#IoTFuturetrends: Wohin geht die Reise beim mobile Payment?

Was ist Trend im IoT?
Was ist Trend im IoT?


Irgendwie passiert grade nix. So fasst Bettina Horster, die bei Eco, dem Verband der Internetwirtschaft, Vorständin ist, die aktuelle Welt des Internets der Dinge (IoT für Internet of Things) zusammen. Bei den selbstfahrenden Autos tut sich nicht viel – außer, dass Apple in diesem Bereich gerade 200 Mitarbeiter entlassen will, dafür aber Amazon jetzt verstärkt einsteigen will. Ähnlich stagnierend sehe es bei den Themen Blockchain und AR aus. Künstliche Intelligenz spiele im Wesentlichen in China eine Rolle, in den USA und Großbritannien – aber nicht in Deutschland. Und wie ich da im 11. Stock des Biocampus in Köln sitze, mit Blick auf die Domspitzen und den Colonius, glaube ich das auch: Das W-LAN hat mich wie so oft bei solchen Konferenzen im Stich gelassen, mein mobiler Datenempfang schwankt zwischen Edge und 3G trotz Telekom, und außer mir scheint auch niemand zu twittern. Auch der Veranstalter selbst setzt gerade einmal einen Tweet am Konferenztag ab.

Blick über Köln aus dem 11. Stock des BioCampus
Blick über Köln aus dem 11. Stock des BioCampus

IoT: Was wird aus Apple?

Kein Wunder also, dass Bettina Horster davon ausgeht, dass das künftige Digitalgeschäft im Wesentlichen von Amazon, Google und Microsoft getrieben werde – und von chinesischen Unternehmen, wie ein Besucher der IoT-Konferenz ergänzt. Apple werde den Weg Nokias gehen, prophezeit Bettina Horster. Und wenn ich sehe, wie weit der Homepod hinter Alexa herhinkt, halte ich das auch für möglich, würde es mir aber anders wünschen.

IoT: Mobile Payment braucht Mehrwert

Dann aber geht es um Mobile Payment, und Markus W. Mosen, Berater bei einem Finanzdienstleister, sammelt Pluspunkte für Apple: Das mobile Bezahlsystem des Unternehmens habe mobile Payment sexy gemacht. Und ich sitze da als Kundin von vier Banken, von denen keine einzige mir ermöglicht, Apple Pay zu nutzen, und ärgere mich über diese Branche. Zurecht, aus meiner Sicht, sagt Mosen: 

„Die deutsche Kreditwirtschaft hat das Thema mobile Payment verpennt.“ 

Darum nutzten wir jetzt eben Google Pay und Apple Pay – und irgendwann werde der gesellschaftliche Druck auf die Sparkassen und die Volksbanken hoch genug sein, damit auch sie sich den Banken anschließen, die seit Anfang an dabei sind. Das allerdings wird mir nicht helfen, denn ich bin weder bei der Sparkasse noch bei der Volksbank Kundin.

Alexa, wann fährt die nächste Linie 5?

IoT: Wie Mehrwert bei Mobile Payment aussehen kann

Mosen sagt allerdings auch, dass es nicht nur ums reine Bezahlen gehe, denn das ist schließlich auch mit Karte oder Bargeld möglich. Er setzt auf den Mehrwert, den später Victor Bergmann von Google am Beispiel von Google Pay verdeutlicht: 

  • Bezahlen geht auf diesem Weg schneller als per Kreditkarte
  • Flug- oder Eventickets landen nach dem Bezahlen sofort und automatisch im Wallet, der Börse auf dem Smartphone
  • In Restaurants oder Hotels kann man so selbst auschecken – ähnlich wie in Supermärkten mit Selbstbezahlkassen
  • Neben der gerade bezahlten digitalen Ware kommen zusätzlich Angebote aufs Handy
  • Die Kombination mit Googles Sprachassistenten ist durchaus interessant: Da bestellt der Kunde bei der Kaffeehauskette sein Heißgetränk per Stimmbefehl von zuhause aus. Google Assistent bemerkt, dass nicht ausreichend Geld hinterlegt ist. Im Dialog mit dem Besitzer wird per Stimme Geld umgebucht und schließlich die offene Rechnung bezahlt. Nur abholen muss der Kunde sein Getränk noch selbst.

IoT: Mobile Payment und die Zukunft der Autos

Wenn Sprachassistenten schon Rechnungen begleichen können, warum sollte das nicht auch im Auto gehen, fragt Thorsten Stuke, ebenfalls von Eco. Seine Idee: Das Navi leitet nicht nur durch die fremde Stadt und direkt zu einem freien Parkplatz – man kann diesen auch direkt aus dem Auto heraus bezahlen – nicht übers Smartphone, sondern über die Technik im Wagen. Finde ich gut, auch wenn ich schon lange gar kein Auto mehr fahre. 

Nicht seiner Meinung bin ich allerdings, wenn’s um die Frage der Zukunft von Tankstellen geht: Die bräuchte man in der E-Auto-Welt nicht mehr, sagt er. Denn dann gäbe es überall Ladesäulen. Mag sein. Kann ich mein Auto über Nacht oder bei der Arbeit laden, ist das auch perfekt. Wenn ich aber unterwegs bin, auf dem Land beispielsweise, dann will ich auch einen Kaffee, während mein Auto lädt. Ich kann mir dort eher vorstellen, dass Anbieter mehrere Ladestationen bereitstellen, und dem Fahrer nette Möglichkeiten für den Vertreib während des Ladens anbieten werden.

Screenshot Twitter
Kleine Diskussion bei Twitter: https://twitter.com/kuechenzuruf

Was sonst noch bei #IoTFutureTrends ganz spannend war

  • Dennis Heusser von Uber erzählt, dass der Dienst besonders oft nach Mitternacht in Anspruch genommen wird, dann wenn junge Leute noch unterwegs sind, der ÖPNV in Berlin oder Düsseldorf beispielsweise aber ausdünnt. Ich gebe zu, dass ich noch nie Uber genutzt habe. Ich fahre aber auch maximal zweimal im Jahr Taxi. Und: In Köln gibt es kein Uber. Aber vielleicht ergibt sich in einem der nächsten Urlaube einmal die Gelegenheit. Angemeldet bin ich jetzt.
  • Christian Bernsmann von der Deutschen Bank hat Verimi vorgestellt. Dahinter stecken auch unter anderem Daimler, die Telekom, der Axel Springer Verlag, die Deutsche Bahn, die Allianz, die Lufthansa und die Bundesdruckerei. Ihr Ziel: Ein sicheres Identifizieren im Netz zu ermöglichen, indem man dort den Personalausweis hinterlegt. Damit soll eGovernment in Deutschland endlich einen Schub bekommen, aber auch Verträge mit den teilnehmenden Unternehmen seien so schließbar, man könne beispielsweise ein Auto nur über das Handy mieten, den Führerschein, Bankkarten und die Gesundheitskarte hinterlegen. Ich habe mich registriert und eine Verbindung zu meinem Telekomkonto hergestellt, bin aber noch nicht ganz sicher, was ich damit jetzt anfange. Auch in meinem Miles and More Konto könnte ich mich über Verimi anmelden. Ich drücke dem Angebot die Daumen, weil ich es gut finde, dass etwas passiert. Damit es aber erfolgreich wird, muss noch mehr passieren.
  • Was mir nicht gefallen hat: Bis auf die Moderatorin waren alle Speaker männlich und hellhäutig. Immerhin waren einige jünger als andere. Aber ernsthaft: Es kann doch nicht so schwierig sein, im Jahr 2019 und bei solch einer Konferenz auch Frauen auf die Bühne zu bekommen und Menschen, die ein bisschen Farbe in der Haut haben. Oder arbeiten bei Google, Uber und der Deutschen Bank nur hellhäutige Männer?

Eco hatte mich zur Konferenz übrigens eingeladen. Ich habe also keinen Eintritt bezahlt, und kostenlos zwei Mineralwasser getrunken und ein Mini-Stückchen Kuchen gegessen.

BettinaBlass

Wirtschaftsjournalistin, Dozentin für Internetthmen und Buchautorin.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: