Digitalisierung: keine Panik, aber mehr Mut nötig

Eine Konferenz zu Digitalthemen mit Vertretern von Google und Twitter? Lass ich mir nicht entgehen. Schon gar nicht, wenn ich als Pressevertreter dazu eingeladen werde. Ein bisschen ist es Ironie des Schicksals, dass es dann der Leiter einer Kommunikationsabteilung sein wird, der mich mit seinem Vortrag beim Digital Marketing Talk 2016 der Marketing- und Technologieagentur DigitasLBI im Rheinenergie-Stadion in Köln am meisten begeistert: Sebastian Ackermann von RWE sprach über „Die Relevanz der digitalen Transformation für das Überleben und die Weiterentwicklung von Unternehmen“. Sperriger Titel, erfrischender Typ:

Ackermann trägt keinen Bart, dafür Krawatte – und Ahnung von der digitalen Transformation hat er trotzdem: Sie sei nicht nur ein mobiles Gerät für die Mitarbeiter, nicht nur eine digitale Mitarbeiterzeitschrift.

Darum hat man beim Energieversorger schon früh angefangen, ein eigenes System zu entwickeln, über das sich die Temperatur in den Wohnungen aus der Ferne regeln kann. Auch ein Einbruchschutz ist damit verbunden und ein Rauchmelder. Die Kunden haben RWE dieses System jedoch nicht gerade aus den Händen gerissen – vielleicht auch, weil man so etwas nicht von seinem Energieversorger erwartet. „Der soll möglichst günstig sein und einen Kundenservice haben, der nicht nervt“, sagt Ackermann. Zwar hat das Unternehmen immerhin 90.000 Steuerungssysteme verkauft, um aber erfolgreicher zu sein, hat man eine Kooperation mit Google geschlossen: Das Produkt Nest will schließlich das SmartHome groß machen. Und auch mit Gardena gibt es eine Kooperation bei Gartengeräten wie beispielsweise einem Mähroboter. „Wir haben viele verrückte Ideen“, sagt Ackermann, „und einige sind richtig gut!“.

Podiumsdiskussion: Quo Vadis, Digital

Digital-Konferenz im Rheinenergie-Stadion
Digital-Konferenz im Rheinenergie-Stadion

Die Digitalisierung ist in Deutschland noch für viele Unternehmen eine Herausforderung. „Speziell im Mittelstand findet man eine Menge Firmen, die nicht sehen, dass das Sammeln von Daten auch dem Nutzer Vorteile bringt“, sagt Ingo Notthoff, Leiter Marketing bei T-Systems Multimedia Solutions. Zwar stelle sich beim Thema Digitalisierung auch die Frage, was künftig die Rolle des Mitarbeiters, des Menschen sein werde. Allerdings gebe es darauf noch keine klare Antwort:“Wir stehen noch ganz am Anfang. Sicher ist nur: Wer sich jetzt nicht mit dem Thema auseinandersetzt, wird den Anschluss verpassen“, sagt Nothoff. Anke Herbener, CEO DigitasLBI Deutschland und Schweiz, nennt als weiteres Beispiel die Banken, die sich mit der Digitalisierung schwer tun, denn es sind immer häufiger FinTechs, die die großen Innovationen in der Branche schaffen.

Sebastian Ackermanns Tipp für Firmen, die den ersten Schritt in die digitalisierte Welt noch vor sich haben: „Die Unternehmensspitze muss das Thema treiben. Man muss radikal sein: Dinge ausprobieren – aber gegebenenfalls auch wieder einstellen.“ Anke Herbener rät:“Unternehmen müssen mutig sein, sie dürfen keine Angst haben, zu scheitern“. Und Ingo Notthoff sagt:“Die Digitalisierung ist schnell, aber Firmen dürfen nicht in Panik fallen. Sie müssen sich überlegen, was Sinn macht, sie müssen anfangen – und sie müssen zulassen, Fehler zu machen.“

Was mich begeistert hat

Peter Hoffmann, Head of Agency bei Google Germany, demonstriert die Suchfunktion in der Google Foto App. Sie funktioniert mit artifical intelligence: Wer in der Suche ein Wort eingibt wie „Kuchen“ oder „Burger“ bekommt die passenden Bilder auf dem Smartphone angezeigt – ohne dass diese verschlagwortet sind. Die App gibt es übrigens für Android und iOS.

Was sonst noch war

Google Foto App nach Kuchen durchsucht
Google Foto App nach Kuchen durchsucht
  • Tim Elsner, Head of Online bei Congstar: „Mobile wird für die Recherche vor der Kaufentscheidung genutzt. Gekauft wird sehr oft an einem anderen Gerät“.
  • Google legt 2016 den Fokus auf die Themen Mobile, Programmatic und Video.
  • 45 Prozent der YouTuber sind Frauen.
  • 400 Stunden Video pro Minute werden auf YouTube geladen.
  • Auf Periscope gibt es täglich 40 Jahre Live Broadcast.
  • Pro Sekunde gibt es 6.000 Tweets.
  • Video hat bei Twitter eine Engagement-Rate, die um 306 Prozent höher ist als ein Text-Tweet. GIFs zählen auch zu Video, genau so wie Periscope, was neuerdings auch direkt in der Timeline angezeigt wird.

BettinaBlass

Wirtschaftsjournalistin, Dozentin für Internetthmen und Buchautorin.

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