Leserpost aus der Hölle. Teil 3: „Krank, wie man versucht, Leute über den Tisch zu ziehen“

Dass ich unhöfliche Mails hier im Blog bekomme, ist nicht neu. Dass allerdings auf Ebay Kleinanzeigen mir völlig unbekannte Menschen sich erlauben, mich zu beleidigen, hat mich dann doch erstaunt. So schreibt Karsten Anfang Dezember:

„Sie machen sich lächerlich mit ihrem 660 Euro Preis. Der Maler wird zwischen 50-150 Euro gehandelt. Krank, wie man versucht, Leute hier über den Tisch zu ziehen.“

Hintergrund: Karsten bezieht sich auf eine Kleinanzeige, in der wir ein Bild eines Malers anbieten, dessen Stil uns nicht gefällt. Möglicherweise werden Bilder von ihm für unter 150 Euro im Internet angeboten. Die, die ich recherchiert habe, liegen aber eher zwischen 650 und 1600 Euro.

Post auf Ebay Kleinanzeigen
Post auf Ebay Kleinanzeigen

Was mir beim Lesen dieser Nachricht durch den Kopf ging

  • Ein Kunstexperte, der keinen Wert auf Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik legt? Mag es geben. Halte ich aber eher für unwahrscheinlich.
  • Ob ich mich mit meinen Preisvorstellungen lächerlich mache oder nicht, kann Karsten völlig egal sein. Es könnte schließlich auch sein, dass jemand Spaß daran hat, sich lächerlich zu machen. Insofern ist dieser erste Satz nicht nur unhöflich, sondern auch komplett unnötig.
  • Der letzte Satz ist völlig absurd, denn bei Ebay Kleinanzeigen bestimmt der Markt den Preis. Gäbe es jemanden, der das Bild für diesen Preis kaufen möchte, hätte er sich sicherlich schon gemeldet. Da das nicht der Fall ist, gehe ich davon aus, dass der Preis zu hoch ist. Dementsprechend werde ich das Bild sicherlich irgendwann demnächst günstiger anbieten. Falls sich dann jemand meldet: perfekt.
  • Davon abgesehen ist das ein VHB-Preis. Falls Karsten 660 Euro also zu hoch sein sollten, könnte er einfach ganz höflich 150 Euro anbieten. Dann kämen wir zwar auch nicht zusammen, weil mir das zu wenig ist, aber so würde das Feilschen um einen Preis beginnen. Sicherlich nicht mit einer Beleidigung.

Was mir als Verbraucherjournalistin dazu einfällt

Geht man auf die Metaebene, also weg von einer Nachricht, die schrecklich geschrieben ist, fällt auf, dass Karsten eine Handynummer angegeben hat. Darum nehme ich an, dass es ihm nicht in erster Linie darum ging, mich zu beleidigen, sondern dass er eine Reaktion provozieren wollte. Mir fallen da drei Möglichkeiten ein:

  1. Karsten ist so überzeugt von seinem Auftreten, dass er erwartet, dass ich mich bei ihm melde und ihm das Bild für etwa 100 Euro verkaufe.
  2. Karsten hat hinter seiner Vodafone-Telefonnummer einen kostenpflichtigen Dienst hinterlegt. Ruft ein verärgerter Verkäufer dort an, verdient Karsten.
  3. Karsten hofft darauf, dass man die Beantworten-Funktion innerhalb des Mailfachs nutzt, um ihm so ungewollt die eigene Adresse mitzuteilen. Dann kann er eventuell in aller Ruhe einen Einbruch vorbereiten, um so noch günstiger an das Bild zu kommen.

Wie ich reagiert habe

Einem ersten Impuls folgend, wollte ich Karsten tatsächlich aus meiner Mailsoftware heraus antworten. Das habe ich dann aber doch nicht gemacht. Ich habe mich bei Ebay Kleinanzeigen eingeloggt, und habe ihm dort geantwortet:

„Krank, dass man unbekannte Menschen einfach so beleidigt“ – und noch einige wenige Sätze mehr. Geschlossen habe ich meine Nachricht mit der Bitte, keinen weiteren Kontakt zu mir aufzunehmen. Das habe ich losgeschickt, und danach habe ich Karsten blockiert. Ob er die Nachricht noch bekommen hat, weiß ich nicht. Theoretisch könnte er sie wie ich auch ins Mailfach gespült bekommen haben. Im plattformeigenen Kommunikationssystem ist sie nicht mehr einsehbar.

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