Führung durchs Smart Home auf der Internationalen Möbelmesse in Köln

Smarte Haustür
Haustür zum Smart House

Plötzlich knackte es in meinen Ohren. Ich hörte nichts mehr, obwohl mein Gegenüber die Lippen bewegte. Nein, das lag nicht an meinen Ohren, sondern an der Technik: Die schweren Bügel, die meine Ohren nach unten zogen, übertrugen nicht, was der Herr vor mir in sein kleines Mikro sprach. Lag’s an den Bügeln oder am Mikro? Das weiß ich nicht. Fest steht allerdings, dass das kein guter Auftakt war für eine Führung durch ein Smart Home auf der Internationalen Möbelmesse in Köln.

Die Idee, die das Netzwerk Let’s be smart hatte, nämlich eine Andeutung eines smarten, also vernetzten Hauses, zu errichten, und uns all die Wunderdinge zu zeigen, die unser Leben revolutionieren sollen, finde ich gut. So bekommt man ein Gefühl dafür, was smart living sein könnte. Wirklich beeindruckt hat mich allerdings wenig. Das liegt sicherlich auch daran, dass ich bereits im Jahr 2000 das erste Mal über ein Smart Home geschrieben habe. Das ist 16 Jahre her, und der Text ist noch immer ziemlich aktuell:

  • Entertainment, Edutainment oder Infotainment: beispielsweise Fernsehen über das Breitbandkabel mit Settop-Box und Rückkanal für Internet über den Fernseher als Bildschirm.
  • Ressourcenmanagement: Anwesenheitssensoren stellen fest, dass sich in einem Raum gerade niemand aufhält und löschen automatisch das Licht oder drehen die Heizung runter. Die Bewohner können so bis zu 30 Prozent einsparen.
  • Sicherheit: Anwesenheitssensoren können auch Einbrecher melden. Außerdem lassen sich über eine Zentralverriegelung mittels Knopfdruck zum Beispiel alle Fenster und Türen gleichzeitig schließen. Anstelle eines Schlüssels öffnet man eine Tür durch den Fingerabdruck.
  • Health Care / Gesundheitsvorsorge: Die Toilette prüft den Urin und übermittelt die Ergebnisse an den Hausarzt.

Leider, möchte man sagen, denn so richtig viel weiter scheinen wir nicht gekommen: Als wir bei unserer Führung nämlich ins Smart House hinein wollen, gibt es ein neues Problem: Wir nahmen an, dass ein Kind alleine zuhause ist und ein Fremder an der Tür klingelt. Dieses Klingeln löst auf Muttis Handy eine Nachricht aus. Sie sieht nun aus der Ferne durch die Kamera, wer vor der Tür steht. Will sie die Tür öffnen, funktioniert das per Klick auf den Smartphonemonitor. Zumindest in der Theorie. Nicht aber in der Praxis bei der Führung.

Schaltzentrale im Haus
Schaltzentrale im Haus

Mutti fährt übrigens ein eCar mit Stromtanksäule vor dem sich automatisch öffnenden Garagentor. Praktisch: An einer zentralen Stelle im Haus kann man sehen, wie voll das Autoakku noch ist, wie viel Wasser, Strom oder Gas man beispielsweise mit der smarten Waschmaschine und dem Trockner verbraucht hat. Deren Status lassen sich natürlich auch über die App auf dem Tablet überprüfen, man muss also gar nicht erst vom Sofa aufstehen. Nur später dann, wenn die Wäsche gebügelt, gefaltet und weggeräumt wird, da muss man aktiv werden. Und das ist dann leider richtige Arbeit.

Das smarte Haus sagt mir, wann ich lüften muss, damit’s keinen Schimmelpilz gibt, es putzt automatisch die Toilette – „das ist viel hygienischer und in Japan schon völlig alltäglich“, erfahre ich. Sollte jemand einbrechen, beginnt meine Nachtischlampe rot zu leuchten, aber verflucht, was mache ich dann eigentlich, frage ich mich. Hoffentlich habe ich vorher die Funktion auf dem Handy aktiviert, dass bei einem Einbruchsversuch die Nachricht direkt an die Polizei weitergeleitet wird.

Smarter Backofen
Smarter Backofen

Ganz praktisch ist der Wasserhahn, den man von einem beliebigen Platz per Funk steuern kann. Das ist sinnvoll für Menschen, die zu klein sind, um den Wasserhahn zu erreichen, oder die möglicherweise im Rolli sitzen. Damit dieses System aber wirklich sinnvoll ist, benötigt man einen Wasserhahn, der das Wasser möglichst weit nach vorne im Waschbecken transportiert. Denn die Funkbedienung bringt wenig, wenn ich den Wasserstrahl nicht erreiche.

Wirklich gut: Sensoren in der Matte

Sehr gut gefällt mir, dass im Bettvorleger Sensoren sind. Stehe ich nachts darauf, geht das Licht an. Das ist praktisch, wenn man im Halbschlaf um die Ecke muss. Allerdings ist natürlich Voraussetzung, dass der Vorleger weder eine Stolperfalle ist, noch wegrutscht. Sensoren in der Matte melden auch, wenn dort jemand hinfällt und nicht mehr aufsteht – und zwar an den nächsten Hilfsdienst. Prima. Dumm nur, wenn man wenige Zentimeter vor oder hinter dieser Matte umfällt, und keinen Sensor um den Hals oder am Armgelenk trägt.

Heizung hinter Bildern
Heizung hinter Bildern

Richtig gut gefallen mir die Bilder an der Wand, hinter denen eine Elektroheizung ist: keine hässlichen Heizkörper mehr im Raum, die Platz wegnehmen und im blödesten Fall die abgebende Wärme direkt durch die Fenster wieder nach draußen blasen. Allerdings könnten Elektroheizungen ziemlich teuer werden. Natürlich kann man die Heizung auch aus der Ferne regeln, vernetzt ist sie also genau so wie die Rauchmelder, der Herd und der Backofen. Und, das wird bei dieser Führung mehrfach wiederholt: „Die Daten landen nicht in der Cloud“. Wenn das stimmt, ist es gut. Noch besser wäre, wenn das auch bedeutet, dass die Daten nicht an die Hersteller zur Auswertung übertragen werden. Falls doch, freuen sich schon jetzt einige Unternehmen über die Datenflut, die sie durch das Smart Home bald bekommen werden: Hilft ihnen das doch, ihre Kunden besser zu verstehen. Ob das jedoch im Sinne der Kunden ist, bleibt dahingestellt.

Mein Snapchat-Zusammenschnitt. Bei Snapchat bin ich übrigens kuechenzuruf

BettinaBlass

Wirtschaftsjournalistin, Dozentin für Internetthmen und Buchautorin.

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