Blogger: Warum ich keine Fotogenehmigung kaufe

Dann stelle ich halt keinen Antrag auf eine Fotogenehmigung

Ich habe Verständnis dafür, dass nicht jedes Museum möchte, dass Blogger oder Journalisten dort alles fotografieren. Da ist zum einen das Urheberrecht des Künstlers, das gewahrt werden muss. Manchmal ist es auch die Lichtempfindlichkeit der ausgestellten Objekte, die Fotografen einen Strich durch die Rechnung verstehen. Was ich jedoch nicht verstehe: Wenn ein Museum Angst hat, dass veröffentlichte Bilder dazu führen, dass Besucher das Museum nicht mehr besuchen. Das ist Quatsch. Mich machen solche Bilder erstens neugierig auf ein Museum, zweitens ist eine Ausstellung mehr als die Sammlung diverser Objekte – zumindest wenn sie gut gemacht ist. Ich versteh es dementsprechend als eine Empfehlung für das Museum, wenn ich darüber berichte und meinen Leser*innen einen Einblick gebe. Denn mehr ist mit einem Text, einigen Bildern, vielleicht Videoschnipseln auf Instagram auch gar nicht möglich.

Fotogenehmigung kaufen? Och nö!

Verbietet ein Museum, dass man Bilder macht, dann nehme ich das so hin. Für mich bedeutet das: Das Museum legt keinen Wert darauf, dass ansprechend darüber berichtet wird. Vielleicht hat es keinen Bedarf an zusätzlichen Besuchern. Meinen Leser*innen erkläre ich die unschöne Darstellung eines Inhalts dann mit einem Satz: „Im Museum darf man leider nicht fotografieren“. Oder:“Fotografien darf man leider nicht veröffentlichen“. Je nachdem. Sind keine Fotos erlaubt, oder sind Fotos nur für den Privatgebrauch erlaubt, dann mache ich erst gar keine. Wie sollte ich mich nach einigen Jahren, wenn ich vielleicht ein Foto aus dem Museum in einem anderen Zusammenhang gebrauchen könnte, sonst daran erinnern, dass die Fotos nicht veröffentlicht werden dürfen? Einige Museen wählen einen anderen Weg: Sie verlangen Geld dafür, dass man dort fotografieren darf. Je nach Höhe der Summe kann das ok sein. Ich muss dann eben abwägen, ob mir die Fotos das wert sind. Und: Ich muss die Quittung und den eventuell geschlossenen Vertrag aufbewahren, damit ich zu einem späteren Zeitpunkt nachweisen kann, dass ich berechtigt war, Fotos zu machen. Weil ich das aber kompliziert finde, verzichte ich in der Regel eben doch darauf, eine Fotogenehmigung zu kaufen.

Weltfremde Fotogenehmigung

Das liegt auch daran, dass ich im Grunde dafür bezahlen soll, für ein Museum eine Empfehlung aussprechen zu dürfen. Und das genau geht mir gegen die Prinzipien. 

  1. Ich verdiene mit meinem Blog fast kein Geld. Das, was an Honoraren hereinkommt, deckt gerade die Technikkosten. Aber weder den Zeitaufwand noch Reisekosten. 
  2. Ich habe also in aller Regel schon etwas bezahlt, um ins Museum zu kommen, nämlich die Anreise und eventuell auch den Eintritt. 

Das Thema ist für mich also meistens schnell erledigt. Nicht aber neulich, als ich auf Bloggerreise war. Normalerweise schaue ich mir eine Destination kein zweites Mal an. Kürzlich habe ich das im Süden der Republik trotzdem gemacht, denn in einer bestimmten Stadt gibt es eine neue Hauptattraktion. Zu meinem Erstaunen schlug mir mein Ansprechpartner vor, im Rahmen der Reise ein Museum ein zweites Mal zu besuchen, indem man eben ohne Fotoerlaubnis nicht fotografieren darf. Das Perfide daran: Die Genehmigung kostet 50 Euro, und man unterschreibt zwei DIN A 4 Seiten höchskomplexer Sätze, zum Beispiel

Schließt der Benutzer mit einem Dritten (Verlag u.a.) einen Vertrag über Bildveröffentlichungen ab, so muß dieser wegen der erforderlichen Genehmigung nochmals mit dem Archiv Verbindung aufnehmen. 

Genehmigungen zur Publikation im Internet und anderen Netzwerken werden für maximal 1 Jahr erteilt und müssen im Falle einer Verlängerung vor Ablauf der Frist vom Nutzer erneut schriftlich beantragt werden.

Artikel ohne Bilder

Rückblick: Als ich das erste Mal diese Destination besuchte, habe ich mich mit der Museumsverwaltung unterhalten und meine Argumente vorgetragen, warum ich keinen Grund dafür sehe, eine Fotogenehmigung zu kaufen. Sie ließ sich nicht darauf ein. Ich erzählte meinem Kooperationspartner davon, der bisher von der Genehmigung nichts wusste. Er meinte, bisher habe sich kein Blogger darum geschert, alle hätten Fotos gemacht und veröffentlicht. Ich sagte, dass ich das schlecht machen kann, weil ich weiß, dass es verboten ist. Und weil der Vorgang dokumentiert ist. Bei Ärger hätte ich mich also nicht mit Nichtwissen herausreden können. Der Blogeintrag zum Museum erschien dementsprechend mit genau zwei Fotos des Hauses, eines von der Straße aus aufgenommen, eines vom Park.

Ich fragte meinen Ansprechpartner darum, ob das Museum denn etwas Neues zu zeigen habe oder seine Fotopolitik verändert habe. Nein, sagte er. Aber man bezahle gerne die Kosten für mich für die Fotogenehmigung. Natürlich hätte ich es gut gefunden, meinen Artikel mit tollen Fotos zu aktualisieren. Aber als ich mir dann das Genehmigungsformular erneut durchlas, sträubte sich alles bei mir: Die Tourismusabteilung der Stadt sollte also 50 Euro dafür bezahlen, dass ich 10, vielleicht 15 Fotos mit dem Smartphone ohne Stativ mache, vielleicht fünf Videoschnipsel aufnehme, die 24 Stunden bei Instagram live sind, dafür also, dass ich indirekt eine Empfehlung für dieses Museum ausspreche. Sehe ich echt nicht ein. Und das habe ich meinem Ansprechpartner auch so kommuniziert. 

Ergebnis einige Tage später: Man habe das intern diskutiert, man werde mit dem Museum verhandeln. Und werde diese Politik nicht weiter unterstützen. Das heißt auch: Für Blogger künftig keine Fotogenehmigungen mehr kaufen. Und das Museum wegen fehlender Kooperationsbereitschaft von der Liste der Punkte nehmen, die man Bloggern und Journalisten üblicherweise bei einem Besuch anbietet. Das finde ich die absolut richtige Reaktion. Selbst, wenn sämtliche Museen der Welt mich dafür hassen sollten.

BettinaBlass

Wirtschaftsjournalistin, Dozentin für Internetthmen und Buchautorin.

Ein Gedanke zu „Blogger: Warum ich keine Fotogenehmigung kaufe

  • Dezember 6, 2019 um 7:03 am
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    Hach Bettina, ich liebe es, wenn Du Deine Richtung so konsequent durchziehst. Ganz meine Richtung, selbst wenn man sich dann hin und wieder unbeliebt macht.
    Bei mir bleibt aber immer so ein Grummeln im Magen zurück, doofes Gefühl.

    Liebe Grüße und Danke für den Einblick
    Elke

    Antwort

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