Digitale Transformation gelingt nur mit den richtigen Führungskräften: ein ITB-Digitalisierungsfazit

Roboter auf der ITB
Roboter auf der ITB

„Der Roboter kommt, auch in der Hotelbranche“, da ist sich Günther Oettinger, EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, sicher. Tatsächlich werden gleich zwei auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin, der ITB, vorgestellt. Da ist Mario, 57 Zentimeter groß, keine sechs Kilo schwer, spricht 19 Sprachen – und arbeitet im Mario-tt Hotel in Gent. „Er übergibt den Gästen ihre Zimmerkarte“, sagt Roger Langhout, General Manager des Marriott Hotels in Gent, und diese liebten ihn. Entwickelt hat Mario Zora Robotics in Belgien. In Europa, sagt Fabrice Goffin von Zora Robtics, müsse ein Roboter wie ein Roboter aussehen. Ganz anders in Japan: Der Toshiba-Roboter ChihiraKanae sieht sehr menschlich aus. Die Roboter von Zora Robotics werden übrigens auch in Krankenhäusern eingesetzt, „um zum Beispiel Kindern die Angst vor Spritzen zu nehmen“, sagt Goffin. Auch in Altersheimen kommen sie zum Einsatz, dort übernehmen sie die Rolle der Vortuner und helfen älteren Leuten, aktiver zu sein.

Roboter in der Hotelbranche
74% können sich Roboter als Hotelportiers vorstellen
69% als Bedienung
68% als Einlasser an Touristenattraktionen oder Reiningungskräfte
Umfrage von Travelzoo unter 6200 Menschen in neun Ländern

Günther Oettinger legt bei seinem Vortrag zur Digitalisierung der Reisebranche bei der ITB aber auch den Finger in die Wunde: Europa sei vielfältig, kulturell sowie landschaftlich. Trotz aller Vielfalt bilde man eine Einheit: 28 Länder könne man in der Regel ohne Passkontrolle bereisen. Doch geht es um den digitalen Binnenmarkt, dann gibt es in Europa noch jede Menge Probleme. Zwar strebe man auch einen digitalen Binnenmarkt mit beispielsweise einheitlichen Datenschutzregeln für die 510 Millionen Menschen an, und der könnte 2017 auch wahr werden, aber auch damit sind nicht alle Probleme gelöst. Die digitale Infrastruktur lässt nämlich vielerorts zu wünschen übrig. Auf dem Land ist sie oft fast gar nicht vorhanden, aber auch in den Städten reiche die Download- und Upload-Geschwindigkeit für die Zukunft und die Ansprüche einer only mobile Generation nicht aus. 5G als neuer Standard im Mobilfunk könnte 2019/2020 wahr werden, damit würde Vieles möglich, was heute noch nicht vorstellbar ist.

Damit Unternehmen den Schritt in die digitale Transformation nicht verschlafen, brauchen sie übrigens spezielle Führungskräfte. Das sagte Georgia Stegmann von Russell Reynolds Associates. Diese Veränderer, so haben ihre Untersuchungen ergeben, bleiben immer nur so lange in einem Unternehmen, bis es auf dem richtigen Weg ist. Georgia Stegmann beschreibt sie als kreativ, neugierig und wissensdurstig, sie fragen sich nicht nur, wer heute ihr Konkurrent ist, sondern auch, wer es morgen sein wird. Beispiel Autobranche: Wer dort noch nicht erkannt hat, dass die Konkurrenz in den kommenden Jahren Google und Apple heißen könnte, ist spät dran. Die Veränderer sind zielstrebig und innovationslustig, sie stellen sich Problemen und vor allem haben sie viel Verständnis für ihre jungen Mitarbeiter, die bereits in einer digitalen Welt groß geworden sind. Digitale Transformation, so sagt Georgia Stegmann, ist nicht möglich, wenn sich Unternehmenschefs vor Machtverlust fürchten. Vielleicht, so denke ich, brauchen wir auch in Medienunternehmen mehr Veränderer.

Blick über den großen Teich

Wie unsere Zukunft aussehen könnte, das erklärt Professor Wolfgang Henseler in seinem Vortrag: „Wie smarte Medien und innovative Technologien unser Denken verändern“. Vom PC zum Laptop zum Smartphone zu den smarten Produkten, das ist die Entwicklung zum Internet der Dinge oder Web 4.0. Darunter versteht man, dass der Mensch im Mittelpunkt der technischen Entwicklung steht. Die Technik entlaste ihn, entmündige ihn aber nicht. Beispiel selbstfahrendes Autos: „Es liegt am Fahrer, ob er selbst fahren will, oder die Zeit besser anderweitig nutzen kann.“

Wie weit Deutschland den USA in der Entwicklung hinterherhinkt, macht Henseler mit kurzen Videos deutlich. Amazon beispielsweise ermöglicht den Einkauf längst nicht mehr nur über eine Homepage und die App. Echo, eine Dose mit den Funktionen des Apple-Sprachassistenten Siri, scheint zumindest in der Werbung auf alle Fragen eine Antwort zu haben. Auch darauf, wo Kunden einen Kredit bekommen. Und wenn das Toilettenpapier ausgeht, fügt Echo es nach mündlicher Aufforderung der Einkaufsliste hinzu. „Täglich kommen in den USA neue Angebote auf den Markt, die Nutzer mit Echo kombinieren können“, sagt Henseler. Dort gibt es übrigens auch einen Dash-Knopf, habe ich gelernt. Er erinnert mich an eine alte Haustürklingel und kann überall in der Wohnung angebracht werden, wo spezielle Produkte in der Regel stehen. Beispiel Cornflakes: Neben der Packung bringt man den Amazon-Dash-Button an. Geht die Packung leer, drückt man den Knopf und bekommt rechtzeitig die neue Packung geliefert. Für Prime-Mitglieder ist der Service kostenlos. Noch einen Schritt weiter gehen DRS-Produkte. Beispiel Wasserfilter: Er ist mit dem Internet verbunden. Muss der Filter gewechselt werden, geht eine Meldung an Amazon und der neue Filter kommt pünktlich zum Wechseltermin.

Daten, Daten, Daten

Bei all diesen Anwendungen werden natürlich auch Daten erhoben, analysiert, ausgewertet und gegebenenfalls verkauft. Trotzdem lassen sich die gesammelten Daten auch positiv einsetzen. Chris Pearrow von Minube erklärt, dass man anhand der gesammelten Daten den Nutzern Vorschläge für den nächsten Urlaub macht. Dazu wertet man aus, wie weit entfernt sie für gewöhnlich Urlaub machen, wie lange sie verreisen und was sie dafür bezahlen. Anhand dieser Daten sucht man ähnliche Reiseziele, die man dann vorschlägt. Ich persönlich hätte mit diesem Vorgehen Probleme, weil ich die Vielfalt der Welt schätze, und weil ich gar nicht immer die gleiche Art von Urlaub machen möchte. Ich kann mir aber vorstellen, dass es Menschen gibt, die diesen Service begrüßen.

Um den Kunden maßgeschneiderte Angebote machen zu können, reicht es allerdings nicht aus, dass man nur das Geschlecht, das Alter und die Herkunft kennt, erklärt Mihir Ignatius Nayak, Journalist, Hotelier und noch vieles mehr. Der Musiker Ozzy Osbourne und Prinz Charles seien zwar gleich alt, beide wohlhabend, männlich und Briten. Doch die Art, wie sie ihren Urlaub verbringen, sei vermutlich sehr unterschiedlich.

Mehr über meine ITB-Erlebnisse als Bloggerin.

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