Spätestens seit Beginn der Corona-Pandemie ist Arbeiten von Zuhause oder besser: von überall hoch angesagt. Dass das nicht in jedem Job klappt, ist klar: Wenn ich als Verkäufer*in oder Friseur*in arbeite, kann ich schlecht im Home Office bleiben. Dass es in meinem Job eigentlich klappen muss, ist auch klar, denn ich arbeite überwiegend am Computer. Davon abgesehen schreibe ich seit Jahren auf Zugfahrten meine Texte oder bereite Präsentationen vor. Das ist eine moderne Form von Work & Travel. Double your time ist dabei das Motto.

Aber würde es auch funktionieren, einige wenige Tage einen normalen Büroalltag von überall hinzubekommen? Um das auszuprobieren habe ich mich für eine Art modernes Work & Travel entschieden. In der herkömmlichen Form reisen junge Menschen gerne durch Australien und helfen dort gegen Kost und Logis und vielleicht ein kleines Geld beim Schafescheren.

Eher unbequem

Ich musste meine Arbeit nicht erst suchen, sondern habe sie einfach mitgenommen. Dazu habe ich das laufende Jahr mit allen Dokumenten in die Cloud geladen. Schon nach drei Tagen stelle ich fest: Hätte ich doch einige Jahrgänge mehr hochgeladen. Dann hätte ich eine gute Grundlage für einen neuen Artikel und ein Webinar dabei. Weil ich faul bin, habe ich beschlossen, diese beiden Aufgaben so gut wie möglich von unterwegs vorzubereiten und erst in der Woche danach am Schreibtisch zuhause komplett zu beenden.

Excel auf dem iPad ist echt schwierig

Das jedoch soll nicht das einzige Problem sein. Ich hatte mich dazu entschlossen, nur mit iPad und Tastatur zu reisen, weil ich kleines Gepäck mitnehmen wollte. Jetzt weiß ich, dass ich künftig besser das Laptop dabei habe. Denn die Excel-Tabelle für einen Kunden produziert einen Fehler, wenn ich sie auf dem iPad mit Office öffne. Das hätte ich nicht gedacht. Tatsächlich verändern sich aber Daten von selbst. 

Potenziert ist übrigens das Problem im Splitt Screen: Da macht Excel wirklich keinen Spaß. Abgesehen davon ist es schwierig bis unmöglich, Zeilen richtig einzufügen und einzelne Zellen zu löschen. Probleme habe ich auch bei Word mit dem Zählen der Zeichen. Und zweimal verschicke ich versehentlich die falschen Dateien, weil der Überblick am kleinen Bildschirm irgendwie nicht ganz gegeben ist.

Bei einem Kunden habe ich auch Probleme mit einer wohlgemerkt internetbasierten Datenbank: Nicht alle Funktionen lassen sich ausführen. Auch diese muss ich nacharbeiten. Und selbst bei WordPress gibt es im Browser mit dem iPad Probleme. Blöd. Nun denn, ich habe daraus gelernt, dass ich eben besser das Laptop mitnehme, wenn ich künftig etwas Ähnliches plane.

Noch eine Sache: Für einen Kunden erfasse ich digital die Arbeitszeit. Weil die gekaufte Software nur auf einem Gerät funktioniert, lasse ich die Stoppuhr mitlaufen, schreibe das Ergebnis auf und übertrage es zuhause. Das ist auch nicht ganz Sinn der Sache und vorallem nicht zeitsparend.

Work & Travel und die Ergonomie

Work & Travel: Ausreichend Platz
Work & Travel: Ausreichend Platz

Ein ganz anderes Problem ist die Ergonomie des Arbeitens. Während ich in meinem Büro einen von der Berufsgenossenschaft zertifizierten Schreibtischstuhl und einen großen Schreibtisch habe, sitze ich in den Hotels auf meiner Reise auf normalen Stühlen, im schlimmsten Fall auf einem Hocker, und immer an einer sehr kleinen Arbeitsfläche. Kann man mal machen. Optimal ist aber anders.

Work & Travel und das liebe Geld

Bei meiner Bahnreise durch MeckPomm sieht mein Tag so aus: Ich fahre morgens mit dem Zug ans nächste Ziel. Dort stelle ich meinen Koffer mit der Tastatur, dem iPad-Stift und den vielen Kabeln an der Rezeption ab. Das iPad habe ich zur Sicherheit in der Handtasche. Das wird natürlich künftig mit dem Laptop so nicht gehen.

Dann bin ich mehrere Stunden auf Sightseeing Tour, bis ich ins Hotelzimmer kann. Gegen 13 bis 15 Uhr beginnt dann meine eigentliche Arbeitszeit, die sich bis 18 oder 19 Uhr zieht, vielleicht auch noch länger. Ganz ehrlich: Das ist nicht meine beste Arbeitszeit. Ich bin vormittags produktiver. Allerdings saß ich vormittags in Regionalzügen, in denen man nicht gut arbeiten kann. Und mein Ziel war es außerdem, aus dem Fenster zu schauen. Denn diese Zugstrecke soll eine der schönsten in Europa sein, sagt der DK Verlag.

Dadurch, dass ich gearbeitet habe, habe ich natürlich auch Geld verdient. Ich sag‘ mal so: Das Essen ist sicherlich finanziell gedeckt, denn essen müsste ich ja auch zuhause. Aber: Die Hotelkosten sind eine zusätzliche Belastung. Denn ich habe ja eine Wohnung in Köln, für die ich weiterhin Raten und Betriebskosten zahlen muss. Ganz geht dieses Konzept also finanziell nicht auf. Und meine Wohnung aufzugeben, kommt für mich nicht in Frage.

Wo ich Work & Travel gemacht habe

Ich habe vor einigen Monaten das Buch Die schönsten Reisen mit dem Zug vom DK Verlag (Werbe-Link zu Amazon) zur Rezension bekommen. Darin ist eine Zugstrecke in MeckPom. Da man alle Orte auf der Strecke in kurzer Zeit mit Regionalexpressen erreichen kann, war das die ideale Strecke, um sie mit dem 9-Euro-Ticket zu bereisen. Und da diese Woche im August die einzige war, in der ich ausreichend Zeit hatte, musste mein Work & Travel Projekt eben jetzt stattfinden.

Mein Fazit: Wenn ich ein weiteres Mal Work & Travel machen sollte, würde ich versuchen, einen Teil der Arbeit im Zug zu erledigen, um mehr vom Tag vor Ort zu haben. Und ich würde definitiv das Laptop mitnehmen. Vorstellbar wäre auch, Work & Travel an einem Ort zu machen, beispielsweise in einer Großstadt oder Metropolregion. Denn dann spart man die morgendlichen Stunden im Zug, kann in dieser Zeit arbeiten und später den Zielort erkunden. Doppelte Wohnkosten habe ich in diesem Fall allerdings auch.

Modernes Work & Travel – die Hürden
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