Vorsicht, Abzocke! Arbeit als Geldesel oder Finanzagent

Arbeit für mich in Deutschland
Arbeit für mich in Deutschland

Das verspricht mir Leake Socorro ganz fett in einer E-Mail. Da bin ich neugierig genug, um zu lesen, was ich tun soll. Erfreut stelle ich fest, dass die Mail in nicht ganz schlechtem Deutsch geschrieben ist, das schafft Vertrauen. Und 4.000 bis 8.000 Euro im Monat für maximal 24 Stunden in der gleichen Zeit, das wäre ja ein Traumjob! Also lese ich weiter:

Ich kann den Job nebenher machen, und ich benötige keine besondere Ausbildung, schreibt mir Socorro. Toll! Nur ein Bankkonto brauche ich, schreibt er weiter. Kein Problem, das habe ich. Also weiter: Darauf wird mir Socorros Firma künftig Geld überweisen, und zwar 2.000 bis 8.000 Euro im Monat. Ich soll das Geld dann abheben, darf 20 Prozent, also 400 bis 1.600 Euro, behalten, und den Rest gebe ich ab. Wo auch immer.

Als Finanzagent Geld bekommen fürs Nichtstun? Gibt’s nicht!

Ich denke kurz nach: Wer auf die Mail antwortet, und sich bereit erklärt, bekommt also im Prinzip Geld fürs Nichtstun. Da sollten eigentlich die Alarmglocken schrillen. Aber: „Die Arbeit ist absolut berechtigt und verletzt keine Gesetze der EU und Deutschlands“, verspricht Socorro. Wie beruhigend! Und wie absolut falsch! Socorro oder wie auch immer der Absender der Mail heißen mag, möchte mich nämlich als Finanzagenten oder Geldesel anheuern.

Als Finanzagent in der Haftung für Betrug

Während Geldesel durchaus einen negativen Klang hat, klingt „Finanzagent“ doch sehr seriös. Ungefähr wie „Versicherungs-“ oder „Finanzberater“. Die Aufgabe des Finanzagenten hat mit diesen Jobs aber nichts zu tun. Ihre Aufgabe ist es vielmehr, das abgehobene Geld per Bargeldtransfer wie beispielsweise mit Western Union oder MoneyGram weiterzuleiten. In der Regel irgendwohin ins Ausland, möglichst weit weg. Wer dort das Geld abholt, lässt sich oft nicht feststellen. Dafür melden sich sehr wahrscheinlich bald andere Leute beim Finanzagenten. Nämlich die, von deren Konten das Geld abgebucht wurde, das auf seinem Konto einging. Ohne deren Wissen. Das geschieht beispielsweise, wenn die Zugangsdaten zum Onlinebanking abgegriffen werden. Die so Betrogenen wollen dann ihr Geld zurück haben – und zwar vom Finanzagenten. Die Polizei findet das übrigens auch gar nicht lustig.

Als Finanzagent Pakete weiterleiten? Finger weg!

Das Spiel gibt es übrigens auch mit einer Variante: Jemand kauft mit Ihren abgegriffenen Kreditkartendaten im Netz ein und schickt die Pakete an den Finanzagenten. Der leitet sie weiter – im Regelfall wieder ins Ausland. Und auch in diesem Fall haftet er sehr wahrscheinlich. Wer also schnelles Geld benötigt, sollte definitiv die Finger von solchen Jobs lassen. Denn sie verschärfen die Situation am Ende nur noch mehr.


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BettinaBlass

Wirtschaftsjournalistin, Dozentin für Internetthmen und Buchautorin.

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