro. Das ist aus mehreren Gründen völlig abwegig:

Kinderbilder im Netz und die Folgen

So süß: Breiverschmiert, auf dem Töpfchen oder das erste Mal am Strand. Stolze Eltern teilen diese Fotos ihrer Kleinen gerne in sozialen Netzwerken – und wissen oft nicht, welche Folgen das haben kann. Doch soziale Medien wie Facebook und Instagram sind kaum noch aus dem Leben moderner Eltern wegzudenken. Sie verbinden Menschen über Kontinente und um die ganze Welt, und es ist kein Wunder, dass man dort auch Fotos der eigenen Kinder teilen möchte, um Freunde und Familie in der Ferne am Aufwachsen der Kleinen zu beteiligen. Allerdings ist die Welt da draußen nicht nur gut: „Sicherlich ist es ein extremes Beispiel, wenn wir vor Pädophilen warnen“, sagt Martin Müsgens,…

Leserbriefe aus der Hölle, Teil 2: „Sie leben von den Dummen“

Dieser Leserbrief erreichte mich als Mail und hat eine Vorgeschichte. Er bezieht sich auf einen Artikel, den ich 2013 über Postpay geschrieben habe. Der Text ist einer der meistgelesenen und -kommentierten auf meiner Homepage, und das, obwohl er schon so alt ist. Zuletzt kommentierte dort ein Mensch mit abgekürztem Vor- und ausgeschriebenem Nachnamen. Obwohl es im Artikel um Postpay geht, kam er auf Paypal zu sprechen. Ich antwortete ihm relativ kurz. Darauf kam ein langer Kommentar zurück, den ich nicht 1:1 freischalten konnte. In dem Kommentar standen nämlich Aussagen, von denen ich schlicht und ergreifend nicht weiß, ob sie stimmen oder nicht. Wären sie falsch, käme ich bei einer Veröffentlichung…

Ein Platter am Mietwagen – und was danach kam

„Der Reifen vorne links verliert langsam Luft“. Ich schaue meinen Mann entsetzt an. Ist er sich sicher? Natürlich ist er sich sicher: Gestern habe der Reifen noch 32 PSI gehabt, jetzt deutlich unter 30. PSI ist eine angloamerikanische Maßeinheit für den Druck, und wir waren in Schottland unterwegs. Wir fuhren zu einer Tankstelle, pumpten den Reifen auf: 34 PSI. Noch hatten wir die Hoffnung, der Reifen sei vielleicht einfach nur nachlässig aufgepumpt gewesen.

Leserpost aus der Hölle, Teil 1. „Sie bekommen Provisionen“

Die Zahl von Kommentaren, in denen ich beleidigt werde, oder in denen mir unbekannte Menschen Dinge unterstellen, die völlig absurd sind, wächst. Es scheint eine immer niedrigere Hemmschwelle zu geben, fremde Menschen anzupöppeln. Übrigens nehmen diese unschönen Umgangsformen auch unter Bekannten und über alle sozialen Netzwerke zu, habe ich den Eindruck. Ich habe dazu neulich schon einmal einen Text veröffentlicht. Ich genehmige diese Kommentare trotzdem, zumindest ansatzweise und so, dass ich damit nicht gegen geltendes Recht verstoße. Werden also in den Kommentaren Unternehmen oder Privatmenschen angegangen mit Aussagen, die nicht belegt sind oder strafrechtlich verfolgt werden könnten, veröffentliche ich diese Passagen nicht. Schließlich hafte ich für das, was auf meiner…

Die Zukunft der Mobilität: In Paris macht man sich Gedanken

Es ist sechs Jahre her, dass ich meinen alten Golf verkauft habe. Eine unfassbar lange Zeit, wenn ich es mir richtig überlege. Ich habe dieses Auto sehr geliebt, und es fiel mir nicht leicht, es abzustoßen. Aber der Wagen stand oft wochenlang ungenutzt in der Tiefgarage, die jeden Monat 50 Euro kostete. Er war nach 14 Jahren sehr oft für teures Geld in der Werkstatt. Und sobald ich aus der Garage fuhr, stand ich im Stau. Das hat mich am meisten genervt.

Wo bleibt eigentlich die Netiquette?

Hate Speech scheint mir das Thema des Jahres zu sein. Kaum eine Medienkonferenz, die ohne ein Modul zum Thema auskommt, kein Bildungsträger, der nicht mindestens einen Workshop zum Thema anbietet. Berechtigt, durchaus, denn die Welle an Hass, Verleumdungen und Bösartigkeiten, die durchs Internet rollt, ist gigantisch. Auch meine Blogs bleiben nicht immer verschont von den Kommentaren von Menschen, die nichts Besseres zu tun haben, als ihren verbalen Müll auf digitalen Plattformen zu äußern.

Ein Gespräch über berufliche Leidenschaft und die Rente

Es gibt Menschen, die begleiten einem beruflich lange, sehr lange. Herr M. ist einer von ihnen. Mein erstes Hintergrundgespräch mit ihm hatte ich vor wahrscheinlich 20 Jahren, damals also, als ich anfing, hauptberuflich als Journalistin zu arbeiten. Herr M. war damals aus meiner Sicht alt, sehr alt, ungefähr so alt, wie ich heute bin. Wenn ich ihn die letzten Male kontaktiert habe, dachte ich immer schon: Ob er wohl noch da ist? Er müsste doch bald in Rente gehen.