Begegnung mit einer bloggenden Teilzeitreisenden

Aktion #ehrlichNRW
Aktion #ehrlichNRW

Bei einer meiner vielen Bahnreisen in den vergangenen Wochen bin ich auf die Aktion #ehrlichNRW der Deutschen Bahn gestoßen: Das Unternehmen ist auf der Suche nach schönen Bildern und Erfahrungen von Bahnreisenden. So eine Aktion kann natürlich auch ein Schuss in den Ofen werden – dann nämlich, wenn die Bahnfahrer nur negative Erlebnisse veröffentlichen von Zugverspätungen, ausgefallenen Klimaanlagen oder unhöflichem Personal. Da ich aber grundsätzlich der Bahn positiv gegenüberstehe, schaue ich mir die Aktion näher an: Bahnkunden können ihre Erlebnisse direkt auf dem Portal selbst posten oder sie über die sozialen Kanäle, versehen mit dem Hashtag, in die Welt hinaushauen. Da ich neugierig bin, ob ein Tweet tatsächlich eine Reaktion erzeugt, poste ich einen Link zu meinen liebsten Bahnfotos über Twitter.

Tatsächlich kommt ziemlich bald eine Antwort von @teilzeitreisender:

Neugierig wie ich bin, stimme ich einem Treffen zu, ohne genau zu wissen, was mich da erwarten wird. Und gestern war es dann soweit: Vor mir saß Janett, eine Person, so quirlig, dass sie keine Minute still sitzen kann. Sie erzählt mir, dass Journalismus immer ihr Traumberuf gewesen sei, dass sie sich aber einfach nicht getraut hat. Stattdessen hat sie jetzt eine unbefristete Vollzeitstelle in der Forschung. Weil das Schreiben sie aber nicht losgelassen hat, fing sie an zu bloggen: Auf Teilzeitreisender.de gibt sie Tipps für Berufstätige, die gerne kurze Reisen machen. Dazu verbringt sie im Prinzip ihre gesamte Freizeit damit, zu reisen und darüber zu berichten. Viele der Reisen werden von den Anbietern bezahlt, doch mit einer Offenlegung macht sie das dem Leser deutlich. Ich habe Respekt davor, dass jemand den Beruf des Journalisten so toll findet, dass er ihn quasi als Zweitjob ausübt.

Janett erzählt, wie sehr sie sich darüber gefreut hat, als die Bahn sie damit beauftragt hat, #ehrlichNRW zu betreuen. Und da sind wir am zweiten Punkt des spannenden Gesprächs angekommen: Die Teilzeitreisende erzählt nämlich, dass sie über ihr Blog ständig ein bisschen mehr Geld verdient. Und zwar soviel, dass sie ihre Vollzeitstelle jetzt auf 80 Prozent reduziert hat, um mehr Zeit für Reisejournalismus zu haben. Das finde ich ziemlich irre. Da werden bundesweit immer mehr Journalisten entlassen und klagen darüber, dass ihnen jemand ihren Käse geklaut hat. Und ein Quereinsteiger fängt einfach so an zu bloggen, und wird damit so erfolgreich, dass er seinen sehr sicheren Vollzeitjob zurückfährt. Toll!

Von mir will Janett gar nicht so viel wissen: Ob mir eine amüsante Bahngeschichte einfällt, fragt sie. Ich habe mehrere in den vergangenen Wochen erlebt und verweise sie auf ein belauschtes Gespräch in der S-Bahn. Dann fragt sie, ob ich einen Ausflugstipp in NRW kenne, den man prima mit der Bahn erreichen kann, und ich erzähle von unserer Fahrt nach Maastricht mit der Regionalbahn von Köln aus: Belgien, Frankreich und die Niederlande kann man von hier super mit der Bahn erreichen. Schließlich macht sie noch Fotos von mir: Zwei gehen an die Deutsche Bahn, zwei soll ich bekommen und frei verwenden dürfen. Im Gegenzug darf die Bahn meine Fotos für Werbung einsetzen. Ich unterschreibe die mitgebrachte Einverständniserklärung, die Erkenntnisse aus unserem Treffen sind mir das wert. Janett muss weiter nach Bonn, ich zu einem Abendessen. Wir rufen uns ein Tschööö zu, war nett, lass uns doch mal zusammen fotografieren gehen. Schön, was manchmal aus einem Tweet entstehen kann.

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