Mein (Techie- und Reise-)Leben unter der CO2-Lupe

Wo besonders viel CO2 verbraucht wird
Wo besonders viel CO2 verbraucht wird

Ich bin eine Dreckschleuder. Das kann man nicht anders sagen. Denn ich fliege zu viel. Meine Flüge 2017 nach Stockholm und zurück, nach Berlin, Edinburgh, Mailand und von Dubai nach Hause haben 2811 Kilogramm CO2 freigesetzt. Das Jahresbudget eines Menschen liegt jedoch bei nur 2300 Kilogramm – und da sind dann auch alle anderen CO2-Verursacher schon enthalten: Busse, Fahrstühle, Lebensmittel, die nicht aus der Region kommen. Ein Inder, so steht es auf der Seite von Atmosfair, verbraucht im Jahr im Schnitt übrigens nur 1600 Kilogramm.

Gegenmaßnahme: Für CO2-Ausstoß zahlen

Atmosfair ist eine Plattform in Internet, über die man seine Emissionen kompensieren kann. Nach Flug oder auch pauschal. Damit wird das CO2 natürlich nicht mehr aus der Atmosphäre verschwinden, aber mit den Spenden werden Klimaschutzprojekte in sehr vielen Ländern umgesetzt. So wird zumindest dort künftig weniger CO2 freigesetzt, und das wiederum hilft langfristig der gesamten Erdbevölkerung.

Auf das Thema bin ich übrigens gestoßen, als ich ausgerechnet im Flugzeug eine Podcastfolge des Deutschlandfunk Kultur zum Thema gehört habe. Mit jeder Sendeminute wuchs mein schlechtes Gewissen, aber auch die Erkenntnis, dass ich etwas tun muss. Dass eigentlich jeder etwas ändern muss, um es genau zu sagen. Ich habe dann zunächst den Flug nach Berlin und zurück über Atmosfair kompensiert, und für den nächsten Aufenthalt in der Hauptstadt zumindest eine klimaärmere Zugfahrt eingeplant.

CO2: Was kommt auf meine Flüge noch so drauf?

Zusätzlich zu den Flügen habe ich eine Kreuzfahrt gemacht. Und die schlägt richtig ins Gewicht: 4108 Kilogramm CO2. Kompensationsbetrag: 95 Euro. Und dann kommen da noch die ganzen Dinge hinzu, die man im Alltag halt so macht. Es lohnt sich, etwas Zeit in den CO2-Rechner des Umweltbundesamtes zu investieren, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wo man vielleicht etwas einsparen könnte. Beispielsweise, wenn man die Heizung niedriger dreht, mehr saisonales Gemüse und Obst kauft, auf Fleisch verzichtet.

Was tun, wenn man kaum an den großen CO2-Schrauben drehen kann?

Am Ende des Tests bleibe ich trotzdem mit einem unguten Gefühl zurück. Ich wohne in einem Haus mit 27 Parteien, das Teil einer Eigentümergemeinschaft ist, die aus drei Häusern besteht. Auch wenn ich liebend gern Photovoltaikzellen aufs Dach montieren würde: Ich kann das nicht so einfach machen. Die Heizung ist bei uns sowieso immer ziemlich niedrig gestellt. Oder mit anderen Worten: Ich sitze zunächst im dicken Pulli am Schreibtisch, bevor ich die Heizung hochdrehe. Auch da ist also nicht super viel Spiel.

Außerdem hänge ich beim Einkauf ein bisschen: Wenn ich mittwochs zuhause bin, wird mir die IDA geliefert mit Gemüse und Obst aus der Region und der Saison entsprechend. Kaufe ich im Supermarkt etwas dazu, achte ich schon auf die Regional- und Biosiegel – allerdings gibt es davon auch viele. Mit Bioland und Demeter habe ich mich in anderem Zusammenhang näher beschäftigt.

Manchmal kaufe ich auch im Bio-Supermarkt ein, aber nicht regelmäßig. Im Wesentlichen, weil er weiter weg ist, und ich dort nicht alles bekomme. Ob es Sinn macht, 35 Kilometer zum Bio-Supermarkt mit dem Auto zu fahren, habe ich mich in einem anderen Artikel schon einmal gefragt. Bei uns ist der nächste Bio-Supermarkt zwar nicht so weit weg, aber umständlicher wäre der Einkauf dort trotzdem. Zumindest, wenn ich ihn wie jetzt zu Fuß erledigen wollte.

CO2: Fragen ans Umweltbundesamt

Ich habe viel darüber nachgedacht, wie ich denn trotzdem CO2 sparen könnte. Und habe darum einige Fragen an das Umweltbundesamt geschickt. Michael Bilharz vom Fachgebiet Nachhaltige Konsumstrukturen beim Umweltbundesamt hat sie mir per Mail beantwortet:

Wenn ich Handy und Tablet jeweils 8 Stunden am Tag ausschalte, dann spare ich ja Energie dadurch, dass der Akku länger hält, oder? Hat das auch positive Auswirkungen auf die CO2-Bilanz?
Da Handy und Tablet im Bereitschaftsmodus nur geringfügig Energie verbrauchen, sparen Sie unabhängig von der Haltbarkeit des Akkus bereits dadurch Energie. Das hat natürlich positive Auswirkungen auf die CO2-Bilanz. Der Effekt mit dem Akku kommt hinzu. Allerdings muss man dazu sagen, dass wir hier über sehr geringe Werte reden, quasi über Peanuts, bei denen die Regel gilt: Man kann die Geräte ausschalten, um Strom zu sparen. Aber als prominentes Beispiel für die Umweltkommunikation taugen Peanuts nicht, da die empirisch fundierte Gefahr besteht, dass Menschen vor lauter Blick auf Peanuts vergessen, was wirklich wichtig ist für einen nachhaltigen Konsum.

Wenn ich Aufzug fahre, ändert sich die CO2-Bilanz dann mit der Zahl der Stockwerke? Wie hoch ist sie bei einer Fahrt über 6 Stockwerke? Hilft es, zu Fuß zu gehen?
Hier gilt im Prinzip dasselbe wie in der ersten Antwort: Die Entscheidung, ob man in ein Haus einen Aufzug einbaut oder nicht, beeinflusst den Energieverbrauch des Hauses in hohem Maße. Wenn der Aufzug aber bereits da ist, sind die Energiespareffekte durch Nichtnutzung eher bescheidener Natur. Konkrete Verbrauchszahlen zu Fahrstühlen sind mir leider nicht bekannt. Es gibt hierzu allerdings eine Kurzstudie des Öko-Instituts. Dort steht:

„Je nach Nutzungshäufigkeit und Einsatzzweck entfallen ca. 5‐90% des Gesamtverbrauchs auf den Stillstand (Fraunhofer ISI 2010b). Wesentliche Verursacher im Stillstand sind die Fahrkorbbeleuchtung, die Anzeigeelemente, der Frequenzumrichter, der Türantrieb sowie die Aufzugssteuerung. Der Anteil eines Aufzuges am Gesamtstromverbrauch eines Gebäudes beträgt je nach Gebäudetyp etwa 3 bis 8%.“

Kann ich meine CO2-Bilanz verbessern, wenn ich morgens 2 Minuten kürzer oder etwas kälter dusche?
Die Erhitzung von Wasser ist sehr energieintensiv. Deshalb können Sie Ihre CO2-Bilanz definitiv verbessern, wenn Sie mit kälterem Wasser kürzer duschen. Anders gesagt: Die Warmwasserbereitung ist im Privathaushalt der zweitgrößte Energieverbraucher. Der Energiebedarf für Warmwasser macht im Schnitt 14 Prozent des Endenergiebedarfs eines Haushaltes aus. Energie und Kosten können zum Beispiel dadurch gespart werden, dass man duscht anstatt zu baden: Für ein Vollbad in der Wanne benötigt man im Schnitt 200 Liter Wasser. Bei 10 Minuten Duschen fließen im Schnitt 100 Liter durch die Leitung. Dieses zu erhitzen, kostet nur die Hälfte. Wer einen wassersparenden Duschkopf einbaut, kann weitere 40 Prozent Warmwasser einsparen. Besonders lohnt sich die Ersparnis in Haushalten, in denen Wasser mit Strom erhitzt wird. Hier kostet ein Vollbad etwa 3,50 Euro für das Wasser selbst und seine Erwärmung. Wer stattdessen mit einem wassersparenden Duschkopf duscht, spart etwa 2,50 Euro.

Würde es die CO2-Bilanz ändern, wenn ich nachts den Router ausschalte?
Das ist wieder ähnlich wie bei Antwort 1: Ja, aber marginal. Neben der geringfügigen Energieeinsparung gibt es aber in diesem Fall auch noch weitere Vorteile: Weniger Strahlung und mehr Sicherheit, da in dieser Zeit der Router nicht von Hackern genutzt werden kann. Grundsätzlich gilt: Bei Fragen, die Sie mit unserem CO2-Rechner nicht beantworten können, können Sie davon ausgehen, dass es um eher nachrangige Fragestellungen beziehungsweise um sehr geringe CO2-Emissionen geht.“

Die Antworten des Umweltbundesamtes waren ein bisschen – nun ja – frustrierend. Ganz einfach, weil ich offensichtlich schon viel richtig mache, mir aber an anderen Stellen die Hände gebunden sind, und die Ideen, die ich beim Nachdenken zum Thema hatte, also das Weltklima nicht retten werden. Trotzdem fühle ich mich sensibilisiert. Und falls der ein oder andere Leser es nach diesem Artikel ebenfalls ist, dann sind wir immerhin einen klitzekleinen Schritt weiter.

Weiterführende Infos

Klimatarier: Hat Olivenöl oder Butter eine höhere CO2-Emmission? Hackfleisch oder nicht gehacktes Fleisch? Grünkohl oder Paprika?
Broschüre Klimaneutral leben
CO2 einsparen – aber wie?
Nachhaltige Lebensstile

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