Super Idee: die Gutmenschen-App

Lebensmittel schlecht werden lassen? Eher nicht!
Lebensmittel schlecht werden lassen? Eher nicht!

Kaum ein Wort hat in den vergangenen Jahren so gelitten wie Gutmensch. Schade, finde ich, denn ich bin viel lieber ein guter Mensch als ein Arschloch. Sicherlich bin auch ich weit davon entfernt, perfekt zu sein. Aber ich gebe mir Mühe: In Vietnam und Ekuador habe ich je einem Mädchen eine Ausbildung ermöglicht. Derzeit finanzieren wir einem jungen Mann in Tansania die Schule und im Anschluss sein Studium. Ich war ehrenamtlich während der Gay Games als Reporterin im Einsatz, war Beirätin in der Eigentümergemeinschaft, bin derzeit im Vorstand der Kölner Journalisten-Vereinigung und bei der Bundestagswahl in einigen Wochen freiwillig Wahlhelferin. Blutspenden war ich neulich auch das erste Mal, und auch sonst gebe ich mir Mühe, ein guter Teil der Gesellschaft zu sein. Das hat mir meine Oma beigebracht: Was du nicht willst, das man dir tu, das füg’ auch keinem andern zu.

Allerdings geht es eben nicht nur darum, anderen nichts Böses zuzufügen, sondern auch darum, Gutes zu tun. Dieses Gutmenschentum hat jetzt seinen Weg nach Digitalien gefunden, und ich finde, das ist eine hervorragende Idee: Make happy heißt die App, in der meine guten Taten im Alltag in bare Münze verwandelt werden: Nachdem man sich angemeldet hat, bekommt man täglich eine Aufgabe aus den Kategorien „Für mich gut“, „Für Freunde gut“, „Für andere gut“ oder „Für die Umwelt gut“ gestellt. Ist diese erledigt, gibt’s dafür Punkte. Hat man genügend Punkte gesammelt, unterstützt das Erzbistum Köln finanziell ein Förderprojekt, das ich zuvor aus einer Liste gewählt habe. Ich will, dass meine guten Taten Masifunde helfen, Schüler zum Thema Rassismus weiterzubilden.

Was ich bisher tun musste

Dazu musste ich am ersten Tag Müll von der Straße sammeln. Direkt rechts neben unserer Haustür lagen zwei Werbeflyer in Postkartengröße. Als ich sie aufheben und in mein Mülltütchen stecken will, kleben sie am Boden fest: Ein Hundebesitzer hat damit die Ausscheidungen seines Haustieres abgedeckt. Ich ekle mich und überlege kurz, ob ich mir das am Sonntagvormittag wirklich antun muss. Dann siegt mein Wille. Schließlich trage ich einen blauen Einweghandschuh, ich werde maximal 30 Sekunden mit der Hundescheiße in Kontakt kommen. Also ab mit den Papierstücken in die Tüte. Es folgen ein Styroporring in Faustgröße, ein Einkaufsbeleg von Rewe, ein großes Stück Zellophan, eine kleine Plastikflasche, die Papierhülle für einen Döner und ein halber vergammelter Apfel. Meine kleine Tüte ist schnell voll. Dabei bin ich nur auf der Länge unseres Hauses auf beiden Seiten die Lukasstraße einmal auf- und abgegangen. Das ist ziemlich irre.

Alles noch easy

Die zweite Aufgabe ist leicht: Ich soll aus Lebensmittelresten eine Mahlzeit kochen. Da ich immer versuche, alle Reste irgendwo unterzubringen, empfinde ich das nicht wirklich als Herausforderung. Nachdem mir die Aufgabe aber gestellt wurde, gehe ich nochmals in mich. Daraufhin landen die restlichen Cashewkerne im Brot, die übrige weiße Kuvertüre mische ich unter die Zartbitterkuvertüre für einen Schokoguss, und zwischen den Rucolablättern landen die schon hellgelben Kopfsalatblätter und Granatapfelkerne. Zum Thema Resteverwertung gibt’s übrigens eine App vom Bundeslandwirtschaftsministerium.

Dritte Aufgabe: drei Tage auf den Aufzug verzichten. Na gut. Wenn’s jemandem hilft. Ich bin zwar nicht faul, wohne aber im sechsten Stock. Ich betrachte es als Ausdauer- und Beintraining, dann macht es sogar noch Spaß. Mal sehen, welche Aufgaben mir bis zum Ende der Woche gestellt werden. Und mal sehen, wie ich diese erfüllen kann, wenn ich geschäftlich auf Reisen bin. Es bleibt spannend.

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