Voluntourismus in Tansania: Mein persönliches Fazit

Einige Wochen zurück in Deutschland, etwas Distanz zum Projekt und zum Aufenthalt. Was denke ich heute darüber? Würde ich es nochmals tun? Eine Frage, die sich nicht mit Ja oder Nein beantworten lässt. Grundsätzlich finde ich, dass jeder West-Europäer ab und zu seine Komfortzone verlassen sollte. Ich reise seit 1998 regelmäßig, in der Regel in Lateinamerika und Asien, und halte mich dabei fern von All-inclusive-Anlagen. Mir geht es darum, Land und Leute kennenzulernen. Und dabei wird man auch mit Armut konfrontiert – in Indien, Bolivien oder eben Tansania. Es schadet nicht, sich damit auseinanderzusetzen, und es würde den Dialog zwischen Industrie- und Entwicklungsländern sicherlich verbessern, wenn noch mehr Europäer sich…

Tansania: Letzter Arbeitstag in Yamba

Heute ist mein letzter Arbeitstag als ehrenamtliche Reporterin in Yamba. Ich kann kaum glauben, wie schnell diese vier Wochen in den Usambarabergen vergangen sind. Auch wenn es Tage und Nächte gab, die mir endlos erschienen – weil es beispielsweise besonders kalt oder stürmisch oder neblig war, weil die Metallschüsseln voll Erde, die wir auf der Baustelle abgetragen haben, kein Ende nehmen wollten, oder einfach, weil es zur Abwechslung statt Linsen Bohnen zu essen gab.

Tansania: Gespräch mit zwei ehrenamtlichen Lehrern in Yamba

Bethany Taylor aus Ipswich, England, wird in Yamba nur Bee genannt. Sie ist 20 Jahre alt, mit der Schule fertig, aber noch nicht im richtigen Job gelandet. Sie war 2011 fünfeinhalb Monate als Englischlehrerin in Yamba, und hat beschlossen, zurückzukommen. Ihr Ziel ist es, im gemeinnützigen Sektor in England zu arbeiten, doch es sei nicht einfach, dort hineinzukommen, sagt sie. Und sie möchte gar nicht erst damit beginnen, Tee für die Abteilung zu kochen. Bee hofft, den Einstieg ins Berufsleben über ihre Praxiseinsätze bei Village Africa zu schaffen.

Tansania: Gebrauchtkleider in Yamba

Kleiderspenden sind bei Village Africa nicht nur willkommen, sie werden auch ernst genommen. Maiko aus dem Management-Team erfasst zunächst jede Jacke, jeden Pulli, jeden Strampelanzug einzeln. Dann erstellt er eine Liste der Familien, die dringend etwas aus der Kleiderspende brauchen und lädt sie ein, an einem bestimmten Tag zu einer festgelegten Zeit zu einem bestimmten Ort zu kommen.

Tansania: Recherche in Milingano

Milingano ist gegen Yamba eine richtige Großstadt: Es gibt einmal die Woche einen Markt, Fahrräder, eine sehr große Schule, eine Krankenstation, deren Arzt aber nicht in der Nähe war. Und ein kleines Hospital, das nicht genutzt werden kann, weil die Regierung seit Jahren keine Betten zur Verfügung stellt. Was dazu führt, dass das Gebäude schon wieder zerfällt, ohne jemals genutzt worden zu sein. Das habe ich bei meinem Rechercheausflug erfahren. Alles in allem war es ein harter Tag:

Tansania: Besuch in der Krankenstation in Yamba

Veronika, genannt Mama Ade, und Hilde arbeiten als Krankenschwestern in der Krankenstation in Yamba. Es gab schon eine medizinische Versorgung, bevor Village Africa seine Arbeit in den Usambarabergen vor heute genau sechs Jahren aufgenommen hat. Allerdings war sie geschlossen, als Caroline Johnston, die Gründerin von Village Africa, hierher kam. Die wichtigste Aufgabe von Mama Ade und Hilde ist es, festzustellen, ob ein Patient mit Fieber an Malaria erkrankt ist. Denn wer nicht rechtzeitig die nötigen Medikamente bekommt, kann an der Krankheit sterben.

Tansania: ein Schulbesuch in den Usambarabergen

In Yamba gibt es einen Kindergarten und die Klassen 1 bis 7. Jede Klasse hat ein eigenes Zimmer, nur der Kindergarten und die beiden ersten Klassen teilen sich einen der dunklen Räume mit den Holzbänken und der großen schwarzen Tafel zeitversetzt. Die Schüler tragen alle blaue Hosen oder einen blauen Rock, ein ehemals weißes Hemd oder eine weiße Bluse, und fast alle einen dunkelblauen Strickpullover. Die Pullover haben ehemalige Ehrenamtliche zusammen mit der Dorfbevölkerung gestrickt, weil es in Yamba oft unter 20 Grad hat. Jeden Morgen wird die Schuluniform genau unter die Lupe genommen, und die Kinder sind aufgefordert, Löcher oder Risse zu Hause zu stopfen.

Freiwilligenarbeit: Hausbau in Yamba

Derzeit gibt es zwei große Baustellen in Yamba, und beide liegen nebeneinander. Rechts ist die Baugrube für das Haus des bei Village Africa arbeitenden Fahrers John schon weit ausgehoben, links das Eigenheim für den tansanischen Vorstand der Organisation fast fertig. Heute haben die Bauarbeiter mit den Ehrenamtlichen an der Küche weitergearbeitet. Die Häuser in Yamba bestehen aus drei einzelnen Gebäuden: einer Toilette mit Dusche, einer Küche und einem Wohn- und Schlafbereich. Um die Küche fertig zu bauen, musste ein Mauerabschluss aus Zement auf die Ziegelsteine gesetzt werden. Darauf kommen demnächst die Dachbalken.

Tansania: Die vielen Seiten der Entwicklungshilfe

Ganz böse Zungen sagen, dass Entwicklungshelfer mehr Schaden als Nutzen anrichten. Denn wenn sie wirklich helfen würden, würden sie ihre eigenen Arbeitsplätze langfristig überflüssig machen. Nicht ganz so harsch fällt das Urteil des Süd-Sudanesen Nhial Bol aus:“Viele Entwicklungshelfer meinen, sie wüssten genau, was die armen Länder brauchen. Dabei starten sie oft Projekte, die nicht funktionieren können, weil die Mentalität und Kultur der Betroffenen außer Acht gelassen wird. Helfer sollten fragen, wie Entwicklungshilfe in Afrika helfen kann. Was nutzt es denn armen Kindern in den Usambarabergen in Tansania, wenn sie Englisch lernen? Was bringt es ihnen, wenn ein Lehrer nach drei Monaten wieder verschwindet?“