Journalismus und Trauma

Es muss 1989 oder 1990 gewesen sein, als mein damaliger Kollege bei den Badischen Neuesten Nachrichten mir erzählte, was ihn umtrieb: „Der Zug hatte bei der Einfahrt in den Bahnhof einen Unfall. Und ich bin in die Redaktion gerannt, um den Fotoapparat zu holen, damit wir die Geschichte am nächsten Tag in der Zeitung haben. Ich habe keinen Verletzten geholfen – und ehrlich gesagt, ich habe nicht einmal daran gedacht zu helfen. Ich wollte nur das Foto.“ Damals sagte ich, um ihn ein bisschen zu trösten: „Es waren ja genügend Leute da, um zu helfen. Deine Arbeit ist es, zu informieren, nicht zu helfen.“