Digitalisierung: Im Fake-Shop eingekauft

„Ich hab‘ Lehrgeld gezahlt“, sagt meine Freundin P. und lacht. Und das nicht zu wenig: Gut 120 Euro hat sie der Einkauf in einem etwas eigenwilligen Klamottenladen, wahrscheinlich einem Fake-Shop, im Netz gekostet. Sie war durch Werbung bei Facebook darauf aufmerksam geworden. Die Shirts, Kleider, Röcke trafen genau ihren Geschmack. Ein bisschen wild, ein bisschen öko, trotzdem sehr weiblich. Und dazu kam dieser unverschämt niedrige Preis. „Ich war zwar schon skeptisch“, sagt sie. Aber letztlich waren die Kleidungsstücke einfach zu schön. Darum fiel ihr auch gar nicht ein, nach einem Impressum zu suchen. Und die schlechten Begleittexte zu den Produkten? Hätte ja auch ein noch junger Shop sein können, der nicht so viel Wert darauf legt und erstmal Fuß fassen möchte. So landet ein langes Kleid im Warenkorb, eine Hose, ein Shirt, ein weißes Top – „damit kann man ja nichts falsch machen“ – und Sandalen. 

Wie man einen Fake-Shop erkennt

Tatsächlich kam ein Päckchen vom Onlinehandel bei ihr an – aus China. Es hätte ja auch schlimmer kommen können, und sie hätte gar nichts für ihr Geld bekommen. Allerdings entsprach der Inhalt weder ihren Vorstellungen, noch den Bildern der Produkte im Netz: Denn in echt sehen sie billig aus. Die weiße Spitze ist nach einmal waschen gelb, die Stoffe fühlen sich nicht wirklich nach Baumwolle an, sondern eher wie Plastik. Und einen Schnitt haben die Kleidungsstücke auch nicht so richtig.

„Das ist Methode bei Fake Shops: Sie werben mit guten Produktbildern für schlechte Ware“, sagt Hauke Mormann von der Verbraucherzentrale NRW. Sie hat im Internet einige Tipps zusammengestellt, um Fake Shops besser zu erkennen. Diese hätten P. allerdings kaum weitergeholfen. Auf der Seite ihres Shops ist nämlich nur auffällig, dass

  • die Beschreibungen sehr schlecht ins Deutsche übersetzt wurden
  • die Preise sehr niedrig sind.
  • es kein Impressum gibt – aber auch dafür kann es einen Grund geben: Andere Länder, andere Sitten. Eine Impressumspflicht gibt es nicht überall. „Allerdings“, so sagt Iwona Husemann, ebenfalls Verbraucherzentrale NRW, „muss ein kommerzieller Diensteanbieter, der im Nicht-EU-Ausland sitzt, aber innerhalb der EU zum Beispiel Waren liefert, eben doch ein entsprechendes Impressum haben.“ Das hat das Landgericht Siegen entschieden (Urteil vom 9.7.2013, Az. 2 O 36/12). Mehr dazu gibt’s im Internet. Allerdings: Wo kein Kläger, da kein Richter. Und was will man gegen eine Firma in China machen?

Der Fake-Shop unter der Lupe

P. erzählte mir schon im Juli von ihrem Fehlkauf. Damals schaute ich mir die Seite des Onlinehändlers näher an. Ein Impressum gab es nicht, aber immerhin einen Kontakt in Hongkong. Interessant: Im November ist als Kontaktadresse London eingetragen – das ist aber ausdrücklich nicht die Rücksendeadresse. 

Dafür lockt die Onlineseite mit Rabatten, Rabatten und Rabatten: Du gibst mehr als 70 Dollar aus? Dann gibt’s Ermäßigung. Auch wenn man zwei oder gar drei Artikel kauft.

Satte Rabatte

Im Kontakt stand im Sommer die ChicV International als Unternehmensnamen. Wer sich die Mühe macht, ihn zu googlen, wird ganz schnell darauf verzichten, dort einzukaufen. Das Internet ist voll mit Warnungen. Ich schaue mir außerdem die Rücksenderegelungen an: Der Verkäufer soll das Paket nach Guangzhou in China schicken und dafür bezahlen. Bis zwei Kilo und ohne Versicherung kostet das mit DHL und Onlineporto 8,89 Euro. Bei einem Warenwert von etwa 120 Euro hätte man das zwar machen können. Die Frage wäre allerdings gewesen, was man im Gegenzug zurückbekommen hätte. Wer sicher gehen will, dass das Paket ankommt, muss dagegen schon über 40 Euro zahlen. Und das lohnt sich dann tatsächlich nicht mehr.

Die Marke des Fake-Shops scheint nicht auf Gefallen zu stoßen

In den Shirts ist ein Etikett mit einem Markennamen eingenäht. Wenn man diesen googelt, findet man auch erstaunliche Ergebnisse: Mehrere Frauen verkaufen die Ware auf eBay oder im Kleiderkreisel. Beschrieben wird sie mit „ungetragen“, „leider kein Etikett“, „Rückversand unverhältnismäßig“, „weder getragen noch gewaschen“ „Farbe passt nicht“, „zu groß“.

Hups, das ist ja nicht nur ein Fake-Shop

Dann mache ich mal eine Bildersuche – und finde die Sandalen in sehr vielen Shops. Sie sind alle gleich aufgebaut, oft ist die eigenwillige Übersetzung 1:1 übernommen, und auch die ChicV International in Hong Kong begegnet mir ein zweites Mal. Mein Fazit: Ein Unternehmen hat sehr viele Online-Shops und verkauft überall Ware, mit der Kunden nicht zufrieden sind. Weil sich aufgrund der niedrigen Summen aber kaum jemand wehrt, verdienen die wahrscheinlich ganz gut.

Letztlich stoße ich noch auf eine LTD in England und google auch diese. Ich finde auch dazu spannende Informationen und vergleiche sie einfach einmal mit denen einer anderen LTD. Ohne dass ich wirklich wüsste, was das alles zu bedeuten hat: Welcher Screenshot wirkt auf Euch seriöser? 

P. sagt, das wird ihr nie wieder passieren. Die Klamotten aus dem Fake-Shop möchte sie noch für Karneval aufheben. Mehr als eine Session werden sie wohl kaum überstehen. Aber ihr ist wichtig, dass andere nicht den gleichen Fehler machen. So kam es schließlich zu diesem Text. In einem Satz lässt sich der Inhalt so zusammenfassen: Last Euch nicht blenden – schon gar nicht bei Online-Shops, bei denen Ihr das erste Mal einkauft.

Übrigens: Es gibt nicht nur Fake-Shops im Netz, sondern auch Fake-Profile in sozialen Medien. Auch sie können echt viel Ärger machen.

BettinaBlass

Wirtschaftsjournalistin, Dozentin für Internetthmen und Buchautorin.

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