Warum ich bei Amazon mein Konto als eBook-Autor gekündigt habe

Das ging schnell
Das ging schnell

Ich finde es toll, wie schnell man bei Amazon ein eBook anbieten kann: Worddokument schreiben, als HTML speichern, hochladen, verkaufen. Super. Seit einiger Zeit geht das auch mit Multimediaelementen über die Software Kindle Textbook Creator, die ich aber noch nicht ausprobiert habe. Der Grund: Ich hatte nichts zu erzählen.

Allerdings haben eBooks auch einen Nachteil: Sie veralten, wenn es sich nicht gerade um fiktive Kurzgeschichten oder Romane handelt. Mit diesen Schriften fing es bei mir vor einigen Jahren an: Wie jeder guter Journalist hatte ich Manuskripte auf der Festplatte, die kein Verlag veröffentlichen wollte. Also habe ich sie als eBook über Amazon angeboten – und auch verkauft. Dann fiel mir auf, dass ich kein Impressum angegeben hatte. Weil die fiktiven Geschichten nicht ins Portfolio einer Verbraucherjournalistin passten, hatte ich sie unter Pseudonym veröffentlicht. Ein Impressum zu erfinden, ist jedoch nicht sinnvoll. Also habe ich die fiktiven Geschichten aus dem Shop genommen. Stattdessen bot ich jetzt meine Reisegeschichten an, Zusammenfassungen meiner Blogbeiträge, und die Verschriftlichung meiner Seminare. Im weitesten Sinne also Sachbücher. In der besten Zeit verdiente ich damit niedrige dreistellige Summen im Monat.

Doch Sach- und Reisebücher veralten: Vietnam beispielsweise ist ein Land, das sich so schnell entwickelt, dass die Geschichten von 2012 schon nach wenigen Jahren nichts mehr mit der Realität zu tun haben. So ist es auch mit Internetthemen: SEO für Journalisten beispielsweise entwickelt sich ständig, aber auch Personal Branding ist heute anders als noch vor einigen Jahren. Dementsprechend verkaufen sich eBooks, die älter sind, irgendwann schlechter. Auch wenn man sie nicht ständig bewirbt, verkaufen sie sich nicht mehr so gut. Hinzu kommt, dass mehr Leser Flatrates haben als früher, damit sinkt das Honorar für Autoren. Und so hatte ich am Ende im Monat nur noch rund 2 Euro Honorar. Aber noch immer den Aufwand mit der Steuer: Einnahmen aus Luxemburg bedeuten, dass man zusätzlich jedes Quartal eine Zusammenfassende Meldung über Elster abgeben muss. Das ist nicht viel Arbeit, aber für einen Euro nochwas ist jeder Aufwand zu groß. Mich nervte diese Situation schon einige Zeit.

Und dann auch noch die Bürokratie

Und dann kam auch noch die Aufforderung von Amazon, meine Steuerinformationen zu aktualisieren. Ich setzte mich damit auseinander, gab meine US-amerikanische Steuernummer ein, und kam nicht weiter. Obwohl ich bisher nie Probleme mit dieser Steuernummer hatte, sollte ich jetzt einen US-amerikanischen Firmensitz nachweisen, den ich nicht habe. Natürlich hätte ich einfach die Verkäufe in den USA stoppen können, da dort sowieso nie eines meiner deutschen eBooks verkauft wurde. Aber irgendwie war mir das alles zu doof.

Ich habe darum alle eBooks auf „offline“ gesetzt und dem KDP-Team geschrieben, dass Sie mein Konto löschen sollen. Die Antwort kam schnell und überraschend: erledigt. Nun wollte ich auch meine Amazon Author Central Page loswerden, denn die eBooks gibt es ja nicht mehr und die gedruckten Bücher sind so alt, dass sich keiner mehr dafür interessiert. Ich löschte meine Vita und mein Profilbild und schrieb auch hier den Support an. Antwort:

Bitte?
Bitte?

Meine Antwort:

Kommunikation mit Amazon
Kommunikation mit Amazon

Keine 24 Stunden später kam daraufhin die Information, dass man die Seite löschen werde:

Geht doch
Geht doch

Ich fühle mich seither irgendwie besser.

Mein iBooks Author Konto habe ich übrigens noch. Multimediale eBooks finde ich einfach schöner. Sie veralten auch nicht so schnell, weil es viele zusätzliche Medien zum Hören und Sehen gibt, die das Buch lebendig halten. Ich habe darum beschlossen, in Zukunft im Wesentlichen multimediale eBooks über Apple zu verkaufen. Dort verkaufe ich zwar weniger, aber zu höheren Preisen, und damit rechnet sich auch wieder der steuerliche Aufwand.

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