Fluch und Segen des mobilen Arbeitens

Oh ja, es ist prima, dass wir dank Smartphone und mobiler Daten heute unsere Arbeit dort machen können, wo wir wollen. Nicht mehr gebunden zu sein an ein Büro und einen Schreibtisch, das ist eine feine Sache. Wenn auch nicht ganz neu: Schon 2005 brauchte mich eine Freundin in den USA. Ich hatte damals noch mein Schlepptop im Gepäck. Während sie tagsüber zur Arbeit ging, schrieb ich meine Texte in ihrem Wohnzimmer und verschickte sie über ihr W-LAN an meine Kunden. Niemand bemerkte, dass ich nicht in Köln war, auch wenn meine Arbeitszeiten merkwürdig waren.

Seitdem ist natürlich Vieles noch besser und einfacher geworden. Allerdings: So richtig ausgereift sind die Systeme noch immer nicht nicht. Zumindest dann, wenn ich für einige meiner Kunden arbeite, stoße ich immer wieder relativ schnell an die Grenzen der Technologie. Beispiele?

Wo’s gut läuft – und wo nicht

  1. Nehmen wir den Kunden E. Mit ihm habe ich 2016 etwa neun Monate zusammen gearbeitet. Um die Prozesse im Unternehmen auch an den Tagen verfolgen zu können, an denen ich nicht vor Ort war, bat man mich, eine spezielle Cloud-Software zu installieren. Der IT-Spezialist des Unternehmens warnte mich: „Wollen Sie das wirklich? Die Software gräbt sich so tief in Ihr System, die werden Sie nie mehr los“. Ich hielt das für eine Übertreibung. Aber er hatte recht: Ich habe schon X-Mal versucht, die Software zu löschen. Es geht nicht. Ich bekomme immer eine Fehlermeldung. Besonders unangenehm dabei: Wenn ich eines Tages meinen Rechner wechsle, und auf dem neuen Gerät das alte aus der Cloud wieder herstelle, wird vermutlich automatisch auch diese Software wieder mit dabei sein, obwohl ich sie überhaupt nicht benötige.
  2. Kunde D arbeitet auf zwei Hierarchieebenen: regional und bundesweit. Während ich auf regionaler Ebene aus Datenschutzgründen weder Google Documents noch andere Cloud-Anbieter einsetzen darf, bekomme ich von der Bundesebene so durchaus meine Dokumente zugeschickt. Die Folge auf regionaler Ebene: Wir schicken Excel-Tabellen per Mail hin und her, die meist schon überholt sind, wenn man sie bekommt, so dass regelmäßig Chaos entsteht.
  3. Kunde V benötigt ab und zu Bilder. Zu Beginn durfte ich sie per Dropbox zur Verfügung stellen. Neuerdings ist das dem Kunden zu unsicher. Er muss mir dann jeweils einen FTP-Slot zur Verfügung stellen, über den ich Fotos hochladen kann.

Um auch etwas Positives zu sagen:

  1. Für den Kunden S stelle ich regelmäßig Texte ins System. Durch meinen Urlaub im Dezember hatte ich im Prinzip nicht genügend Arbeitstage. Ich stellte darum alle Texte ins System, aber als Entwurf. Da ich zu Beginn der Reise in Europa unterwegs war, konnte ich ohne finanzielle Verluste auf dieses System mit dem Handy zugreifen, einen Haken setzen und speichern – et voilà. Dass das Layout des Systems nicht responsive ist, und ich auf dem Smartphone dementsprechend viel vergrößern musste, um die richtigen Schaltflächen zu treffen, ist erstens eine andere Sache, zweitens aber auch ein Beweis dafür, dass man dort gar nicht möchte, dass die Mitarbeiter von unterwegs darauf zugreifen.
  2. Für meinen Kunden U musste ich einmal einen Workshop geben an einem Tag, an dem die Bahnstrecken rund um Köln wegen eines Unwetters gesperrt waren. Wir haben kurzerhand im Unterrichtsraum vor Ort ein Laptop an den Beamer angeschlossen und uns über Skype verbunden. Ich habe so einen sechsstündigen Kurs gegeben, obwohl gut 150 Kilometer zwischen uns lagen. Trotz dieser und anderer positiver Erfahrungen mit Skype behauptet übrigens Kund D, dass man mit dieser und ähnlicher Softwares unmöglich Konferenzen abhalten könne, weil die Qualität zu schlecht sei. Darum trifft man sich bei ihm vor Ort. Die Teilnehmer reisen dazu in der Regel aus vielen unterschiedlichen Städten an. Was für eine Geld- und vor allem Zeitverschwendung.

Auf dieses Thema bin ich übrigens gekommen, weil Simone von Berufebilder zu einer Blogparade dazu aufgerufen hat. Und je länger ich über das Thema nachdachte, desto mehr fiel mir auf, wie sehr wir noch immer in den Kinderschuhen stecken, wenn wir über digitale Zusammenarbeit über das Netz sprechen. Es gibt noch so viel, was in diesem Bereich verbessert werden muss. Was sind denn Eure Erfahrungen?

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