Fast so etwas wie Themenklau

Ein Journalist ohne Themen ist wie ein Fahrrad ohne Räder

Mein Ex-Chef sagte immer: „Es gibt doch nichts Besseres, als kopiert zu werden“. Schließlich sei das ein Zeichen dafür, dass man etwas völlig richtig gemacht hat. Grundsätzlich kann ich diesen Gedankengang nachvollziehen. Allerdings bin ich gerade etwas erstaunt darüber, dass mir eine ähnliche Situation gleich dreimal hintereinander in nur wenigen Wochen passiert. Dabei geht es streng genommen auch darum, dass man kopiert wurde – und zwar bezüglich der Themenfindung. Ob man direkt von Themenklau sprechen kann, weiß ich nicht. So oder so bin ich trotzdem ein bisschen verschnupft.

Situation 1: „Das wollen wir lieber selbst machen“

Einem meiner langjährigsten Kunden habe ich ein Thema angeboten, bei dem es im weitesten Sinne um Cybercrime im Unternehmen geht. Der Kunde fand das Thema zu speziell. Nachdem in den folgenden Wochen aber immer häufiger in den Medien von ähnlichen Vorfällen die Rede war, rief er mich an – und war begeistert von dem Thema. Allerdings sagte er, man müsse das Thema aus hauspolitischen Gründen intern machen, und könne es nicht an einen Freien geben. Er bat mich, einen Kontakt zu meinem Experten herzustellen, und bot mir ein Informationshonorar von 30 Euro. Im Grunde ist es fair, dass er mir Geld angeboten hat. Ich habe es aber nicht angenommen, weil

  1. ich mit dem Kunden seit 2005 zusammenarbeiten, und wir alles in allem ein gutes und vertrauensvolles Arbeitsverhältnis haben.
  2. ich ein großer Netzwerkfan bin, und sicher bin, dass es auch mir etwas bringt, wenn ich meinen Experten mit meinem Kunden zusammenbringe.

Trotzdem gebe ich zu: Am allerliebsten hätte ich das Thema selbst umgesetzt: Es ist meine Kernkompetenz und wäre für mich auch leichtverdientes Geld gewesen.

Situation 2: „Das geben wir einem anderen Freien“

Etwas ärgerlicher war der zweite Fall. Ich hatte einem anderen langjährigen Kunden zwei Themen vorgeschlagen. Das erste Thema hat er genommen. Vom zweiten Thema bat er mich, einen Teilaspekt in einem künftigen Text unterzubringen. Den zweiten Teil wolle man einem anderen Freien geben, der ein ähnliches Thema bearbeite. So habe man dort alles kompakt zusammen. Darüber habe ich mich schon geärgert. Mal ganz hart gefragt: Wie doof muss der Kollege sein, dass ihm dieser Aspekt bisher nicht untergekommen ist? Und ist er oder sie dann wirklich der Richtige für das Thema?

Nun zahlt dieser Kunde nicht besonders gut. Eigentlich lohnt es sich für mich nur, für ihn zu arbeiten, wenn ich das Thema ganz sicher irgendwo zweitverwerten kann. Da ich bisher keine andere Verwertung dafür gefunden habe, ist es zwar nicht-verdientes Geld. Es macht mich aber auch nicht arm. Trotzdem schade.

Situation 3: Nicht gekauft, selbst gemacht – zumindest so ähnlich

Der dritte Fall ärgert mich wirklich. Ich hatte im vergangenen Jahr einem ehemaligen Kunden ein Thema vorgeschlagen. Er wollte es nicht. Darum habe ich es einem anderen Kunden angeboten, der daraus eine große Geschichte gemacht hat, die ich noch in einige Richtungen weitergedreht und mehrfach veröffentlicht habe. Jetzt sehe ich, dass der Ex-Kunde das Thema doch noch selbst aufgegriffen hat. Ich sag‘ mal: Ich hätte es anders aufgezogen und ein bisschen mehr Butter bei die Fische gemacht. Immerhin verlinkt er auf meine große Geschichte. Aber trotzdem bin ich in diesem Fall ein wenig enttäuscht. Eher menschlich als finanziell, wohlgemerkt. Aber so isses das Leben.

Für 2019 wünsche ich mir trotzdem weniger solcher Situationen – und dass meine Kunden bei mir meine Themenvorschläge kaufen – und nicht anderswo. Schließlich geht es alles in allem doch um eine Summe von rund 1000 Euro, die so an meinem Konto vorbeifließt – auch wenn die Honorare einzeln betrachtet eher Peanuts sind. Wenn ich schon beim Wünschen bin: Der ein oder andere neue Kunde dürfte in diesem Jahr auch gerne dazukommen.

BettinaBlass

Wirtschaftsjournalistin, Dozentin für Internetthmen und Buchautorin.

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