Sechs Seminare, die ich als Dozentin nicht so schnell vergessen werde

Seminartag
Seminartag

15 Jahre bin ich selbstständig. Und genau so lange gebe ich auch Seminare. Zu meinen Kunden gehören Hochschulen, Bildungsträger, Verbände, Ministerien und ganz selten auch Privatleute. Eigentlich sollte man ja denken, dass gar nicht so viel bei einem Seminar schief gehen kann, wenn man nur Vorne steht und sein Wissen weitergibt. Doch 2016 habe ich einige Seminare erlebt, die ich kein zweites Mal so haben muss.

Angefangen hat alles ganz früh im Jahr. Ich sollte ein Seminar irgendwo auf dem ostdeutschen Land geben, und zwar zu einem Onlinethema. Die Ergebnisse wollten wir in einer eigens dafür aufgesetzten WordPress-Plattform veröffentlichen. Doch das Kongress-Hotel hatte zu viel versprochen: Das W-LAN im Seminarraum funktionierte nicht, LAN stand nicht zur Verfügung – und zu allem Überfluss hatte ich meinen VGA-Adapter fürs Laptop vergessen. Naja, ohne Internet kann man eben keine Onlinedokumentation erstellen. Trotzdem war es so einfach dann eben doch nicht.

Kurz danach gab ich ein weiteres Seminar. Dort hatte ich keinen Ansprechpartner – und das Beamer-Bild wurde grauenhaft dargestellt. Die Dame, die für das Essen zuständig war, schickte mir einen anderen Dozenten, der an diesem Tag im Haus war. Ergebnis: Das VGA-Kabel war auf einer Seite kaputt. Drehte man es um, bekam man ein gutes Bild. Darauf muss man erst einmal kommen. Immerhin habe ich durch dieses Problem etwas gelernt, was mir künftig hilfreich sein kann – obwohl ja in der Zwischenzeit HDMI-Anschlüsse sehr verbreitet sind.

Dozent, Techniker, Hausmeister

Am gleichen Ort gab ich einige Monate später nochmals ein Seminar. Wieder war die Dame da, die für das Essen zuständig war. Sie drückte mir einen Hausschlüssel in die Hand: Nach Ende des Seminars sollte ich die Haustür abschließen und den Schlüssel in den Briefkasten werfen. Doch als ich nach Ende des Seminars in den Eingangsbereich kam, saß dort eine Gruppe Jugendlicher, die in dem Haus übernachtet hatte und noch nicht abgereist war. Sie müssten noch etwas Zeit überbrücken, bis ihr Bus fahre, sagten sie. Es würde mich doch sicher nicht stören, noch so lange zu warten? Oh doch! Aber trotz meines verbalen Antreibens brauchte die Gruppe gut 20 Minuten, um das Gebäude zu verlassen. Um ganz ehrlich zu sein: Das geht gar nicht. Das habe ich auch am nächsten Tag dem Veranstalter mitgeteilt. Man kann als Dozent nicht die Verantwortung für ein ganzes Tagungshaus mit dem Schlüssel übergeben bekommen. Dann muss entweder ein Mitarbeiter des Tagungshauses zum Abschluss des Seminars vor Ort sein, oder der Veranstalter selbst muss sich kümmern. Vielleicht auch deswegen fand das nächste Seminar für diesen Kunden an einem anderen Ort statt. Im Prinzip war dort alles hervorragend organisiert. Allerdings gab es Kaffee von 9 bis 20 nach 9 – das Seminar sollte jedoch offiziell erst um 10.30 Uhr beginnen. Man musste den Kaffee und die Kekse mit Händen und Füßen verteidigen, damit sie auch noch zum Seminarbeginn da waren. Und als ob das nicht schon schwierig genug wäre, kamen die Teilnehmer mit Zeitverzug: Der Veranstalter hatte drei unterschiedliche Anfangszeiten kommuniziert.

Problem Reisekostenabrechnung

Im frühen Winter hatte ich dann einen Vortrag im Norden. Dort lief zwar technisch betrachtet alles ganz gut. Allerdings gab es hier Probleme mit der Reisekostenabrechnung: Wäre ich Köln – Hannover – Köln gereist, wäre das kein Problem gewesen. Da ich aber Köln – Hannover – Berlin fahren musste, musste die zuständige Finanzenmitarbeiterin ihren Chef einschalten, um die Reisekosten begleichen zu lassen, denn das ist in den Regeln des Hauses nicht vorgesehen. Besonders absurd: Die Fahrt nach Berlin war günstiger als die zurück nach Köln. Davon abgesehen hatte ich das Zugticket natürlich mit der BahnCard 50 und auch noch zum Sparpreis gekauft. Doch das alles beeindruckte meinen Kunden nicht: Man benötigte eine Sondergenehmigung der nächsten Instanz, um das Geld überweisen zu können.

Verwirrte Veranstalter

Zum Abschluss des Jahres war ich bei einem Seminar in Hamburg. Als ich am Anreisetag im angegebenen Hotel ankam, war dort jedoch kein Zimmer für mich gebucht. Per Computer stellte die Dame an der Rezeption fest, dass ich in einem anderen Hotel dieser Kette erwartet wurde. Dorthin war ich eine Stunde mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Da mir das falsche Hotel genannt worden war, schaute ich jetzt nochmals ganz genau in meine Unterlagen – und stellte fest, dass man mir zwei unterschiedliche Anfangszeiten mitgeteilt hatte, und auch zwei unterschiedliche Seminarorte. Gut, dass es Handys gibt: Ich rief also am Sonntagabend beim Veranstalter an, dem das natürlich sehr peinlich war. Am nächsten Morgen lief dann im Prinzip alles ganz gut. Nur konnte man den Monitor mit seinem HDMI-Anschluss nicht direkt ans Laptop anschließen. Stattdessen legten wir ein drei Meter langes Kabel quer durch den Raum zu einem Zwischengerät, dass dann mein Laptop-Bild auf den Monitor funkte. Weil der Monitor aber immer wieder ausfiel, und jedes Mal neu gestartet werden musste, habe ich schließlich das Laptop einfach umgedreht: Bei einer so kleinen Teilnehmergruppe ging das. In einem größeren Raum hätten wir Probleme gehabt.

Mit der kölschen Gelassenheit kann man jetzt sagen: Et hätt noch immer joot jejange. Stimmt ja auch. Aber innerlich hoffe ich natürlich, dass sich diese Kunden als Vorsatz ins neue Jahr mitgenommen haben, ihre Abläufe zu optimieren.

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2 thoughts on “Sechs Seminare, die ich als Dozentin nicht so schnell vergessen werde

  1. Ähnliche Erfahrungen habe ich auch gemacht und gelernt: Immer mitten eigenen PKW anreisen und die technischen Geräte selbst mitbringen; denn auch gute technische Ausstattungen vor Ort können unversehens ausfallen.

    1. Hier gilt ganz klar das kölsche „Jeder Jeck es anders“. Ich habe mein Auto vor etwa sechs Jahren verkauft. Damals bin ich auch mit dem Auto zu Seminaren gefahren – morgens um halb sechs über die A3 von Köln nach Mainz und zurück. Im Stau, im Schneesturm – sehr oft. Vertane Zeit, denn von den Podcasts, die ich hörte, bekam ich nur die Hälfte mit, weil ich mich auf den Verkehr konzentrieren musste. Vor Ort die Parkplatzsuche – nie mehr wieder. Lange schon reise ich viel lieber mit dem Zug an: Ich schreibe während der Fahrt Texte, lese Liegengebliebenes, höre Musik und Textbeiträge, schlafe. Und bin noch nie zu spät zu einem Seminar gekommen. Meine eigene Technik hatte ich auch lange dabei, inklusive Beamer. Mache ich nicht mehr. Es gibt immer einen Teilnehmer, der mit der Technik nicht zufrieden ist. Aber es ist ein Unterschied, ob er meine Technik bemängelt, oder die meines Kunden. Davon abgesehen passiert es mir immer öfter, dass Kunden es nicht zulassen, dass ich meine Hardware nutze. In Hannover musste ich darum neulich meine Keynote-Folien als PDF zeigen. Außerdem finde ich es super, dass sich immer häufiger Fernsehmonitore mit HDMI-Anschluss in Seminarräumen durchsetzen – Ton und Bild ist dann top. Ich werde aber einen Teufel tun und einen Fernseher im Zug mit mir herumschleppen. Letztendlich bin ich als Auftragnehmer auch nicht dafür verantwortlich, dass die Technik meines Kunden funktioniert – das ist seine Aufgabe.

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