Freiberufliche Dozenten und die Umsatzsteuer

Steuerberater Markus Deutsch
Steuerberater Markus Deutsch

Post vom Finanzamt! Darüber freut man sich nur selten. Besonders dann, wenn das Finanzamt Nachfragen hat, kann’s unbequem werden. Beispiel: „Im Voranmeldungsverfahren werden in nicht unerheblichem Umfang steuerfreie Umsätze erklärt, … Aus den vorliegenden Unterlagen ist nicht eindeutig zu erkennen, um welche Art Umsätze es sich dabei handelt … Ich bitte um Stellungnahme.“ Betroffen ist in diesem Fall meine Arbeit als Dozentin an der Hochschule. Dachte ich zu Beginn noch, das lasse sich schnell klären, habe ich diese Hoffnung nach einem Telefongespräch und drei Briefwechseln fast aufgegeben. Man zweifelt daran, dass die Hochschule eine Hochschule ist. Verlangt von einer Universität einen Nachweis, den diese nicht hat, weil das Gesetz diesen Nachweis für Universitäten nicht vorsieht. Es werden Fragen gestellt zur Art der Tätigkeit und der Abrechnung, und zum krönenden Abschluss gibt es einen Kunden, der eine kryptische Antwort als Mail schickt: Man könne nicht genau sagen ob man umsatzsteuerfrei sei oder nicht, das müsse mein Steuerberater herausfinden.

Sensibilisiert durch diese Erfahrungen aus dem Jahr 2012, die sich seit Monaten durch mein Leben ziehen, bin ich 2013 hartnäckig und frage in jedem Zweifelsfall nach, ob der Kunde umsatzsteuerbefreit ist. Das führt zu einigem Missmut bei den Kunden, erleichtert aber langfristig die Zusammenarbeit. Um Licht ins Dunkel der Umsatzsteuer zu bringen, habe ich außerdem ein Interview mit dem Rechtsanwalt und Steuerberater Markus Deutsch aus Berlin geführt.

Gibt es eine feste Regel, wann Bildungsträger umsatzsteuerbefreit sind, und wann nicht?
Grundsätzlich ist zunächst einmal jedes Unternehmen umsatzsteuerpflichtig. Es gibt aber Ausnahmen, die in Paragraf 4 des Umsatzsteuergesetzes geregelt sind. In den Nummern 21 und 22 geht es dabei um Bildungsträger. Universitäten sind in aller Regel immer umsatzsteuerbefreit. Private Hochschulen sind es unter Umständen. Und bei anderen Bildungsträgern kommt es darauf an, ob sie beispielsweise auf den Berufseinstieg vorbereiten oder nicht.

Wie weist man dem Finanzamt nach, dass ein Kunde umsatzsteuerbefreit ist?
Bildungsträger und private Hochschulen haben in der Regel eine Bescheinigung der entsprechenden Landesbehörde, die sie dem Dozenten zur Verfügung stellen können. Grundsätzlich sollte es auch ausreichen, wenn ein öffentlicher Träger für die Kosten aufkommt.


Und wenn der Kunde die Verantwortung zur Beantwortung der Frage auf den Auftragnehmer abwälzen möchte?

Das geht natürlich nicht. Der Auftragnehmer ist ein Außenstehender, kein Hellseher. Er kann nicht wissen, ob ein Bildungsträger umsatzsteuerbefreit ist oder nicht. Im Zweifelsfall sollte der Dozent die Umsatzsteuer verlangen.

Was, wenn fälschlicherweise keine Umsatzsteuer verlangt wurde?
Dann muss der Dozent eine korrigierte Rechnung schicken, auf der die Umsatzsteuer explizit ausgewiesen wird. Weigert sich der Auftraggeber, nachträglich die Umsatzsteuer zu zahlen, kann der Dozent klagen – oder er muss die Umsatzsteuer von seinem Honorar bezahlen.

Welche Auswirkungen hat das auf die Umsatzsteuervoranmeldung beziehungsweise die Umsatzsteuererklärung, wenn der Fall schon länger zurückliegt?
Zumindest in der Theorie müssen beide neu gemacht und in einer korrigierten Version abgegeben werden. In der Praxis reicht es oft aus, wenn die Jahreserklärung verbessert wird.

Was ist Ihr Tipp: Wie macht man es so, dass es von Anfang an keine Probleme gibt?

Umsatzsteuer ist ein schwieriges Gebiet, unter anderem weil es so viele Ausnahmen gibt. Sinnvoll ist sicher, schon zu Anfang den Kunden zu fragen, ob er umsatzsteuerbefreit ist, und sich gegebenenfalls die entsprechenden Unterlagen kopieren zu lassen. Wer mit dem Thema lieber gar nichts zu tun haben möchte, geht zum Steuerberater.

In eigener Sache

Dieser Artikel hat dir weitergeholfen? Dann freue ich mich, wenn du als Dank meine Arbeit unterstützt. Ich mache dieses Blog zwar nicht, um reich zu werden. Aber ich habe natürlich Kosten: für den Server, beispielsweise. Hinzu kommt die Zeit, die ich brauche, um einen Artikel wie diesen zu recherchieren und zu schreiben. Sie geht von meiner Freizeit ab. Spendet über Paypal einfach den Betrag, den Euch dieser Text wert ist. Dann haben wir beide etwas davon.





BettinaBlass

Wirtschaftsjournalistin, Dozentin für Internetthmen und Buchautorin.

Ein Gedanke zu „Freiberufliche Dozenten und die Umsatzsteuer

  • Dezember 3, 2015 um 10:59 am
    Permalink

    Vielen Dank für diesen aufhellenden Blogeintrag!!! Super gemacht, jetzt ist mir im Steuerdschungel einiges klarer geworden.

    Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: