Sie wollen deine Daten: Tests und Challenges bei Facebook

Martin Hellweg, Experte für Privatsphäreschutz
Martin Hellweg, Experte für Privatsphäreschutz

Hattet Ihr sie auch in Eurem Facebook-Nachrichtenstrom? Diese Challenge, in fünf Tagen fünf Bilder zu posten, die älter sind als 15 Jahre? Und dann neue Mitspieler zu nominieren? Oder den kleinen Test: Welcher Schauspieler bist du? Und habt Ihr mitgemacht, weil das ja eine nette Unterbrechung vom Alltag ist? Dann wisst Ihr sicherlich schon längst, dass diese Challenges und Tests nicht zu Eurem Vergnügen entwickelt werden, sondern häufig, weil Datenbroker mit den so gesammelten Informationen Euer Profil vervollständigen wollen.

Ich habe dazu mit Martin Hellweg gesprochen, er ist der Virtual Bodyguard und hilft Firmen und Privatpersonen, ihre Privatsphäre und Reputation zu schützen oder wieder herzustellen, wenn selbige durch das Internet beschädigt wurde. Und er weiß: „Viele dieser spielerischen Tests wie ‚Welcher Schlumpf bist Du?’ und viele der Foto-Challenges werden von Datenbrokern für die Komplettierung des persönlichen Profils in die Welt gesetzt.“

Lohnt sich denn der Aufwand, solche Tests und Challenges ins Leben zu rufen?
Ohja, Daten sind Gold wert.. Datenbroker verkaufen diese Daten an Regierungen, Arbeitgeber, Werbetreibende sowie sonstige Interessierte. Marktführer Axciom wurde mit dem Datenhandel ein Milliardenkonzern und behauptet, von über 500 Millionen Menschen mehr als 3000 Datenpunkte pro Person zu haben.

Warum sind Daten so wichtig?
Unternehmen versprechen sich davon, auf den Einzelnen zugeschnitte Werbung verbreiten zu können. In den USA gab es beispielsweise einen Fall, in dem ein minderjähriger Teenager Prospekte mit Babyspielzeug und Kinderkleidung vom Einzelhändler Target bekam. Die Eltern waren entsetzt, erfuhren aber auf diesem Weg, dass ihre Tochter tatsächlich schwanger war. Der Einzelhändler wusste es schon vorher aufgrund des Online-Verhaltens der Tochter.

Wie werden Daten gesammelt?
Beim Surfen im Netz schauen zumeist Dutzende Unternehmen zu, wie man zum Beispiel mit disconnect.me sehen kann. Durch die Positionsbestimmung des Handys entsteht ein komplettes Bewegungsprofil. Über Kunden- und Kreditkarten hinterlassen wir komplette Einkaufsprofile. Und natürlich durch die bereits erwähnten Tests und Challenges. Die Nutzung von Apps auf dem Smartphone, was wir im TV schauen – die Liste der Orte, an denen unser Handeln heutzutage beobachtet wird, ist groß.

Was können Nutzer tun?
Es gibt zwei Strategien: Zum einen sollte man mit gewissen Informationen vorsichtig sein. Beispielsweise sollte man nach schweren Krankheiten nur mit Anonymität gewährenden Browsern wie dem TOR-Browser googeln. Sonst stehen diese Krankheiten auf einmal im Persönlichkeitsprofil. Zum anderen hilft die Flucht nach vorne: die, die uns beobachten, mit unlogischen Daten zuzumüllen. Diese beiden Maßnahmen, also besondere Vorsicht bei sensiblen Themen und einen Datennebel erzeugen – das lindert die Risiken.

Martin Hellweg hat das Buch Safe surfer geschrieben, das es jetzt auch auf Englisch gibt.

BettinaBlass

Wirtschaftsjournalistin, Dozentin für Internetthmen und Buchautorin.

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