Mit digitaler Hilfe durch die Miró-Ausstellung in der Frankfurter Schirn

Kennt Ihr die Bilder von Joan Miró? Sie sind oft groß und blau, manchmal mit schwarzen Punkten oder roten Strichen. Ich gebe offen zu, dass das nicht die Art von Kunst ist, die mich begeistert. Und ich wäre tatsächlich auch nicht auf die Idee gekommen, eine solche Ausstellung zu besuchen, wenn nicht der Eintritt für die Frankfurter Schirn, in der die Bilder noch bis Juni gezeigt werden, im Preis für die Hotelübernachtung im Le Meridien inklusive gewesen wären. So dachte ich: Schau’ ich mir an.

Nun bin ich kein Freund von Ausstellungen, durch die sich die Besuchermengen schieben. Genau so war es aber bei meinem Besuch in der Schirn. Eine andere Besucherin erzählte mir ungefragt, dass die Ausstellung gerade erst eröffnet worden sei, und dass man in den Tagesthemen darüber berichtet habe, und dass das der Grund sei, warum hier soviel los sei. Ich schob’ mich durch die Besuchergruppen mit und ohne Audioguide, vorbei an vielen blauen Bildern, die mir nichts sagten. Fast war ich am Ausstellungsende angekommen, als ich sah, dass das W-LAN-Zeichen an den Wänden nicht nur zu freien Benutzung des Internets einlud, sondern dass man damit auch eine ganz persönliche Ausstellungsführung erleben konnte. Nun war mein Interesse natürlich geweckt:

Mithilfe des Internets wurden einige Bilder aus der Ausstellung hervorgehoben. Mit ihnen sollte sich der Besucher genauer auseinandersetzen. Dazu wurden kleine Aufgaben gestellt: Welches Wort fällt Ihnen zu diesem Bild ein, das mit H beginnt? Nachdem man die Lösung eingetippt hatte, sah man die Assoziationen anderer Besucher: Himmel, Höhle, Haufen. Ein Bild weiter konnte ich am Smartphone mit dem Finger aus digitalen Bruchstücken die Collage nachbilden, die Miró geschaffen hatte. Meine sah etwas anders aus.

Dann sollte man sich ein blaues Bild genau betrachten – vielleicht würden dem Besucher doch einige Unregelmäßigkeiten auffallen? Mithilfe der Software: ja. Und schließlich sollte man Rechtecke und Kreise in einem Bild zählen – ich lag ziemlich daneben. Aber es hat Spaß gemacht.

Mein Fazit: Nein, ich bin durch die digitale Unterstützung nicht plötzlich zum Fan von Mirós Bildern geworden. Aber ich habe mich mit ihnen auseinandergesetzt. Ziemlich ausführlich sogar. Und ich habe Dinge gesehen, die mir vorher nicht aufgefallen sind. Und, was mir noch viel wichtiger ist: Ich hatte plötzlich eine wirklich gute Zeit in einer Ausstellung, von der ich nicht viel erwartet hatte, und die mich Minuten vorher noch eher gelangweilt hatte. So sinnvoll eingesetzt kann die Digitalisierung unser Leben und die Kunst bereichern.

BettinaBlass

Wirtschaftsjournalistin, Dozentin für Internetthmen und Buchautorin.

5 Gedanken zu „Mit digitaler Hilfe durch die Miró-Ausstellung in der Frankfurter Schirn

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