Uckermark: Der Käse kommt mit dem Kombibus

Screenshot Homepage Kombibus
Screenshot Homepage Kombibus

Lohnt sich in einer wenig besiedelten Region wie der Uckermark eigentlich der öffentliche Personennahverkehr? Nein. Zumindest dann nicht, wenn man nur auf Fahrgäste vertraut. Darum befördern in der Uckermark Busse nicht nur Menschen, sondern auch Gepäck, Briefe – oder Käse. Ich habe mich mit Marita Förster von der Uckermärkischen Verkehrsgesellschaft über den Kombibus unterhalten.

Die Uckermark, das ist eine Region, die überwiegend in Brandenburg liegt, rund um die Stadt Prenzlau. Dünn besiedelt sei dieser Flecken Erde, sagt mir Marita Förster, Leiterin Unternehmensservice Brandenburg Nordost und KombiBus- Beauftragte bei der Uckermärkischen Verkehrsgesellschaft. Wo wenig Leute leben, lohnt sich der öffentliche Personenahverkehr kaum. Und so wurde auch bei der Uckermärkischen Verkehrsgesellschaft der Fahrplan immer weiter gestrichen. Dann besann man sich zurück auf eine Idee aus den 50er und 60er Jahren: Damals transportierten nämlich die Busse die Postsäcke in Dörfer. Warum sollte das heute nicht in ähnlicher Form wieder funktionieren?

„Als 2010 die Bundesregierung ihr Modellvorhaben Daseinsvorsorge 2030 für den ländlichen Raum ins Leben rief, waren wir mit dabei“, erzählt Marita Förster. „Darum befördern unsere Busse seit Mitte 2012 nicht mehr nur Menschen, sondern auch Waren.“ Das sei aus mehreren Gründen sinnvoll, erklärt sie:

  • Die Busse sind Überlandbusse, aber die Kofferräume sind meistens leer.
  • Je weniger Menschen den Bus nehmen, desto mehr muss der Fahrplan gestrichen werden.
  • Je mehr der Fahrplan gestrichen wird, desto weniger Arbeitsplätze gibt es.

Elf Kunden habe man derzeit, darunter ist eine Käserei. Sie beliefert die kleinen Hofläden in der Region, doch die kleinen Mengen sind für den Güterverkehr nicht rentabel. Wohl aber für den Kombibus. Und der hat noch einen weiteren Vorteil: Er schafft den Käse innerhalb von vier Stunden ans Ziel. Das wäre beispielsweise beim Postversand nicht möglich.

Screenshot Uckermärkische Verkehrsgesellschaft
Screenshot Uckermärkische Verkehrsgesellschaft

Doch was so einfach klingt, hat durchaus seine Tücken: Menschen können an einer Haltestelle auf den Anschlussbus warten. Waren kann man nicht einfach abstellen und warten lassen. „Darum war Voraussetzung, dass es einen integralen Taktfahrplan gibt“, sagt Marita Förster. Damit ist gewährleistet, dass die Ware nicht verloren geht. Auch für die Fahrer gibt es beim Projekt Kombibus ein Problem: Je nach Saison müssen sie bis zu 300 Kilogramm ein- und wieder ausladen. „Das ist natürlich eine zusätzliche Belastung“, sagt Marita Förster. Allerdings sei man auf der Suche nach Lösungen.

Fit für die Zukunft

Außerdem ist man bei der Uckermärkischen Verkehrsgesellschaft immer auf der Suche nach neuen Einsatzmöglichkeiten für den Kombibus. So könnte beispielsweise zukünftig ein Einkaufszentrum Waren, die nicht vorrätig sind, den Käufern nachschicken lassen. Noch ein Beispiel: Bei der Zusammenarbeit mit einem Postdienstleister überlegt man außerdem, ob der Bus nicht künftig auch eine Art Briefkasten sein könnte. Ganz schön kreativ, finde ich. „Was bleibt uns anderes übrig“, fragt Marita Förster. „Wenn wir trotz demografischem Wandel bestehen wollen, müssen wir uns etwas einfallen lassen.“

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