Bürgerbusse in NRW: Seit 30 Jahren auf der Straße

Screenshot Pro Bürgerbus
Screenshot Pro Bürgerbus

Von A nach B kommen? In der Großstadt ist das kein Problem. Was aber, wenn man auf dem platten Land wohnt, dort, wo eine Busverbindung zur nächsten größeren Stadt sich wirtschaftlich nicht trägt? Wer in solchen Regionen kein Auto hat, ist meistens aufgeschmissen. Außer er wohnt in Nordrhein-Westfalen. Denn dort fahren schon seit gut 30 Jahren Bürgerbusse. „Das ist öffentlicher Personennahverkehr mit Kleinbussen und ehrenamtlichen Fahrern“, erklärt Franz Heckens von Pro Bürgerbus NRW.

„Die Bürgerbusse gehen auf die Initiative des nordrhein-westfälischen Verkehrsministeriums zurück“, sagt Heckens. Dort war man offensichtlich in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts recht visionär. Denn der Begriff „demografischer Wandel“ war damals noch lange nicht in aller Munde. Trotzdem haben sich die Bürgerbusse nach dem Vorbild Niederlande schon früh etabliert: 123 sind im Bundesland unterwegs, angefangen am 4. März 1985 mit Heek/Ledgen im westlichen Münsterland. Zuletzt kam im November 2105 der Bürgerbus Möhnesee dazu, und weitere Bürgerbusse sind in Vorbereitungen.

„Seit es in NRW Bürgerbusse gibt, sind erst vier wieder eingestellt worden“, weiß Franz Heckens. Bei zweien lag es daran, dass der falsche Ort gewählt wurde, sagt er. Damit Bürgerbusse zum Erfolg werden, brauche man ausreichend Bevölkerung, die nicht an den ÖPNV angeschlossen ist. „Einige hundert Menschen sind für ein solches Angebot schon wichtig“, sagt er. Außerdem solle der Bürgerbus nicht Konkurrenz für den ÖPNV werden, sondern eine sinnvolle Ergänzung sein.

Wichtig: Unterstützung durch die Landesregierung

Ganz wichtig seien außerdem die gesetzlichen Rahmenbedingungen und die Finanzierung. Beides ist ohne Unterstützung der Landesregierung kaum zu stemmen. „Das fängt bei den ehrenamtlichen Fahrern an“, sagt Franz Heckens. Zusätzlich zum normalen Pkw-Führerschein brauchen sie lediglich einen Personenbeförderungsschein, ähnlich wie Taxifahrer. „Das ist eine sogenannte Fahrerlaubnis zur Fahrgastbeförderung. Müssten unsere Ehrenamtlichen erst einen weiteren Führerschein machen, um einen Bürgerbus fahren zu dürfen, würde sich kaum jemand für diese Aufgabe finden“, erklärt Heckens. Allerdings müssen die Fahrer sich vor der ersten Fahrt untersuchen lassen, und auch Ihr Punktekonto ins Flensburg wird abgefragt. Nach fünf Jahren kann man seinen Status als Fahrer verlängern lassen. „Damit eine Buslinie regelmäßig fährt, braucht man 20 bis 25 Fahrer“, sagt Franz Heckens. Im Regelfall seien das Rentner, Schichtarbeiter, Hausfrauen und –männer, Arbeitslose und ab und zu auch Studierende.

Bürgerbusse in NRW
Bürgerbusse in NRW

Das zweite Problem ist die Haftungsfrage: „Die Verantwortung muss natürlich nicht von den ehrenamtlichen Fahrern übernommen werden“, so Heckens. Der Bürgerbus sei ein ÖPNV-Angebot, der Betreiber ist ein Verkehrsunternehmen. Darüber läuft auch die Versicherung der Fahrgäste. „Und die Fahrer sind bei der Berufsgenossenschaft versichert“, sagt Franz Heckens.

Drei Voraussetzungen für den Bürgerbus

Damit ein Bürgerbus vom Land einen finanziellen Zuschuss bekommt, müssen drei Bedingungen erfüllt sein:

  1. Es muss ein Bürgerbusverein gegründet werden. Im Klartext: Man braucht Leute, die sich engagieren wollen. Die Initiative kann aus der Bevölkerung kommen oder aus der Verwaltung. „Kommt der Vorschlag von einer Partei, die sich profilieren möchte, wird es oft schwieriger“, so Heckens.
  2. Die Kommune muss bereit sein, die wirtschaftlichen Defizite zu tragen.
  3. Ein Verkehrsunternehmen muss das Projekt betreuen.

Auch in Niedersachsen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Brandenburg gibt es übrigens Bürgerbusse.

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