Telefonanruf von meiner Bank

Sorry, Hausbank! Du bekommst mein Geld nicht!
Sorry, Hausbank! Du bekommst mein Geld nicht!

Ich bin übers Internet bei meiner Bank eingeloggt, sie bittet mich, meine Adresse zu bestätigen, da ich bald eine neue Girokarte bekommen soll. Mache ich doch gerne. Keine fünf Minuten später klingelt mein Handy. Es ist die Ehrenfelder Filiale. Ist das Zufall, frage ich mich? Eine nette Dame fragt, wann mir denn einmal ein Termin für ein Beratungsgespräch passen würde. Das finde ja jährlich oder alle zwei Jahre statt, ich sei lange nicht dagewesen.

Noch sehr höflich sage ich:“Danke, ich habe keinen Bedarf an einer Beratung“. Die Dame lässt nicht locker. Ein persönliches Gespräch sei schon wichtig, da würde ich dann auch erfahren, was ich anders machen könne, besser, wo ich vielleicht sparen könne. Ich:“Danke, ich habe einen Finanzberater, mit dem ich mich einmal im Jahr treffe, das reicht völlig.“ Die Dame hakt nach:“Sie meinen einen unabhängigen Finanzberater? Der verlangt dann aber Provisionen, die Sie bei uns nicht bezahlen müssen.“ Ja, denke ich, er verlangt Provisionen. Dafür bekomme ich dort genau die Produkte, die ich will. Sie dagegen verkaufen mir die Produkte, mit denen Sie die höchsten Provisionen machen, und die ich nicht will. Zu meinem eigenen Erstaunen sage ich nun schon gar nicht mehr so höflich:“Ich war einmal bei Ihnen zur Beratung, und die war unterirdisch schlecht“.

Schlechte Beratung von meiner Bank

Ich erinnere mich an die dürre, müde aussehende Frau, die mir vor einigen Jahren gegenüber saß. Sie sagte, ich solle in einen Fonds investieren, der Indien im Fokus hat. „Warum?“, fragte ich. Sie:“Naja, das ist ein aufstrebendes Land, die bauen die ganze Infrastruktur auf. Da wird viel passieren.“ Auch wenn sie da im Grunde Recht haben mag, überzeugt haben mich diese Argumente damals nicht. Ich sagte ihr, dass ich bereits in Asien investiere, und die Region so zu großes Gewicht bekommen könnte, dass ich mein Portfolio diversifizieren möchte, und dass sie nicht von dem, was sie auf dem Bildschirm sieht, schließen kann und darf, dass das mein gesamtes Vermögen ist. Ihre Antwort:“Uns interessiert nur das, was Sie bei uns haben“. Tja. Mag sein. Hilft dem Kunden aber leider nicht weiter.

Da ich auf Indien nicht ansprang, empfahl sie mir eine Anlage in den USA. Supersicher. Lehman-Zertifikate. Zum Glück lehnte ich damals dankend ab, weil ich das Produkt nicht verstand. Gestern las ich noch, dass die Lehman-Pleite fast auf den Tag fünf Jahre her ist. Das alles geht mir in Sekundenbruchteilen durch den Kopf, während ich jetzt, im September 2013 wieder von meiner Bank angerufen werde. Ich merke, wie ich langsam innerlich anfange zu kochen und füge am Telefon noch hinzu:“Ich möchte nicht mehr von Ihnen beraten werden“.

Ich möchte keine Beratung von meiner Bank

„Oh“, sagt die Dame am Telefon. „Wer hat Sie denn da beraten, wann war das?“ – „Vor einigen Jahren. Sie wollten mir Lehman-Papiere verkaufen.“ Schweigen. „Ich denke, Sie verstehen, dass ich auf Ihre Beratung gerne verzichte. Sollten Sie darauf bestehen, dass ich zu einem persönlichen Gespräch vorbeikomme, werde ich die Bank wechseln“, füge ich hinzu. „Um Gottes Willen Nein!“, sagt die Dame bestürzt. „Wir bestehen auf gar nichts, und Sie müssen auch nicht kommen. Das ist ja nur ein Angebot von uns, ein Service für den Kunden.“ Das hatte eben aber noch ganz anders geklungen, finde ich. Ich sage:“Danke, ich möchte das Angebot nicht annehmen. Und da wir die Sache nun geklärt haben, können wir das Gespräch ja auch beenden.“ – „Ja, auf Wiederhören, und danke für Ihre Zeit“, sagt die Dame. Ich lege auf.

Und frage mich, warum ich eigentlich noch immer bei dieser Bank bin. Die Antwort ist einfach: Ich bin zu faul zu wechseln. Außerdem zahle ich keine Kontoführungsgebühr. Brauche ich Bargeld, hole ich es in der Filiale, die keine zehn Fußminuten von mir entfernt ist, oder an der Supermarktkasse. Einen Kredit würde ich dort nie aufnehmen, die Summe meiner Geldanlage bei dieser Bank ist mehr als übersichtlich. Außerdem lässt sie mich meistens in Ruhe. Nur alle zwei Jahre einen Anruf dieser Art, den muss ich wohl oder übel ertragen.

BettinaBlass

Wirtschaftsjournalistin, Dozentin für Internetthmen und Buchautorin.

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