Mailverkehr mit Spammern

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Mal schreibt ein Prinz aus Uganda, mal ein schwer-kranker Mensch, der mir Millionen vermachen möchte – und jedes Mal juckt es mich erneut in den Fingern, auf diese blödsinnigen Spam-Mails zu antworten. Jetzt habe ich das einfach mal gemacht. Aus purer Neugierde. Natürlich von einem uralten Laptop, auf dem nichts ist, was relevant ist. Und natürlich auch nicht von meinem offiziellen Mailaccount:

Frau Olm-Lakes ist die erste, der ich mit meiner gefakten Web-de-Adresse antworte. Frau Olm-Lakes hat nämlich Gebärmutterhalskrebs und möchte, dass ich die fünf Millionen ihres verstorbenen Mannes unters Volk bringe, der Verwandtschaft traut sie nicht. Ich antworte ihr, dass Gebärmutterhalskrebs ja häufig geheilt werden kann, und ich frage sie, welchen Stiftungen genau ich denn das Geld übergeben soll. Daraufhin schreibt sie mir zurück – in Punkten 1 bis 14. Viel Neues steht nicht in dieser zweiten Mail. Aber ich entnehme ihr, dass Hannah, wie ich sie jetzt nenne, in London im Royal Masden Hospital liegt. Da ich just zwei Tage später nach London fliegen werde, schreibe ich ihr, dass ich sie besuchen komme, um alles weitere persönlich mit ihr zu besprechen. Doch auf meine Frage, in welchem Zimmer sie denn liegt, bekomme ich keine Antwort mehr. Schade.

Post von Ahmad und Marina

Ahmad Farid schreibt mir, dass er mein berufliches Profil gesehen hat und mir einen Geschäftsvorschlag machen möchte. Ich soll ihm schreiben, wenn ich mehr Informationen wünsche. Ich stelle fest, dass die Mailadresse, die angezeigt wird, nicht identisch ist mit der, an die meine Antwort gehen wird. Ich spreche Ahmad darauf an, bekomme jedoch keine Antwort. Stattdessen schreibt er mir, dass er 9 Millionen Dollar mit meiner Hilfe von einer Bank holen möchte. Da er mich mit „Hello brother“ anspricht, fühle ich mich genötigt, ihn über mein Geschlecht aufzuklären. Ich frage ihn, ob es wohl ein Hindernis für unser Geschäft sein könnte, dass ich eine Frau bin – und bekomme prompt keine Antwort mehr. Na sowas.

Den ausführlichsten Mailkontakt habe ich mit Marina aus Russland, einer sehr blonden Frau, die mir ständig Fotos an ihre Mails anhängt. Sie ist auf der Suche nach einem anständigen Mann, der sie heiraten möchte, kein Russe bitte, denn, so schreibt sie, die trinken alle zu viel und betrügen nur die Frauen. Ich gebe mich nicht als Mann aus, doch sie stellt mein Geschlecht auch gar nicht in Frage. Allerdings geht sie leider auch auf meine Fragen nicht wirklich ein. Doch ihre Mails werden immer und immer länger. Insgesamt sind auch bei dieser Unterhaltung drei unterschiedliche Mailadressen im Einsatz, eine GMX-Adresse in Deutschland, eine Yahoo-Adresse in Japan und eine des russisch-niederländischen Anbieters Yandex. Da unser Gespräch irgendwie nicht voran kommt, schreibe ich ihr schließlich, dass ich nicht verstehe, warum sie immer von Männern redet. Ich frage sie, ob sie denn nicht weiß, dass ich eine Frau bin, schließlich habe sie doch mich angesprochen. Auf diese Mail schreibt mir Marina nicht mehr. Schade, ich hatte mich fast schon an ihre mehr oder weniger unverständlichen Mails am Morgen gewöhnt. Die Google-Bildersuche kann mit Marinas Bild übrigens nicht anfangen, was mich tatsächlich ein bisschen irritiert. Da hoffe ich ja fast, nicht wirklich jemandem das Herz gebrochen zu haben.

Fazit: Es ist kein dauerhaftes Hobby von mir geworden, mit Spammern Mailfreundschaften zu pflegen. Zu eintönig. Darum habe ich die Web.de-Adresse wieder gelöscht. Franzi aus Woauchimma gibt es jetzt also nicht mehr. Sehr interessant finde ich in diesem Zusammenhang allerdings, dass ich an Web.de-Adresse, die ich mir extra für diesen kleinen Test angelegt hatte, und die nirgends kommuniziert wurde, nach zwei Wochen direkt Spam-Mails geschickt bekam. Bis dahin hatte ich von der Web.de-Adresse auf Mails geantwortet, die an meine echte Mailadresse geschickt worden waren. So schnell geht das also. Aber auch die direkt gesendeten Spam-Mails waren nicht aufregend genug, um das Web.de-Konto länger zu behalten. In diesem Sinne: Tschööö Hannah, Marina und Ahmed! War interessant mit Euch! Aber Ihr müsst wohl noch ein bisschen weiter suchen, um jemanden zu finden, der auf Euch hereinfällt!

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