Was ich von meinem Einsatz als @befeboreporter gelernt habe

Ausweis: Twitter-Reporter im Einsatz
Ausweis: Twitter-Reporter im Einsatz

Natürlich habe ich schon live getwittert. Von Konferenzen beispielsweise. Der große Vorteil: Kollegen, die nicht vor Ort sind, bekommen mit, was dort besprochen wird. Gestern habe ich aber von einem klassischen Konzert getwittert. Und das auch noch unter fremder Flagge. Dabei habe ich einiges für die Zukunft gelernt.

Eintrittskarte fürs Borodin Quartet
Eintrittskarte fürs Borodin Quartet

Wie es dazu kam
Ihr habt es vielleicht schon gesehen: Ich habe seit einiger Zeit zusätzlich zu dieser Internetseite eine Webpage rund ums Thema Reisen ins Netz gebracht. Den Grund dafür werde ich bald einmal hier näher erläutern. Zu dieser Webseite, Opjueck.de, gibt es natürlich auch einen eigenen Twitteraccount: @nahundfernreise. Dort hatte ich gelesen, dass das Beethovenfest Bonn Leute sucht, die live aus den Konzerten twittern. Das fand ich spannend, also habe ich eine Mail hingeschickt und war gestern der @befeboreporter. Meine Bezahlung: Zwei Eintrittskarten zum Borodin Quartet.

Meine Bedenken
Ich hatte durchaus einige Bedenken. Schließlich ist es ein Unterschied, ob man aus einer Konferenz in der Medienbranche twittert, oder ob man in einem klassischen Konzert sitzt und ständig das Handy benutzt. Meine größte Sorge war, dass ich die anderen Konferenzbesucher mit meinem leuchtenden Display nerven könnte. Zum Glück war es im Konzertraum aber ziemlich hell, so dass mein Display gar nicht auffiel. Außerdem hatte ich einen Platz ganz am Rand bekommen – nach der Pause setzte ich mich trotzdem in die letzte Reihe. Dort waren Plätze unbesetzt. Und auf meine Anregung hin hatte ich auch einen Ausweis bekommen: Ich war als offizieller Twitter-Reporter unterwegs. Da wunderte sich niemand mehr über irgendetwas, was ich tat.

Reaktionen von Kollegen
Ich erzählte einigen Kollegen von der Aktion und die Reaktionen waren sehr unterschiedlich: „Wenn dir deine Arbeit nicht mehr wert ist!“, sagte einer. Eine andere fand es cool, ein dritter einfach komplett überflüssig. Seine Argumentation: Niemand, der gerne beim Konzert wäre, würde den Tweets folgen wollen. Denn dann würde man nur noch mehr bereuen, dass man nicht da sei. Außerdem könne man das Konzert nicht genießen, wenn man die ganze Zeit twittere. Ich hielt dagegen, dass mit dieser Argumentation sämtliche Konzert- und Theaterrezensionen in den Medien überflüssig werden. Außerdem arbeiten Journalisten, die eine solche Rezension schreiben oder filmen, immer während des Stücks und können es nie rein genießen.

Meine Vorbereitung

Ein weiterer großer Unterschied zum alltäglichen Live-Twittern: ich war nicht als @kuechenzuruf unterwegs, sondern als @befeboreporter. Die Veranstalter des Konzerts schickten mir die Zugangsdaten zu ihrem Account. Das fand ich schon aufregend, denn da trägt man eine andere Verantwortung, als wenn man über den eigenen Account twittert. Ich habe darum auch vor Beginn geklärt, wie es mit dem Urheberrecht ist: Durfte ich Bilder der Musiker twittern? Akustische Auszüge aus dem Konzert? Nein, ich durfte nicht, denn die urheberrechtliche Seite sei schwierig, sagte man mir. Klar, weiß ich ja. Ich habe darum nur Bilder des Konzertraumes getwittert – und den Applaus in Form eines Jamsnaps festgehalten. Man muss auf den Kreis in der Mitte des Bildes klicken, um den Ton zu hören.

Was aber sollte ich dann twittern, überlegte ich mir im Vorfeld? Ich durchsuchte das Netz nach Fakten zum Borodin Quartet und legte mir diese in Twitterlänge ab. Dazu hätte ich beispielsweise Tweetdeck nutzen und die Veröffentlichung somit zeitlich steuern können. Da ich Tweetdeck aber im Alltag nicht benutze, war mir der Aufwand für diese zwei Stunden zu groß. In meinem eigenen Account hätte ich einfach Entwürfe abgelegt. Das war mir zu gefährlich. Denn ich wusste nicht, wer alles die Logindaten hatte. Möglicherweise hätte also jemand meine wichtigen Entwürfe gelöscht. Da ich das vermeiden wollte, habe ich meine Tweets einfach in der App Notizen aufgeschrieben und von dort herauskopiert.

Selfiestick und Reservebatterie
Selfiestick und Reservebatterie


Welche Technik ich bei mir hatte

Natürlich hatte ich mein Smartphone dabei. Da der Akku aber ziemlich abgenudelt ist, hatte ich meine externe Batterie eingepackt mit dem entsprechenden Kabel und Adapter. Für den Notfall hatte ich auch das iPad in der Tasche, für das ich aber keine Flatrate habe. Ich hätte im Zweifelsfall einen Tagespass über die Prepaid-Karte gekauft. Außerdem hatte ich meinen Selfiestick dabei, um über die Köpfe hinweg vielleicht doch ein Foto machen zu können. Dazu gehört ein Fernauslöser, ich hatte sogar eine neue Batterie eingesetzt. Der Fernauslöser hat mich trotzdem ziemlich verärgert, denn er machte in den entscheidenden Momenten leider kein Foto, fotografierte aber die schwarze Stuhllehne vor mir, und zwar sage und schreibe 87 Mal. Warum? Keine Ahnung! Meinen Selfiestick gibt es bei Amazon nicht, dafür aber diesen.

Vor Ort hatte ich Glück: Es gab ein Gäste-W-Lan und die jungen Herren an der Theke wussten das Passwort. So konnte ich Bilder vom Veranstaltungsort twittern, ohne befürchten zu müssen, mein Monats-Daten-Limit am Ende der Veranstaltung mal wieder aufgebraucht zu haben.

Was ich mir fürs nächste Live-Twittern wünsche

  • Einen Tisch, damit ich bequemer mit meinen Geräten sitzen kann. Denn wenn man mehrere Accounts und Netzwerke gleichzeitig bedienen möchte, ist es praktischer, parallel an Tablet, Smartphone und Laptop arbeiten zu können.
  • Eine Steckdose, um mich nicht um den Akku sorgen zu müssen.
  • Von Beginn an Zugang zum W-Lan – und zwar auch im Konzertsaal. Nachdem die Türen zum Saal geschlossen waren, wurde das W-Lan-Signal nämlich sehr schwach und ich musste wieder die mobile Verbindung benutzen. Ein W-Lan hat auch den Vorteil, dass man alle anderen Meldungen über den Flugzeugmodus ausblenden kann. Ich hatte zwar den Nachtmodus eingestellt, aber ein Anruf meiner Nachbarin kam trotzdem fünf Minuten vor Ende des Konzerts durch. Zum Glück war das Handy auf lautlos gestellt, so dass ich sie schnell wegdrücken konnte. Meine Nachbarin ruft mich übrigens nie an. Aber gestern Abend musste das wohl sein.

Ich habe das Live-Twittern als @befeboreporter im Wesentlichen gemacht, weil ich Lust darauf hatte und die Aktion spannend finde. Es gibt aber Kollegen, die damit ihr Geld verdienen – Christina Quast beispielsweise. Ihr habe ich darum einige Fragen zum Thema gestellt:

3 Fragen an Christina Quast

Was macht man als Twitter-Managerin?
Ich twittere live von Veranstaltungen. Twitter ist dafür das geeignete Medium: Es ist schnell und man kann über kurze Updates die Leute auf dem Laufenden halten. Wer nicht dabei ist, kann sich mithilfe des Hashtags, also eines Schlagwortes, über alles informieren, was zu dieser Veranstaltung getwittert wird. Darum nennen mich manche auch die Hashtaghüterin. Man kann aber auch von Twittermoderation sprechen. Egal, wie man es nennt, ich verdiene etwa 50 Prozent meines Einkommens damit.

Christina Quast
Christina Quast

Wer sind deine Kunden?
Das ist eine Mischung aus Institutionen und Verbänden aus den Bereichen Kultur, Bildung, Politik und Sport. Im Grunde sind alle Veranstalter meine potenziellen Kunden, besonders die, die nicht die nötige Kompetenz in Fragen Twitter haben – denn dafür bin ich ja da. Ich schätze an meiner Aufgabe, dass es keine festen Regeln gibt, dass ich experimentieren kann. Für die Zukunft wünsche ich mir, auch internationale Veranstaltungen mit Twitter zu begleiten.

Wie bereitest du dich auf einen Einsatz vor?

Ich recherchiere im Vorfeld, welche Referenten, Kooperationspartner oder Sponsoren bei Twitter sind, um sie einzubinden. Ich suche gezielt nach Dingen, die ich retweeten kann, ich bereite Tweets und Hashtags vor. Ich kümmere mich außerdem darum, dass alle Teilnehmer auf einer Twitterwall verfolgen können, worüber man sich bei Twitter unterhält. Bei der Veranstaltung selbst ist volle Konzentration nötig, denn ich muss nicht nur live twittern, sondern auch retweeten und antworten auf das, was andere sagen. Ich arbeite darum mit unterschiedlichen Tools: Tweetdeck ist für mich sehr wichtig. Aber ich arbeite auch mit unterschiedlichen Twitter-Apps, um nicht ständig die Accounts wechseln zu müssen. Ich nutze außerdem Analysetools wie Tame und Tweetreach und eine App um Links zu kürzen.

BettinaBlass

Wirtschaftsjournalistin, Dozentin für Internetthmen und Buchautorin.

2 Gedanken zu „Was ich von meinem Einsatz als @befeboreporter gelernt habe

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: