Wie die Crowd die Qualität sichert

… oder warum ich heute Testesser war.

Salat mit Hühnchen
Salat mit Hühnchen

Am Donnerstag bekam ich eine Einladung, in der Kölner Filiale eines Franchiseunternehmens Testesser zu sein. Der Deal: ich esse dort an einem bestimmten Tag, bekomme 12 Euro gutgeschrieben, und beantworte im Gegenzug viele Fragen zur Sauberkeit des Lokals, zu den Mitarbeitern und zum Essen. Das Unternehmen will damit sicherstellen, dass die Qualität in der Filiale stetig auf hohem Niveau ist. Allerdings war ich natürlich nicht der einzige Testesser. Vielmehr wurde für einen längeren Zeitraum für jeden Tag ein Testesser gesucht. Um das vorwegzunehmen: ich war noch nie in dieser Kette essen, fand es aber so nett, dass ich bestimmt nicht das letzte Mal dort war. Auch wenn bei meiner Bestellung ein Posten vergessen worden war.

Das eigentlich Interessante an der Geschichte ist aber nicht das Testessen, sondern wie ich überhaupt Testesser geworden bin. Ich habe mich nämlich vor langer Zeit bei testbirds.de angemeldet. Das Unternehmen macht Usability-Tests von Apps und Internetseiten, prüft sie also auf ihre Nutzerfreundlichkeit. Dazu sucht es seine Tester in der Crowd. Heißt: Das Unternehmen hat keine festangestellten Tester, sondern wenn ein Auftrag kommt, werden Tester gesucht unter den Leuten, die sich bei Testbird registriert haben. Und irgendwann leiteten sie die Anfrage dieses Franchiseunternehmen weiter, das Testesser suchte. Seither bin ich in deren Datenbank.

Besonders interessant an Testbirds ist aber eigentlich, dass viele Medienunternehmen, aber auch Firmen, die irgendwie mit privaten Finanzen zu tun haben, also meinem thematischen Schwerpunkt, ihre Apps und Seiten dort testen lassen. Natürlich unterschreibt man einen Geheimhaltungsvertrag. Was man dort beim Testen also herausfindet, darf man nicht weiterverwerten oder anderen erzählen. Trotzdem ist es natürlich so, dass man das, was man weiß, nicht mehr aus dem Gehirn löschen kann.

Aufgrund der interessanten Kunden würde ich, wenn ich in einer Redaktion etwas zu sagen hätte, jeden Redakteur verpflichten, sich einmal im Quartal um die Teilnahme an einem dieser Tests zu bewerben. Und das hat zwei Gründe:

  1. Wenn man die Usability der Konkurrenz testet, fällt einem möglicherweise auf, was an der eigenen App oder Homepage nicht optimal ist. Man wird sensibilisiert für dieses Thema.
  2. Erfährt man so natürlich eine ganze Menge aus der eigenen Branche – unter Umständen lange, bevor andere es erfahren.


Warum ich selbst schon lange nicht mehr getestet habe

Obwohl ich dieses Crowd-Testing wirklich spannend finde, habe ich selbst schon lange nicht mehr getestet. Auch dafür gibt es zwei Gründe:

  1. Die Einladungen kommen oft recht knapp vor dem Test-Beginn. Auch der Zeitrahmen für einen Test ist meist kurzfristig. So sponatn bin ich in der Regel nicht. Vorallem, weil ein solcher Usability-Test nicht in fünf Minuten abgeschlossen ist. Ich müsste mir also dafür Zeit einplanen, doch wenn die Einladung zum Test kommt, sind meine nächsten Tage oft schon sehr voll.
  2. Damit der Usability-Test etwas bringt, muss er detailliert sein. Das heißt, man braucht ziemlich viel Zeit dafür, vorallem zu Beginn. Und dafür ist mir das Ganze zu schlecht bezahlt.
  3. Trotzdem: Es gibt viele Tests, die mich reizen. Und wer sich noch nie mit dem Unternehmen beschäftigt hat, sollte sich das Angebot einmal anschauen. Ich finde, es lohnt sich.

BettinaBlass

Wirtschaftsjournalistin, Dozentin für Internetthmen und Buchautorin.

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