Gelesen: Mehr Wahrheit wagen

Journalisten haben es nicht leicht: Da sind Präsidenten und Parteien, die nicht wollen, dass über sie berichtet wird. Und um das zu verhindern verunglimpfen sie Medien, wann immer sie können: Lügenpresse und Fake News sind zwei Beispiele dafür, wie man Journalisten und deren Arbeit diskreditiert. Das Ergebnis: Viele Menschen, auch in Deutschland, glauben nicht mehr, was Medien veröffentlichen. Fatal. Denn ohne Journalismus keine Demokratie. Schließlich sind Journalisten in einem freien Land eben nicht dem Staat und der Regierung verpflichtet. Im Gegenteil setzen sie sich für die Bürger ein und schauen denen, die das Sagen haben, genau auf die Finger. Das gilt in der Politik und in der Wirtschaft: Der Diesel-Skandal…

Die Alters-Krux bei Recherchestipendien

In Großbritannien recherchieren? In den USA, China oder Lateinamerika? Kein Problem, denn Recherchestipendien für Journalisten gibt es eine ganze Menge. Die Zeitschrift Journalist listet sie im Internet auf, aber auch bei der Bundeszentrale für politische Bildung sind einige gelistet. Die Krux an den Programmen: Ich bin entweder zu alt dafür, oder wir passen inhaltlich nicht zusammen. „Stipendium für junge Journalisten bis 30, 35“, das ist die Regel. Vielleicht gibt es auch mal ein Stipendium bis 40, aber ganz selten für ältere Kollegen. Ist das eigentlich eine Form der Altersdiskriminierung? Und warum überhaupt spielt das Alter eines Journalisten bei der Stipendiumvergabe eine Rolle? Unterstellt man Journalisten jenseits der 35, dass sie…

Blogger, Journalismus und PR

Früher war alles ganz einfach: Da musste, wer in Zeitungen und Magazinen auftauchen wollte, gute Kontakte zu Journalisten pflegen. Heute ist das nicht mehr nötig. Denn erstens kann jede Organisation, jedes Unternehmen selbst senden. Zweitens gibt es nicht-journalistische Blogger, die sich auf Kooperationen einlassen, die der deutsche Presserat anstößig finden könnte. Leider haben das „Jeder ist (s)ein Sender“-Prinzp viele PR-Agenturen und Pressestellen noch immer nicht verstanden. Pressemitteilungen an jedermann Und das ist einer der Gründe, warum mein Mailfach regelmäßig geflutet wird mit Pressemitteilungen, zu denen ich keinen Bezug habe. Alleine in diesem Monat habe ich 26 Mails geschickt, und gebeten, mich aus dem Verteiler zu nehmen. Wenn man bedenkt, dass…

Was ein Tagessatz von 152 Euro mit Korruption zu tun hat

Timo Stoppacher hat gestern auf Fit für Journalismus vorgerechnet, was von einem Tagessatz von 152 Euro übrigbleibt. Aufhänger für diese Geschichte ist eine Stellenanzeige von sueddeutsche.de. Um das Ergebnis vorweg zu nehmen: In der Woche bleiben etwas mehr als 100 Euro übrig. Ich habe mich gestern Abend gefragt, wie empfänglich man da wohl für Nettigkeiten wird. Und nun behaupte bitte niemand, Korruption gäbe es im Journalismus nicht. Wenn das Geld zum Leben nicht reicht Die Süddeutsche ist nicht das einzige Medium, das freie Journalisten schlecht bezahlt. Eine andere große süddeutsche Zeitung tut sich mit fairen Löhnen für Freie genauso schwer wie ein Unternehmen, das freie Dozenten sucht. Ich habe darüber…

Journalismus: Ich will mal über Geld reden

Überall hört und liest man, dass freie Journalisten schlecht verdienen. Ich kenne interessanterweise keinen dieser Kollegen persönlich. Haben Kollegen aus dem Bekanntenkreis tatsächlich als Freie schlecht verdient, haben sie nach sehr kurzer Zeit den Job gewechselt. Ich glaube außerdem, dass es schlecht ist, diese These immer weiter und weiter zu verbreiten.

Wie ist man denn fit für den Journalismus der Zukunft?

Datenjournalismus, mobile reporting, eierlegende Wollmilchsau. Sind das die Antworten auf die Frage, was man als Journalist können muss, um auch in der Zukunft von seiner Hände Arbeit leben zu können? Ja. Nein. Vielleicht – ein bisschen. Meine Antwort auf die Blogparade von Timo Stoppacher (Fit für Journalismus)

Journalismus und Trauma

Es muss 1989 oder 1990 gewesen sein, als mein damaliger Kollege bei den Badischen Neuesten Nachrichten mir erzählte, was ihn umtrieb: „Der Zug hatte bei der Einfahrt in den Bahnhof einen Unfall. Und ich bin in die Redaktion gerannt, um den Fotoapparat zu holen, damit wir die Geschichte am nächsten Tag in der Zeitung haben. Ich habe keinen Verletzten geholfen – und ehrlich gesagt, ich habe nicht einmal daran gedacht zu helfen. Ich wollte nur das Foto.“ Damals sagte ich, um ihn ein bisschen zu trösten: „Es waren ja genügend Leute da, um zu helfen. Deine Arbeit ist es, zu informieren, nicht zu helfen.“