Personal Branding in der Offline-Welt. Oder: Umgang mit Kollegen

Markenaufbau ist wichtig, um empfohlen zu werden

Ich schmunzele ja immer, wenn Kollegen mir sagen, dass sie kein Personal Branding machen (wollen), weil sie sich auf Journalismus konzentrieren. Denn letztendlich ist jeder Artikel, Radio- oder TV-Beitrag, jeder Twitter- oder Instagram-Post mit unserem Namen eine Art des Personal Brandings, und somit ein Mosaikstein im Aufbau des Selbst zur eigenen Marke. Es kann mir auch niemand erzählen, dass es als Journalist nicht wichtig ist, eine Marke zu sein – auch wenn der Begriff an sich nicht unbedingt positiv ist. Aber: nur wenn mögliche Kunden wissen, was ich kann, werden sie mir auch einen Auftrag geben. Das ist für Freiberufler besonders wichtig, kann es aber auch für Festangestellte sein. Denn wer das Gesicht einer Zeitung oder einer Sendung ist, hat eventuell mehr Verhandlungspfunde, mit denen er wuchern kann.

Personal Branding geht auch Offline

Was aber bei den vielen Tipps zum Online-Personal-Branding gerne mal übersehen wird: Auch in der Offline-Welt werben wir durch unser Verhalten für uns. Ich habe mehr als einmal erlebt, dass Kunden sagen, sie arbeiten mit einem Kollegen oder einer Kollegin nicht mehr zusammen, weil er oder sie in der Absprache zu kompliziert oder auch einfach zu zeitaufwändig war. Und ich kenne einen Kollegen, der auf jeder Veranstaltung aufsteht, sich vorstellt und eine Frage stellt oder einen Kommentar abgibt, um sich so den anderen Anwesenden einzuprägen. Mit Erfolg, wie er mir sagte. 

Haftet einem dagegen ein negativer Ruf an, kann das Auswirkungen darauf haben, von wem man künftig welche Aufträge bekommt. Hinzu kommt: Journalisten beschweren sich ja gerne mal über Pressestellen und PR-Agenturen, weil diese zu beschwerlich, umständlich, unzuverlässig oder was auch immer sind. Nun muss aber niemand meinen, dass Journalisten untereinander unkomplizierter wären. Ich habe in den vergangenen Monaten einige Male den Kopf über Kollegen geschüttelt:

Bad Practice beim Markenaufbau

  • Beispiel 1: Ich möchte für ein Blog mit ordentlichen Zugriffszahlen unbezahlt und freiwillig einen Artikel über ein Journalistenprojekt schreiben. Dazu habe ich mir von drei Kolleg*innen die Kontaktdaten geben lassen. Zwei melden sich erst auf meine zweite Mail zurück, der Dritte meldet sich nie. Das verstehe ich ehrlich gesagt nicht. Wenn jemand über mich und mein Projekt schreiben möchte, ist das doch super, weil es so bekannter wird, und ich so vielleicht erfolgreicher damit sein werde. Würde mich also jemand anschreiben, würde ich mich sofort zurückmelden und den anderen mit den nötigen Informationen versorgen.
  • Beispiel 2: Ich möchte mit einer Kollegin für einen Blogbeitrag ein Gespräch führen. Sie schreibt mir, sie habe soviel Arbeit, ich solle es einfach spontan bei ihr versuchen. Als ich bei ihr anrufe und vorsichtig frage, ob ich sehr störe, sagt sie:“Nöööö – ich verdaddele gerade meine Zeit auf Twitter“. Mal abgesehen davon, dass ich es unhöflich finde, mir zu sagen, man habe zu viel Arbeit, und mir dann am Telefon zu verstehen zu geben, dass man sowieso gerade nichts Besseres zu tun hat, verstehe ich auch dies als ungenutztes Personal Branding. Statt also die freie Zeit zu nutzen, und einem Kollegen einen Termin anzubieten, oder noch besser: sich selbst bei ihm zu melden, muss der andere mir nachlaufen. Oder anders gesagt: Weil ich unbezahlt und freiwillig über eine Kollegin berichten und somit ihr Projekt fördern möchte, muss ich ihr nachlaufen. Ich wäre ja eher auf die Person zugegangen, wenn jemand etwas von mir wissen möchte. Aber: jeder Jeck ist anders.
  • Beispiel 3: Was hab’ ich gelacht! Ich schicke zwei Kolleg*innen ihre Zitate zum Drüberschauen zu. Bei den Zitaten habe ich mich ziemlich streng an ihren eigenen Wortlaut gehalten. Beide melden sich auch in diesem Fall erst auf die zweite Mail zurück, was einfach unhöflich ist. Beide haben ihre eigenen Zitate deutlich überarbeitet – inklusive viel mehr Zeichen als zuvor. Wenn das eine Pressestelle oder PR-Agentur macht, erbosen sich viele Kollegen darüber bei Twitter und anderswo. Manchmal sieht man eben den Wald vor lauter Bäumen nicht. Auch das mache ich nicht. Ich korrigiere nur inhaltliche Fehler, wenn jemand etwas von mir wissen möchte, um es irgendwo zu veröffentlichen.
  • Beispiel 4: Für einen Artikel für einen Kunden frage ich einen Kollegen um einige O-Töne an. Er antwortet erst auf die zweite Mail, dass er genau jetzt 20 Minuten Zeit habe und danach zwei Wochen in Urlaub sei. Ich erreiche ihn glücklicherweise noch, wir reden, ich schlage ihm vor, dass ich ihm die Zitate per Mail nochmals zuschicke. Antwort:“Ja, machen Sie das bitte. Und schicken Sie mir zeitgleich eine SMS. Damit erhöhen Sie die Chancen, dass ich die Mail auch lese.“ Hallo? Ich habe ihm die Mail zunächst ohne SMS geschickt, weil ich wusste, das er in Urlaub ist. Die SMS hatte ich mir in die To do Liste für seinen ersten Arbeitstag eingetragen. Er hat erfreulicherweise auch ohne SMS geantwortet, und zwar während seines Urlaubs.
  • Beispiel 5: Für den gleichen Artikel frage ich einen anderen Kollegen an. Machen wir, schreibt er mir postwendend zurück. „Wegen des Termins legen wir uns später fest“. Da ich nicht viel Zeit habe, frage ich zwei Tage später per Mail nach, wann es ihm denn nun passen wird. Wir verabreden uns für den nächsten Morgen. Ich finde, das hätten wir entweder direkt machen können. Oder er hätte asap auf mich zukommen können. Aber Zeitmanagement ist nicht jedermanns und -fraus Stärke.
  • Beispiel 6: Wieder schreibe ich freiwillig und unbezahlt in einem Blog über einen anderen Kollegen. Als ich ihm den Text nochmals schicke, um sicherzugehen, dass alles korrekt ist, ruft er mich an: Ich solle ihn in zwei Wochen nochmals an den Text erinnern, er habe zurzeit zu viel zu tun. Also trage ich mir für 14 Tage später in meine To do Liste ein, dass ich ihn erinnern soll. Ich verstehe aber ehrlich gesagt nicht, warum er sich nicht selbst eine solche Notiz in den Kalender machen kann.

Konsequenzen des schlechten Personal Branding

Ich habe mir diese Beispiele gut gemerkt. Sollte ich irgendwann gefragt werden, ob ich einen Kollegen empfehlen kann, der entsprechende Kompetenzen hat, würde ich diese Kooperationspartner entweder gar nicht empfehlen – oder mit dem einschränkenden Hinweis, dass ich die Zusammenarbeit mit ihnen nicht als reibungslos empfunden habe. Vielleicht haben diese Kollegen es aber auch einfach nicht nötig, dass sie empfohlen werden. In diesem Fall finde ich ihr verhalten zumindest – nunja – unkollegial.

Davon abgesehen bin ich mir natürlich darüber im Klaren, dass ich auch Ecken und Kanten habe, und möglicherweise einige Kollegen über mich den Kopf schütteln. Auf der anderen Seite kann ich mich nicht beklagen, meine Selbstständigkeit läuft im 17. Jahr sehr gut. Ich muss also irgendwas richtig machen.

Speziell wenn es beispielsweise um Termine geht, bin ich ziemlich zuverlässig. Ich habe seit 1997, also seit ich als Journalistin arbeite, erst einmal einen Termin für ein Telefongespräch verpasst. Und ich weiß sogar noch, mit wem das Gespräch war, und für welchen Kunden es war – einfach, weil das so ungewöhnlich ist. Damit ich keine Termine vergesse, habe ich zugegebenermaßen mein Gehirn diesbezüglich ausgelagert: Ich wäre ohne die To do Liste in der Erinnerungsfunktion von Apple aufgeschmissen. Meine Blogs organisiere ich seit Dezember über Trello. Das ist ebenfalls eine ausgesprochen hilfreiche Software – besonders, wenn man mit Kollegen gemeinsam ein Blogprojekt betreibt. Denn dort können To dos erfasst, mit Labels und Fristen versehen und mit Kommentaren ergänzt werden. Wer also weiß, dass er nicht besonders termintreu ist, sollte sich erstens überlegen, wie das bei Kollegen ankommt, und zweitens eine Lösung suchen, um in diesem Bereich seine Arbeitsweise zu verbessern.

BettinaBlass

Wirtschaftsjournalistin, Dozentin für Internetthmen und Buchautorin.

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