Personal Branding in der Offline-Welt. Oder: Umgang mit Kollegen

Personal Branding: Markenaufbau passiert immer

Ich schmunzele ja immer, wenn Kollegen mir sagen, dass sie kein Personal Branding machen (wollen), weil sie sich auf Journalismus konzentrieren. Denn letztendlich ist jeder Artikel, Radio- oder TV-Beitrag, jeder Twitter- oder Instagram-Post mit unserem Namen eine Art des Personal Brandings, und somit ein Mosaikstein im Aufbau des Selbst zur eigenen Marke. Es kann mir auch niemand erzählen, dass es als Journalist nicht wichtig ist, eine Marke zu sein – auch wenn der Begriff an sich nicht unbedingt positiv ist. Aber: nur wenn mögliche Kunden wissen, was ich kann, werden sie mir auch einen Auftrag geben. Das ist für Freiberufler besonders wichtig, kann es aber auch für Festangestellte sein. Denn

Warum der Algorithmus und ich auf dem Kriegsfuß stehen

Ja, natürlich kann es sinnvoll sein, dass mir anhand meiner Interessen und Interaktionen Posts, Bilder, Videos, Musik oder Einkaufstipps vorgeschlagen werden. Denn wie sonst sollte man die Flut an Informationen im Internet auch nur ansatzweise durchschauen? Alleine die Zahl für YouTube ist gruselig, wenn sie denn stimmt: Jede Minute sollen 400 Stunden Filmmaterial hochgeladen werden, heißt es. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass ich selbst dann, wenn ich jede verbleibende Minute meines Lebens nur noch YouTube sehen würde, nur einen Bruchteil von dem anschauen könnte, was hochgeladen wird. Also ist so ein Algorithmus mit Vorschlägen für den Verbraucher eigentlich eine gute Idee. Wäre da nicht das Aber:

Leserfrage: Ich heirate. Was mache ich mit meinem Nachnamen?

Welcher Name soll's denn sein?

Eine Kollegin fragte mich neulich, ob ich eigentlich bei meiner Heirat den Namen meines Mannes angenommen habe. Nein, das habe ich nicht. Ich habe erst mit Ende 30 geheiratet, ich bin unter meinem Nachnamen bekannt, ich sehe ehrlich gesagt auch keinen Sinn darin, den Namen zu ändern, nur weil man heiratet. Für mich war das also keine Frage, ich wollte weiterhin Blaß heißen. Der einzige Grund, den Namen eventuell zu wechseln, wäre gewesen, wenn ich damit das ß im Namen losgeworden wäre, ein steter Quell für Probleme bei Reisen im Ausland. In meinem Fall hätte ich das ß allerdings gegen ein ü getauscht, was auch nicht wirklich besser gewesen wäre.

Warum wir täglich alle an unserer Marke arbeiten (sollten)

Wir senden täglich im Radio und Fernsehen, wir veröffentlichen Artikel – immer wird dabei unser Name genannt. Und mit jeder Publikation werden wir ein Stück mehr zur Marke. Ich habe das lange nicht von mir geglaubt, bis ich vor drei Jahren in Mainz den Workshop Onlinejournalismus bei der Sommerakademie Verbraucherjournalismus leitete. Dort sprach mich eine Teilnehmerin aus dem Printkurs an:

UofM: Personal Branding im Reporting-Kurs

Memphis

Tief beeindruckt bin ich von der Hausaufgabe, die Kursleiterin Pam Denney ihren Studenten gibt: Bis zur nächsten Stunde müssen sie einen Twitter-Account angelegt und genutzt haben. Auch eine LinkedIn-Seite sollen die Studierenden bis dahin gestaltet haben. Ich stelle mir vor, ich gebe diese Hausaufgabe in Mainz. Mit Sicherheit würden sich einige Studenten weigern, weil sie im Internet nicht präsent sein wollen. Und auch im Seminar selbst hat social media nicht diesen Stellenwert wie am Department of Journalism. Eine ganze Woche nur für social media. Was man in dieser Zeit alles machen könnte.