Rückblick auf die CeBIT und #rtb2016

Rock the Blog
Rock the Blog

Lange ist es her, sehr lange, dass ich zuletzt auf der CeBIT war. 16 Jahre, um es genau zu sagen. Dass ich mich 2016 wieder für die weltgrößte IT-Messe in Hannover interessiere, liegt an der Konferenz Rock the Blog, die in diesem Jahr das zweite Mal stattfand. Leider habe ich im Vorfeld nicht wirklich viel darüber im Netz gefunden. Aber auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin war #rtb immer wieder Thema. Dummerweise hatte mir seit Beginn meiner Planung mein Terminkalender einen Strich durch die Pläne gemacht: Ich musste am Freitag schon kurz nach 12 #rtb verlassen, um weiter zu fahren – ins Wendland. Ich habe lange überlegt, ob ich wirklich schon Donnerstag nach Hannover fahren, und für eine Nacht horrende Zimmerkosten zahlen sollte. Schließlich habe ich mit mir selbst einen Kompromiss geschlossen: In Hildesheim, 20 Minuten mit der S-Bahn von der Messe entfernt, liegt ein schönes Ibis-Hotel, das nur 149 Euro kosten sollte. Ein Klacks im Vergleich zu den Preisen in Hannover.

Hat sich die Investition gelohnt?

Wenn man eine Messe besucht, darf man bei den Ausgaben nicht nur auf die Hotelkosten achten: Man ist mindestens einen Tag nicht am Schreibtisch, hat also einen Verdienstausfall. Irgendwie muss man außerdem zur Messe kommen, also fallen auch Fahrtkosten an. Und essen und trinken muss man auch – auf dem Messegelände ist beides nicht gerade günstig. Trotzdem hat sich die Investition gelohnt:

Ich hatte mich, wie auch im Vorfeld der ITB, in die Besucherdatenbank eingetragen. Während man für die ITB gebeten wird, an den Stand zu kommen, und dann in der Regel ein maximal 15minütiges Gespräch hat, von dem man dann beladen mit Broschüren weiterzieht, wurde ich im Vorfeld der ITB lediglich mit Pressemeldungen geflutet. Nur wenige Pressevertreter kontaktierten mich direkt und fragten, ob ich nicht für ein Gespräch vorbeikommen wolle. Und von diesen wiederum hat nur einer einen festen Termin ausgemacht, der dann allerdings fast 40 Minuten dauerte.

Was habe ich mir angesehen?

Das kleine Start-up eMovement hatte mich eingeladen, mich am Stand zum eRollator zu informieren. Kein sexy Thema? Nein, sicher nicht. Aber wichtig in einer alternden Gesellschaft, zweifelsohne. Zugegeben, ich kam am Stand nicht gut mit dem eRollator zurecht. Die Firmenvertreter versicherten mir aber glaubwürdig, dass das Modell, das im Sommer für 1700 Euro auf den Markt kommen soll, deutlich einfacher zu bedienen sei.

Dann ging ich weiter zum Fraunhofer Institut IESE aus Kaiserslautern. Das nämlich hat mit der rheinland-pfälzischen Landesregierung ein Projekt auf dem Land, das Digitale Dörfer heißt. Darüber hatte ich gelesen, und in Zusammenhang mit dem demographischen Wandel finde ich das sehr spannend. Am Stand konnte man nur ganz praktisch an Tablets den Prozess des Mitmachpaketdienstes, wie es mein Gesprächspartner ihn nannte, ansehen.

Pech hatte ich gegenüber am Stand von Sachsen-Anhalt. Dort sollte es einen virtuellen Luther-Weg geben. Doch anstelle des Standes war nur ein orangefarbenes Warnhütchen. Die Vertreter seien bereits abgereist. Wenig begeisternd war auch die Präsentation einer speziellen Kamera: Ich hatte mit einem Unternehmensvertreter vor der Messe per Mail Kontakt. Er hatte angeboten, mir ein Exemplar zum Testen zu schicken. Ich schlug vor, dass ich mir die Kamera in Hannover ansehen könne. Er meinte, lovely Gloria werde sie mir sehr gern erklären. Lovely Gloria, der ich vorher eine SMS geschickt hatte, die sie aber vielleicht nicht bekommen hat, schaute extrem böse, als ich an den Stand kam, und verschwand mit einem Kunststoffbox und Essen hinter einer Stellwand. Ihr Kollege sprach leider kaum Englisch, drückte mir den Griff einer Kamera in die Hand und nickte unergründlich asiatisch.

Weiter ging ich zu Microsoft. Dort hatte die Firma digitalStrom eine hypermoderne Küche aufgebaut, die mit Amazons Sprachassistenten Echo gesteuert werden kann. Und zum Schluss war ich noch bei Forescout, einem Anbieter von Sicherheitslösungen für Unternehmen, der mir einige schreckliche Szenarien aus seinem Alltag schilderte. Sie habe ich zusammen mit vielen anderen Informationen in einem Artikel für einen Kunden verbraten. Alleine das Honorar dürfte die Kosten für die Zugfahrt und das Hotel decken. Und das neu-erworbene Wissen kann mir keiner mehr nehmen.

#rtb16: Pinterest, Taiwan und nette Menschen

Ich habe schon in den Kalender geschaut: #rtb17 müsste eigentlich am 24. März 2017 das nächste Mal stattfinden. Ich weiß schon heute, dass ich auf jeden Fall dabei sein möchte. Zwar war ich nur kurz da, aber die Eindrücke, die ich mitnahm, waren spannend, und man hat viele bekannte Gesichter (wieder)gesehen: Karsten Lohmeyer von Lousy Pennies war da. Er moderierte das Geschehen auf einer der drei Bühnen. Sin erster Gast war Dragan Djermanovic, eine mutige Frau, die darüber sprach, was es bedeutet, in Südost-Europa zu bloggen: Dort werde man von Unternehmen vehement unter Druck gesetzt, wenn man Kritik übe, sagte sie. Und auch, wie wichtig Blogger in einem Land seien, in dem es keine echte Pressefreiheit gebe.

Zweiter Gast war Daryl Willcox von ResponseSource. Ich fand es spannend, ihn persönlich kennenzulernen, und auch seine Kollegin Vanessa Wonka, mit der ich schon per Mail und Twitter häufig Kontakt hatte. Außerdem habe ich einen Vortrag von Sascha Pallenberg von Mobile Geeks http://www.mobilegeeks.de gehört. Er lebt in Taiwan, berichtet von dort über technische Entwicklungen und hat einen spannenden Einblick in ein Land gegeben, indem Smartwatches eigentlich ein alter Hut sind. Dem smarten Schaufenster gehöre die Zukunft, ist er sicher. Und ich glaube das auch.

Schließlich hörte ich mir noch an, was Anna Neumann von Pinterest zum Thema Influencer Marketing mithilfe der Plattform sagte. Ich nahm mit, dass ich mein Profil überarbeiten muss. Und tatsächlich habe ich seither neue Pinnboards angelegt, einige alte gelöscht. Aber ich brauche noch etwas Zeit, um weiter die Optimierungsschraube zu drehen. Die meisten Bilder sind allerdings noch immer im Querformat, das wird sich wahrscheinlich auch eher nicht ändern in der Zukunft.

Großer Unterschied zur ITB

Auf der ITB habe ich häufig das Gefühl, ein Bittsteller zu sein. Es sind eher weniger Vertreter, die sich über mich als neuen Kontakt freuen, scheint es mir. Man freut sich, alte Kontakte zu treffen, Ihnen bietet man gerne Kaffee, Tee oder Speisen an, noch unbekannten Leuten gegenüber ist man eher skeptisch. Viele scheinen überhaupt kein Interesse zu haben an dem was man macht, sie sind froh, ihre Information an den Mann zu bringen. Ob mir und ihnen das nützt, scheint oft keine Rolle zu spielen.

Ganz anders auf der CeBIT. Egal, wen ich angesprochen habe: Die Menschen an den Ständen waren unglaublich nett. Alle haben sich Zeit genommen und detailliert erklärt, worum es geht. Und das, obwohl ich zwar wie auch auf der ITB als Journalistin war, aber auch jedem sagte, dass ich noch nicht wisse, ob die Informationen verarbeitet werden könnten. Auch nachdem ich meinen Artikel über meine CeBIT-Gespräche geschrieben hatte, und ich die Zitate quasi überraschend nochmals zur Verifizierung zurückspielte, waren alle Gesprächspartner sehr professionell: Sie brauchen unser Feedback bis übermorgen? Gar kein Problem! Pünktlich kam es dann tatsächlich zurück: Alles prima, danke, dass Sie über uns schreiben!

Auf der ITB dagegen will jeder sofort wissen, wann der Text erscheint, in dem das Gesagte veröffentlicht werden wird. Unabhängig davon, ob die Informationen zu meinem Kunden passen, zu meinem Blog und meiner Zielgruppe – oder ob sie überhaupt irgendeine Relevanz hatten. Vielleicht kann die Tourismusbranche von der IT-Branche also noch etwas lernen, wenn es darum geht Kontakte zu Journalisten und Bloggern zu optimieren.

BettinaBlass

Wirtschaftsjournalistin, Dozentin für Internetthmen und Buchautorin.

4 Gedanken zu „Rückblick auf die CeBIT und #rtb2016

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