Big Data und digitale Transformation: drei lesenswerte Bücher

Drei lesenswerte Bücher
Drei lesenswerte Bücher

Zweifellos mag es etwas merkwürdig scheinen, wenn man Bücher liest, um sich über das Internet weiterzubilden. Ich hab’s trotzdem getan – teils, weil ich sie für einen Kunden zusammenfassen musste, teils weil ich eines zur Rezension bekam. Tatsächlich sind diese drei Bücher das Beste, was ich in den vergangenen Monaten zum Thema digitale Zukunft und Big Data gelesen habe. Wer sich also dafür interessiert, ist mit ihnen bestens beraten. Und wer sich für das Thema nicht interessiert, sollte sie auch lesen, denn Big Data geht uns alle an.

Für meinen Kunden getAbstract habe ich das Buch Update – Warum die Datenrevolution uns alle betrifft gelesen. Was ich an diesem Buch besonders schätze: Die Autoren versuchen nicht, dem Leser eine Meinung aufzuzwingen. Sie zeigen positive und negative Beispiele für Big Data – und es liegt am Leser, welche Schlüsse er daraus zieht. Auch, welche Konsequenzen das für sein künftiges Leben haben könnte, bleibt ihm überlassen. Sicher ist auf jeden Fall, dass dieses Buch nachdenklich macht.

Die Autoren kommen auch ganz kurz auf die Folgen für den Journalimsus zu sprechen. Dazu hätte ich gerne mit einem der Autoren ein kurzes Interview für diesen Blogbeitrag geführt. Auf meine Interviewanfrage direkt an ihn und über den Verlag habe ich aber leider seit Anfang Juli keine Antwort bekommen. Trotzdem empfehle ich, dieses Buch zu lesen, und zwar von den hier vorgestellten zuerst. Denn in diesem Buch werden viele grundlegende Dinge einfach erklärt, deren Verständnis Voraussetzung ist, um den beiden anderen Büchern folgen zu können.

Interessant ist im Zusammenhang mit Privatsphäre übrigens auch ein Webspecial unter anderem des Bayerischen Rundfunks: Do not track.

Des Googles Kern und andere Spinnennetze

Ein Buch mit einem Titel, in dem das Wort „Spinnennetze“ vorkommt, verspricht mir nicht allzu zimperlich mit geschätzter Alltagstechnik umzugehen. Natürlich geht es dabei um Daten, ums Ausspähen und um Sicherheitsfragen. Auch um Freiheit geht es, um Abhängigkeiten und um Ausbeutung. Alles in diesem Buch Geschriebene ist zweifellos richtig. Und gut geschrieben ist es auch. Trotzdem habe ich vor allem mit dem ersten Teil des Buches Probleme:

Des Googles Kern
Des Googles Kern

Apps so heißt es dort, seien oft Programme, die man sich aus Bequemlichkeit installiert, obwohl man mit zwei, drei Klicks mehr über den Browser die gleichen Ergebnisse erzielen könnte. Das mag bei Apps zum Einkaufen durchaus sein. Anders ist es jedoch, wenn ich Apps als Werkzeuge nutze, um beispielsweise Fotos zu bearbeiten, Video- oder Audiodateien zu schneiden oder multimediale Inhalte zu erstellen, die man im Onlinejournalismus prima einsetzen kann. Sie kann man nicht einfach mit zwei oder drei Klicks mehr erstellen, denn oft kann man sie eben nicht über ein Webinterface herstellen. Dass in diesen Apps Daten gesammelt werden, kann gut sein. Aber zumindest lädt der Nutzer sie in der Regel nicht aus Bequemlichkeit herunter, sondern um das Smartphone als Arbeitsgerät nutzen zu können.

Meiner Argumentation folgend werden die Autoren jetzt sicherlich auf die verlängerte Werkbank zu sprechen kommen oder auf den seidenen Faden, den Unternehmen über Smartphones mit den Arbeiternehmern spinnen, und den damit verbundenen Konsequenzen der dauernden Erreichbarkeit. Alles richtig. Und im Journalismus trotzdem nichtzutreffend. Zwar ist das Smartphone mein Werkzeug, aber wenn nicht das Smartphone, dann eine große schwere Kamera oder ein Laptop. Mit dem Unterschied, dass ich mit dem Smartphone deutlich näher an meine Gesprächspartner herankomme, ohne dass sie zu sehr auf Distanz gehen.

Mir gefällt außerdem nicht, was die Autoren über Freiberufler schreiben: Als Mädchen für alles, so wird unterstellt, sei man angespannt und überfordert. Im letzten, sehr theoretischen Teil des Buches, heißt es außerdem, Freiberufler seien nicht richtig abgesichert und schon gar nicht vernetzt und mit anderen organisiert. Auch das trifft für viel freie Journalisten nicht zu. Im Gegenteil scheint es mir, dass es mir als Freiberufler mit allen Unsicherheiten, aber Freiheiten, deutlich besser geht als vielen angestellten Kollegen.

Auch das Thema eBook sehe ich anders als die Autoren. Ich finde es positiv, dass Amazon hier Rabatte von den Verlagen verlangt: Das eBook wird nicht gedruckt, es fallen keine Kosten für Papier an, es muss nicht verschickt werden – und in vielen Fällen ist es nur eine Weiterverwertung des gedruckten Manuskriptes. Warum also soll das eBook soviel kosten wie die Papierausgabe? Insbesondere, wenn Amazon die Dateien auf den eigenen Servern speichert und über die eigene Infrastruktur zum Download anbietet? Dann entstehen bei Amazon Kosten, nicht aber beispielsweise Lagergebühren beim Verlag. Ich weiß nicht, was an den Rabatten, die Amazon hier verlangt, falsch sein soll. Durchaus falsch ist allerdings, dass die Verlage nicht auf einen Teil des Gewinns verzichten wollen, sondern stattdessen die Autoren schlechter bezahlen. Da ist es doch wirklich kein Wunder, dass diese die Verlage umgehen, um selbst direkt publizieren zu können. Aber diese Sichtweise darf in einem auf Papier gedruckten Buch, das bei einem Verlag erschienen ist, wahrscheinlich nicht dargestellt werden.

Wer sich für das Thema Selfpublishing interessiert, findet im September 2015 beim DJV eine Webinarreihe.

Fazit: Trotz aller Kritik an diesem Buch – Des Googles Kern ist gut und lesenswert, besonders der Mittelteil, in dem es um Plattformökonomie, Internet der Dinge und Smart Citys geht. Mir ist es aber zu sehr in eine Richtung gedacht. Speziell wer aus dem analogen Zeitalter kommt, dürfte die Vorzüge der digitalen Möglichkeiten zu schätzen wissen. Allerdings sollte man sich besonders in diesem Fall auch mit den Nachteilen auseinandersetzen. Denn dass es sie gibt, steht ohne Zweifel fest.

Übrigens hat das Buch eine eigene Facebook-Seite.

Das Internet der Tiere

Das dritte Buch zur Zukunft der digitalen Gesellschaft scheint futuristisch, ist jedoch längst schon in einigen Bereichen real: Tiere werden mit Sendern ausgestattet, um ihre Migration, aber auch ihr Verhalten besser denn je studieren zu können. Das bringt für den Menschen Vorteile: beispielsweise lässt sich so ein Erdbeben früher vorhersagen, denn einige Tiere erkennen die Vorzeichen viel früher als ein Mensch. Was passiert aber mit den Tieren, die keine Sensoren tragen oder für den Menschen künftig ohne Nutzen sind? Und wie muss der Begriff Wildnis neu definiert werden, wenn selbst Hummeln mit Sensoren versehen sind? In einigen Kapiteln ist das Buch Das Internet der Tiere sehr philosophisch. In den anderen eröffnet es eine Internetwelt, die zumindest mir bisher verborgen war. Und die es auf jeden Fall lohnt, sich damit auseinanderzusetzen.

Übrigens ist es noch gar nicht so lange her, dass ich die Twitter-Story besprochen habe. Auch lesenswert. Genau so wie Safe Surfer.

Alle Links zu Amazon sind affiliate Links.

BettinaBlass

Wirtschaftsjournalistin, Dozentin für Internetthmen und Buchautorin.

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