Meine Erfahrungen als Bloggerin auf der #ITB2016

Theorie: Was bringt die digitale Zukunft?
Theorie: Was bringt die digitale Zukunft?

Wer gefunden werden will, muss sich sichtbar machen, diese alte Regel gilt auch für die Internationale Tourismusbörse (ITB). Darum sollten sich Blogger, die vor Ort sein werden, in die Datenbank eintragen. Etwa vier Wochen vor Beginn der Messe trudelten in diesem Jahr bei mir die ersten Anfragen für ein Treffen ein, fast alle kamen über die Datenbank. Die Treffen an sich fallen jedoch ganz unterschiedlich aus. Speziell die US-amerikanischen Unternehmens- und Regionenvertreter baten mich zu sich, um mich mit einer Menge Informationsmaterial einzudecken. Die Informationen eines Unternehmens und einer Organisation konnte ich ganz gut gebrauchen für einen Artikel für einen Kunden, anderes Material habe ich zwar eingepackt, aber direkt im Hotel gelassen. Die Vorstellung, dass jemand nur aufgrund von Pressematerial einen authentischen Artikel über eine spezielle Region schreiben wird, halte ich für eher naiv.

Die Ansprechpartnerin eines asiatischen Landes brachte mich mit den Tourismusvertretern einer bestimmten Region zusammen. Ich glaube, dass es hier zu einem kulturellen Problem kam. Die Herren schienen mir sehr desinteressiert, schauten mich kaum an, nuschelten sehr leise vor sich hin. Da ich dieses Land schon einmal bereist habe, fand ich das Verhalten nicht so ungewöhnlich. Grundlage für eine erfolgreiche Bloggerkooperation ist es aber nicht.

Der Termin mit der Vertreterin einer osteuropäischen Stadt war für mich die Enttäuschung schlechthin der diesjährigen ITB. Ich hatte ihr vorab geschrieben, dass ich bald in dieser Stadt sein werde, und ich bat sie, mir einige Infos und Tipps in Berlin zu geben. Wir hatten einen Termin ausgemacht, doch sie war nicht da. Ihre Kollegin hatte keine Zeit, schmiss mir in aller Eile an den Kopf, was junge Leute in der Stadt so machten, ohne dass sie überhaupt meine Zielgruppe kannte. Und ergoss dann noch einen schimpfenden Sermon über mich, dem ich inhaltlich nicht folgen konnte. Sie war übrigens auch die Einzige, die sich nicht an meinen täglichen Snapchat-Geschichten beteiligte. Für eine zehnsekündige Videoaufnahme habe sie keine Zeit.

Die positiven Erfahrungen

Zum Glück gab es auch nettere Verabredungen: Sehr schön war mein Treffen mit der Bloggeransprechpartnerin von Niedersachsen. Wir hatten schon miteinander per Mail Kontakt, und das Portal der Tourismusbehörde verlinkt auf viele meiner Artikel, beispielsweise auf den über Borkum. Jetzt haben wir uns endlich persönlich kennengelernt, und sie versprach, mich bei der nächsten Geschichte, die mich schon wieder nach Niedersachsen führen wird, zu unterstützen. Ihre Informationen sollen in den kommenden Tagen kommen. Auch den Vertreter von Leipzig kannte ich bisher nur per Mail. Jetzt haben wir gut eine halbe Stunde zusammen gelacht und über meine Erfahrungen in und meinen Artikel über Leipzig gesprochen. Er sagte: „Es passiert häufig, dass Journalisten Material anfordern, und am Ende lese ich meine Pressemitteilung abgedruckt. Das war bei Ihnen anders. Ich war erstaunt, was Sie alles aus der kurzen Zeit herausgeholt haben, und ich mochte die persönliche Note.“

Sehr erfreulich war auch das Gespräch mit den Vertretern der Deutschen Jugendherbergen im Nordwesten und in Westfalen-Lippe: Fast 45 Minuten saß ich dort, wir haben zwei wunderbare Themen für mein Blog gefunden und sind bereits in der Umsetzungsphase. Auch das Wiedersehen mit der Vertreterin der Tallink Silja Fähren war positiv, obwohl meine Artikel von der Reise nach Tallinn nicht nur positiv waren. Wir haben eine weitere Kooperation ins Auge gefasst.

Ganz besonders gefreut haben mich die Zusammentreffen mit den Vertretern der Städte Regensburg und Bayreuth. Obwohl meine Blogs noch wenig Leser haben, haben sie sehr gezielt mich um ein Treffen gebeten. Für den einen Vertreter war wichtig, dass ich in NRW lebe und NRW-Inhalte auf der Seite sind, weil die meisten Besucher seiner Stadt aus Nordrhein-Westfalen kommen. Für den anderen war wichtig, dass ich zusätzlich zum Reiseblog auch ein Foodblog habe. Beide waren begeistert über die Möglichkeit, auch das Thema Digitalisierung für Wirtschaft verstehen aufzugreifen.

Meine Snapchat Geschichte, Tag 1

Snapchat und die Touristiker

Begeistert waren auch alle davon, Teil der Snapchat-Geschichte zu werden. Die Deutschen waren zwar alle etwas vorsichtig:“Ist das nicht das, wo die Inhalte nach 24 Stunden weg sind?“ Aber sie fragten alle nach, wie das soziale Netzwerk funktioniert, worauf man achten müsse, und sie ließen sich auch zeigen, was ihre Kollegen vorher gemacht hatten. Hier waren die US-Amerikaner alle deutlich weiter: Sie wussten sehr genau, was Snapchat ist, und dass sie sich dort sehr kurz halten müssen. Die Geschichten sind ganz nett geworden, finde ich.

Meine Snapchat Geschichte, Tag 2

Das merkwürdige Verhalten einiger Kollegen auf der #ITB2016

Etwas befremdlich war das Verhalten einiger Kollegen bei der Pressekonferenz von Indien. Ein Kollege durchsuchte die vorbereiteten Materialientaschen auf einigen leeren Stühlen. Ich weiß nicht, was er hoffte dort zu finden, aber es war zumindest merkwürdig. Nach der Konferenz gab es ein Mittagsbuffet. Ich hatte das Glück, direkt neben dem Buffet zu stehen, als es als eröffnet erklärt wurde. Doch der Gastgeber hatte seinen Satz noch nicht beendet, als sich von links ein Pulk Menschen mit westeuropäischen Gesichtszügen zwischen den ersten am Buffet und mich schmiss. Es kam zu körperlichem Gerangel, bei der Frage, wer sich zuerst etwas nehmen dürfte. Die Teller waren teilweise mit Nahrungsbergen gefüllt, so, als ob es die nächsten Tage nichts mehr zu Essen gäbe. Die Dame, die hinter mir in der Schlange stand, erzählte mir kopfschüttelnd, dass sie am Morgen im Pressezentrum einen Kollegen gesehen habe, der aus Pressemappen sämtliche Speichersticks und Kugelschreiber entfernt und eingesteckt habe.

Meine Snapchat Geschichte, Tag 3

Abschließend bei einem Empfang, bei dem ich zu Beginn wieder zufällig neben dem Buffet stand, stellte eine junge Frau ihren zerfranstem Rucksack auf einen der Barhocker vor dem Buffet und blockierte damit zunächst einmal für alle anderen den Zugriff. Dann beschwerte sie sich darüber, dass der Platz zu eng für alle geladenen Gäste sei. Im Anschluss machte sie den Vorschlag, die Tische, Stühle und die Theke doch einfach von der Fläche zu entfernen, um Platz zu schaffen. Wohin, ließ sie unbeantwortet. Dann fragte sie mich, ob man sich wohl schon bedienen dürfe, sie habe gesehen, dass der ein oder andere sich schon Häppchen genommen habe. Ich sagte, dass ich davon ausgehe, dass das Buffet noch nicht eröffnet sei. So war es auch. Ich hielt während des Auftritts einer Musikerin und der Rede des Unternehmensvorstands Abstand zu ihr. Und als ich mich mit der offiziellen Eröffnung des Buffets wieder umdrehte, war sie verschwunden. Darüber war ich nicht wirklich traurig.

BettinaBlass

Wirtschaftsjournalistin, Dozentin für Internetthmen und Buchautorin.

6 Gedanken zu „Meine Erfahrungen als Bloggerin auf der #ITB2016

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