Leserbriefe aus der Hölle, Teil 2: „Sie leben von den Dummen“

Wie geht man besten mit doofen Kommentaren um?
Wie geht man besten mit doofen Kommentaren um?

Dieser Leserbrief erreichte mich als Mail und hat eine Vorgeschichte. Er bezieht sich auf einen Artikel, den ich 2013 über Postpay geschrieben habe. Der Text ist einer der meistgelesenen und -kommentierten auf meiner Homepage, und das, obwohl er schon so alt ist. Zuletzt kommentierte dort ein Mensch mit abgekürztem Vor- und ausgeschriebenem Nachnamen. Obwohl es im Artikel um Postpay geht, kam er auf Paypal zu sprechen. Ich antwortete ihm relativ kurz. Darauf kam ein langer Kommentar zurück, den ich nicht 1:1 freischalten konnte. In dem Kommentar standen nämlich Aussagen, von denen ich schlicht und ergreifend nicht weiß, ob sie stimmen oder nicht. Wären sie falsch, käme ich bei einer Veröffentlichung in Teufels Küche, denn als Blogbetreiberin hafte ich für die Inhalte auf meiner Seite. Selbstverständlich kann ich die getroffenen Aussagen nachrecherchieren und schauen, ob ich selbst dafür Belege finde – aber mal ehrlich: Warum sollte ich das tun? Es möge sich doch bitte jeder, der seinen Senf dazu geben möchte, selbst die Mühe machen, Fakten von Halbwissen und verbreitetem Unsinn zu trennen – und Fakten zu belegen.

Eine Mail und eine Antwort

Ich schrieb dem Kommentator darum zurück, dass ich seinen Kommentar so nicht veröffentlichen kann. Erstaunlicherweise hatte er seine richtige Mailadresse angegeben. Daraufhin bekam ich konsequenterweise eine Mail zurück, und zwar diese:

Sehr geehrte Frau Blaß,

googeln Sie doch bitte einfach mal: Kontensperre Paypal. Da werden Sie 1000 fach Belege finden

Richtig, man findet dazu einiges. Aber warum geben Sie in Ihrer Mail nicht einfach von beginn an belege an? Dann könnten wir uns diese Kommunikation sparen.

bevor Sie mich hier als Falschbehaupter darstellen wollen.

Würde ich nie tun. Aber solange ich keine Belege für Ihre Aussagen habe, kann ich sie nicht einfach freischalten. Zu groß ist die Gefahr, dass sie nicht korrekt sind. Ich hafte für das, was Sie auf meiner Seite kommentieren.

Schade das sich nun herausstellt, dass auch Sie nur ihre eigene subjektive Meinung unter das Volk bringen wollen.

Wie kommen Sie denn auf diese bescheuerte Idee?

Es gibt wirklich wenig Menschen die einen Blog führen, in dem objektiv, kritisch und investigativ gearbeitet wird.

Mein Blog ist kritisch, sonst hätten Sie diesen Artikel hier gar nicht gefunden. Mein Blog bemüht sich um Objektivität, sonst würde ich keine Kommentare zulassen. Mein Blog ist nicht investigativ und will es auch gar nicht sein. Das überlasse ich anderen Kollegen.

Wenn ich mir Ihre mitgesendeten Websites ansehe, sind Sie auch nur ein Rädchen in der Maschinerie der Selbstbeweihräucherung,
Selbstdarstellung und Selbstüberschätzung.

Selbstdarstellung: ja, auf jeden Fall. Ich bin selbstständig. Ohne etwas Selbstdarstellung würden mich meine Kunden nicht finden und beauftragen. Man nennt das übrigens Personal Branding. Selbstbeweihräucherung und Selbstüberschätzung sind dagegen eher nicht so mein Ding.

Jetzt wird mir auch klar warum Sie vorhin schrieben das Sie nicht im Widerstand sind, Sie leben von den Dummen die für Ihre Darlegungen
von angeblich wichtigen Dingen auch noch ihr schwer verdientes Geld hin legen.

Schade, dass Sie mir das Wort im Mund verdrehen: Ich schrieb, dass ich nicht im Widerstand gegen Technik bin, wohl aber im Widerstand gegen Kundenunfreundlichkeit. Genau das ist als Verbraucherjournalistin mein Job. Die Dinge über die ich schreibe, sind in der Tat wichtig, denn ohne Geld, Versicherungen, oder eine Immobilie, in der man wohnt, kann das Leben ganz schön schwierig werden.

Sie nutzen das menschliche Grundbedürfnis der Akzeptanz und Zugehörigkeit aus.

Tatsächlich? Wie mache ich das denn? Da müssten Sie schon etwas konkreter werden. Klingt aber gut, der Satz.

Da ist man natürlich nicht im Widerstand, da ist man mittendrin im Kapitalismus und schwimmt schön trocken mit.

Zum Widerstand: siehe oben. Als Selbstständige braucht man schon ein bisschen Kapitalismus, ja. Falls Sie wissen wollen, wo ich mich trotz meiner Neigung zum Kapitalismus ehrenamtlich engagiere oder engagierte, schauen Sie doch gerne in mein Projekt Usambaraveilchen. Auch in meinem Lebenslauf finden Sie einige ehrenamtliche Aktivitäten.

Brot und Spiele für´s Volk und schon ist jeder zufrieden.

Es heißt „fürs“, nicht „für’s“ – davon abgesehen weiß ich nicht, was Sie mir damit sagen wollen.

Ich ärgere mich jetzt wirklich ein wenig, dass ich vorhin bei Google auf Ihren Link geklickt habe.

Tja, da kann ich Ihnen nun wirklich nicht helfen.

Aber Sie als Journalistin wissen ja am besten: Gib dem Menschen eine gute Überschrift und schon ist die halbe Miete drin.

Die Überschrift bringt genau auf den Punkt, was auch im Text steht. Sollten Sie etwas anderes erwartet haben, ist das Ihr Problem, nicht meines.

Zum Abschluss noch: Sie schrieben. „Wir sind nicht einer Meinung“, dass ist so nicht richtig!

Oh doch, das ist so sehr richtig. Konkreter noch: Wir sind offensichtlich überhaupt nicht einer Meinung.

Sie können nicht meiner Meinung sein, da Sie sich kein Stück darum bemüht haben, meine Meinung zu verstehen und zu hinterfragen.

Warum sollte ich das auch tun? Ich weiß nicht einmal, wer Sie sind. Sie haben eine Fake-Namen-Mailadresse, ich weiß nicht, ob Sie Mann oder Frau sind. Sie können über mich dagegen ziemlich viel hier herausfinden. Wer sich so versteckt hält, muss damit leben, nicht wirklich ernst genommen zu werden.

Also genau das, was einen guten Journalisten ausmachen sollte.

Das ist Ihre Definition. Meine Definition von Journalismus entspricht eher dieser hier im Medienwiki. Entgegen der landläufigen Meinung ist Journalismus nämlich ein sehr heterogenes Feld. Es gibt verschiedene Ressorts, beispielsweise Sport, Politik, Lokales oder Wirtschaft. Und es gibt verschiedene Kanäle, nämlich TV, Hörfunk, Zeitung, Zeitschrift und Internet. Was in den jeweiligen Kanälen und Ressorts „gut“ ist, kann sehr unterschiedlich sein. Ganz sicher geht es aber nicht darum, Menschen, die mich nicht kennen und mir trotzdem unhöfliche Mails schicken, zu hinterfragen. Dazu sind sie einfach nicht wichtig genug – sorry!

In diesem Sinne –

Genau, sehe ich auch so. Wenigstens in einem Punkt sind wir uns einig!

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