Die sozialen Medien haben zwei gewaltige Vorteile:

  1. Man kommt schnell mit dahin Unbekannten ins Gespräch
  2. Man wird unangenehme Zeitgenossen genau so schnell wieder los.

Zum Glück spielt Punkt 2 eine eher untergeordnete Rolle in meiner Online-Welt. Genauer gesagt gibt es eigentlich nur drei Menschen, die ich relativ schnell wieder los werden wollte, und die ich sogar blockiert habe:

  1. Ich habe einen Mann auf allen Kanälen geblockt. Er versuchte sich mit mir anzufreunden, weil wir den gleichen Nachnamen haben. Auf seinem Foto sieht er aber außerordentlich unsympathisch aus, und was er schreibt, ist mehr als fragwürdig. Mit einem solchen Menschen muss ich nicht einmal entfernt in Verbindung stehen.
  2. Einen zweiten Mann habe ich bei Twitter geblockt. Er ist ein Troll, hat an allem in unmöglichem Tonfall etwas auszusetzen, kommt vom Hölzchen aufs Stöckchen und teilte mir ständig ungefragt seine für mich komplett uninteressante und nicht-nachvollziehbare Meinung mit. Brauche ich nicht.
  3. Einen dritten Mann habe ich innerhalb eines Tages als Bekannten an vielen Stellen hinzugefügt – und genau so schnell wieder blockiert. Weil er kein Ende fand. Weil er mir zu nah kam. Weil er mir auf die Nerven ging.

Um diese Geschichte wird es hier gehen. Und um das ganz klar zu sagen: Ich bin an ihrem Verlauf nicht unschuldig. Aber trotzdem ganz froh, dass sie so schnell vorbei war, wie sie angefangen hat.

Auf Twitter fing alles ganz harmlos an

Ich habe nicht so sehr viele Follower auf Twitter. Darum freue ich mich über jeden neuen. Eines Morgens bekam ich also einen neuen Follower, schaute mir sein Profil an, und stellte fest, dass er auch Journalist ist und in Köln lebt. Also folgte ich zurück. Schließlich erzähle ich ja jedem immer, wie wichtig Netzwerken ist. Außerdem hätte sein können, dass ich ihn durch die Arbeit bei der KJV oder für den DJV-NRW kenne. Und da möchte ich selbstredend einen guten Eindruck hinterlassen. Postwendend kam ein „Danke fürs Folgen“, was ich eigentlich total doof und überflüssig finde. Aber weil ich dachte, wir kennen uns vielleicht oder sollten uns aus beruflichen Gründen kennen, habe ich geantwortet. Mehr als einmal, und auch ein Offline-Treffen vorgeschlagen. Mein Fehler.

Bei Twitter fing's an
Bei Twitter fing’s an

Plötzlich war er auf dem Handy

Obwohl ich meine Nachrichten trotzdem nicht als privates Interesse gedeutet hätte, kamen sie bei meinem Gegenüber wohl anders an. Er fragte nach meiner Handynummer, um zu WhatsApp zu wechseln. Nun mag ich WhatsApp nicht und nutze es kaum. Aber ich dachte, vielleicht gibt es eine interessante Gruppe, der ich beitreten könnte. Blöderweise habe ich gesagt, dass ich iMessage bevorzuge. Und so kam ich aus der Nummer irgendwie nicht mehr raus. Dachte ich in diesem Moment zumindest. Und obwohl ich meine Handynummer echt nur selten herausgebe, und das Smartphone sowieso nicht groß zum Telefonieren oder Chatten nutze, habe ich sie diesem Kollegen geschickt. Innerhalb von Sekunden war die erste Chatnachricht da. Und das war mir dann schon zu viel des Guten. Es war Morgen, ich arbeitete, hatte keine Zeit für weitergehende Gespräche, die mir plötzlich inhaltlich zu privat vorkamen, und zu allem Überfluss durch meine eigene Blödheit jetzt auch noch auf dem Gerät aufpoppten, dass ich am Nähsten bei mir habe, auch am Wochenende oder im Feierabend.

Wie es zum Kanalwechsel kam
Wie es zum Kanalwechsel kam

Weiter zu Facebook

Ich dachte, wenn ich mich mit ihm auf Facebook verbinde, bekomme ich ihn von iMessage weg. Bei Facebook bemerkte ich als erstes, dass er mit einer Kollegin befreundet ist. Dummerweise dachte ich, dann kann es ja so schlimm nicht werden. Ich verband mich also mit ihm. Und gab gleichzeitig zu verstehen, dass ich jetzt arbeiten würde und keine Zeit mehr hätte. Doch das war für ihn kein Grund, aufzuhören, mir Nachrichten zu schicken. Einmal antwortete ich noch mit „Man soll aufhören, wenn’s am schönsten ist“. Und dann schwieg ich.

Messenger-Chat
Messenger-Chat

Jetzt wird’s persönlicher

Besonders unangenehm fand ich nicht nur, dass er trotz meines Schweigens weiter plauderte, sondern sowohl auf Facebook als auch auf iMessage teilweise zeitgleich weiter Nachrichten schickte. Noch unangenehmer fand ich aber, als plötzlich mein Mann ins Spiel kam. Dieser Kollege begann, sich für Dinge zu interessieren, die einen bis eben fremden Menschen einfach nichts angehen. Ja, ich habe meinen Mann im Facebook-Profil angegeben. Und ich würde sagen, dass seither die Zahl der bekloppten Anfragen merkwürdiger Männer nachgelassen hat. Aber in diesem Fall gab ich dadurch eher noch Kommunikationsfutter.

Einen Kanal nach dem anderen blockiert

Weil er auf iMessage weiter schrieb, zuletzt nach der Mittagspause: „Tauchst du komplett ab, wenn du arbeitest?“ blockierte ich ihn dort zuerst. Mir war spätestens jetzt klar, dass ich den Mann zu nah an mich herangelassen hatte. Mir war auch schon klar, dass ich ihn nicht persönlich treffen wollte, um zu netzwerken –  warum also sollte ich ihn weiter im Kontaktbuch haben?

Tipp iMessage: Wer im iPhone einen Kontakt blockieren will, ruft ihn über die Kontaktkiste auf, scrollt ganz nach unten und klickt „Anrufer blockieren“.

Nach dem Wochenende und seinem Glückwunsch per Messenger zu meinem bei Facebook kommunizierten Hochzeitstag blockierte ich ihn dann auch dort.

Tipp Facebook: Unter „Einstellungen“ auf „Blockieren“ und dann bei „Nachrichten blockieren“ den Namen eingeben.

Einen guten Monat später bekam ich noch eine direct message auf Twitter von ihm, die ich ignorierte. Das habe ich nicht bereut. Neulich habe ich festgestellt, dass er mich bei Facebook entfreundet hat. Auch das finde ich nicht schlimm, im Gegenteil bin ich froh darüber.

Was ich daraus gelernt habe:

  1. Ich werde erstens in Zukunft wieder vorsichtiger sein, wenn ich digitale Kontakte schließe.
  2. Ich will nicht mit jedem auf jeder Plattform verbunden sein.
  3. Meine Handynummer gebe ich sicherlich nicht mehr so schnell heraus.
  4. Habe ich daraus ein typisches Verbraucherthema gemacht „Digitales Stalking verhindern“. Das habe ich an zwei Kunden verkauft. Insofern habe ich aus der Sache nicht nur gelernt, sondern auch noch Geld verdient.

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Überhaupt scheinen sich Beziehungen im digitalen Zeitalter verändert zu haben. Manchmal ist das Internet dabei ein Fluch, manchmal ein Segen:

Wenn man(n) mir digital zu nah kommt
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Ein Kommentar zu „Wenn man(n) mir digital zu nah kommt

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