Die Rückkehr der German Angst

Kollektive Angst in Deutschland

Angst. Kein Wort habe ich in den vergangenen drei bis sechs Monaten häufiger gehört. In meinem weiteren Bekanntenkreis leiden akut vier Menschen unter panischen Angststörungen und werden stationär oder ambulant behandelt. Woher ihre Angststörungen kommen, wissen sie meistens selbst nicht genau. Aber Angst ist eben nicht rational. Und trotzdem stark genug, um ihren Alltag zu lähmen. Diese vier mögen Extremfälle sein, aber ich habe das Gefühl, Angst ist derzeit in Deutschland allgegenwärtig, und sie begegnet mir auch in Kommunikationsunternehmen. Es mag 30 Jahre her sein, dass im angelsächsischen Sprachbereich German Angst ein weit verbreiteter Begriff war. Gemeint ist damit eine diffuse, kollektive Angst vor vielen Dingen, die die Deutschen befallen

Worauf man achten sollte, wenn man einen Dorfladen gründet

Screenshot IHK Kassel-Marburg: Dorfläden in Nordhessen

Auf dem Land gibt es immer mehr kleine Orte, in denen man nur noch schlafen kann. Bäcker, Metzger, Post, Bank, Supermarkt? Fehlanzeige. Für die Bewohner sind solche Dörfer nicht sehr attraktiv. So ist es kein Wunder, dass speziell die Jüngeren wegziehen. Doch dadurch beginnt eine Spirale aus Wegzug und immer weniger Infrastruktur – bis am Ende nichts mehr bleibt. Als Gegenbewegung werden immer mehr Dorfläden gegründet. Ich habe mich mit Oliver Stöhr von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg darüber unterhalten, was man beachten muss, wenn man einen Dorfladen gründen will. Ein Dorfladen sichert die Nahversorgung Nordhessen, so sagt mir Oliver Stöhr, sei sehr kleinteilig organisiert: „Es gibt dort viele

Remscheid-Lennep: Leerstand im Ortskern

Remscheid-Lennep

Immer häufiger passiert es mir, dass ich durch einen Ortskern gehe, in dem sich der Leerstand nur noch schlecht kaschieren lässt. Das ist in Einbeck in Niedersachsen so oder in Linz am Rhein in Rheinland-Pfalz. Neulich war ich in Remscheid-Lennep, und auch da offenbarte sich der Leerstand, ein Indiz für den demographischen Wandel. Hübscher Ortskern in Remscheid-Lennep Tatsächlich war ich zunächst ziemlich angetan vom gepflegten Ortskern mit Kopfsteinpflaster und den grauen Schindelhäusern. Hübsch, sauber, vorzeigbar. Und dann auch noch das Deutsche Röntgenmuseum! Eigentlich doch ein Besuchermagnet. Doch als ich durch die Straßen ging und in die Fenster schaute, sah ich ihn, den Leerstand, kaschiert mit Vorhängen, Papier oder einer Eisenbahn

Demographischer Wandel trifft Linz am Rhein

Leere Geschäftsräume

Wer sonntags mit dem Schiff von Köln nach Linz am Rhein fährt, möchte sich kaum Gedanken darüber machen, wie das hübsche Örtchen sein mag, wenn keine Touristen da sind. Denn spielt das Wetter mit, walzen sie sich durch die engen Gassen der Altstadt, sitzen in Cafés und Restaurants, die Welt scheint schön. Wer jedoch mit offenen Augen durch die Fußgängerzone geht, sieht Leerstand – überall: Das Fachwerkhaus, das auf einen Käufer wartet. Erst beim zweiten Hinsehen fällt auch auf, wie viele Fensterscheiben schon Sprünge haben oder ganz fehlen. Der Pralinenladen, in dem eine Sektflasche die Geschichte einer Feier zur Schließung des Geschäfts erzählt. Die Geschäftsräume hinter der gebogenen Glasscheibe mit

Die Caritas und der demografische Wandel

Screenshot Caritas

Aufrütteln will man bei der Caritas: Mitarbeiter, Dienste und Einrichtungen darauf aufmerksam machen, dass es den demografischen Wandel gibt, und dass er alle betrifft. Darum hat man in der Zentrale des Deutschen Caritasverbandes in Freiburg ein Projekt ins Leben gerufen: „Den demografischen Wandel gestalten“. Ich habe mich mit der Projektleiterin Gabriele Göhring unterhalten. Ihr Projekt „Den demografischen Wandel gestalten“ wurde mit dem Demografie Exzellenz Award ausgezeichnet. Um was geht es in Ihrem Projekt? Wir wollen alle Aspekte des demografischen Wandels näher betrachten, auf Probleme aufmerksam machen und nach Lösungen suchen. Unser Projekt läuft drei Jahre, also von 2015 bis 2017. In jedem Jahr fokussieren wir uns auf ein Thema. 2015

Demografie Exzellenz Award: Vielseitigkeit des demografischen Wandels zeigen

Screenshot Demografie Award

„Überalterung“, sagt Klaus Reiners, Pressesprecher beim Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU), „ist nur eine Facette des demografischen Wandels. Tatsächlich vereint der Begriff sehr viele Facetten: Was wird beispielsweise mit der Jugend in einer alternden Gesellschaft? Wie gehen wir mit der gesellschaftlichen Vielfalt um, die die vielen Flüchtlinge in unser Land bringen? Der demografische Wandel begegnet uns an sehr vielen Stellen, und wir müssen darauf reagieren“. Darum hat der BDU 2015 erstmals bundesweit einen Preis an Unternehmen, Kommunen und Organisationen vergeben, die sich mit dem Thema auseinandersetzen. Von Baden-Württemberg für die ganze Republik Schon mehrfach ist dieser Demografie Exzellenz Award in Baden-Württemberg verliehen worden: Der BDU-Landesverband Baden-Württemberg hatte das Thema demografischer Wandel

Klaus-Dieter Zentgraf dokumentiert verfallende Bahnhöfe in Brandenburg

Screenshot Zentgraf

Es ist einige Jahre her, dass Klaus-Dieter Zentgraf von Wilhelmshorst nach Bad Belzig mit der Bahn fuhr. Damals fiel ihm auf, dass an der Strecke sechs Bahnhöfe hintereinander geschlossen waren, die Gebäude zerfielen und waren mit Graffiti besprüht. „Warum?“, fragte sich Zentgraf und ging der Sache mit seiner Kamera auf die Spur: Er reiste quer durch Brandenburg und fand heraus, dass von ehemals rund 12.500 Serviceangeboten nur noch rund 600 übrig sind. Als Serviceangebot definiert er Koffertransport, Fahrkartenschalter oder beispielsweise Bahnhofsgaststätten. Von den verbliebenen 600 Serviceangeboten sind 320 reine Haltestellen für die Züge. „Menschen arbeiten dort also nicht mehr“, sagt er. Und genau das ist schade. Denn, so Klaus-Dieter Zentgraf,

Hiddenhausen: „Es war Zeit, zu handeln“ – Junge Familien gewinnen durch Altbauförderprogramm

Screenshot Hiddenhausen

Es war 2004, als Hiddenhausen in Ostwestfalen-Lippe eine erschreckende Bevölkerungsprognose bekam: Die Zahl der 50- bis 70-Jährigen sollte in den kommenden Jahren steigen, die der jüngeren Bewohner stagnieren oder schrumpfen. Die Folgen für eine Gemeinde mit rund 20.000 Einwohnern: Das Leben vor Ort stirbt langsam aber sicher. Dann wird der ÖPNV ausgedünnt, öffentliche Einrichtungen wie Schwimmbäder oder Bibliotheken schließen. „Es war also Zeit zu handeln“, erzählt Andreas Homburg, Amtsleiter Gemeindeentwicklung und Wirtschaftsförderer der Gemeinde Hiddenhausen. Darum machte man eine Erhebung: Wie viele Alte und Rentner gibt es? Wie viele Kinder und Frauen im gebärfähigen Alter? Wie viele Immobilien würden künftig leer stehen? Wohnen, leben, arbeiten – alles wichtig! Für die

Wohnraum für die Städte: Vom Bürogebäude zum Wohnhaus

Grundriss Wohnung im Arion 76

In den Städten ist Wohnraum knapp. Doch dort stehen immer wieder Bürogebäude leer. Ein Beispiel: das ehemalige Hauptgebäude des Gerling Konzerns in Köln nach der Übernahme durch Talanx und dem Umzug auf die andere Rheinseite. Dort entsteht nun ein neues Viertel mit Wohn- und Geschäftsräumen, das Gerling Quartier. Auch wenn die neue Nutzung der Gebäude sinnvoll ist: Die breite Masse findet dort in der Regel keinen Wohnraum, weil die Quadratmeterpreise relativ hoch sind. Im Gerling Quartier liegen sie bei ab 5000 Euro pro Quadratmeter, während der Durchschnittspreis derzeit bei etwa 3.500 Euro pro Quadratmeter in Köln liegt. Trotzdem ist die Umwandlung von Bürogebäuden in Wohnungen sinnvoll – dann nämlich, wenn