Getestet: Fitteryou – Sport im Wohnzimmer

Sport im Wohnzimmer - mit Fitteryou
Sport im Wohnzimmer – mit Fitteryou

Gehört Ihr auch zu den Leuten, die Monat für Monat für ihr Fitnessstudio bezahlen – aber nie dorthin gehen? Ich bin am Anfang wirklich gerne in mein Fitnessstudio am Mediapark gegangen, und auch sehr regelmäßig: Schwimmen, Yoga, Kraftsport und einige Zirkel und Übungen mit digitaler Unterstützung. Und plötzlich war der Spaß weg. Als ob ein Luftballon geplatzt sei. Irgendwann habe ich dann gekündigt – und seit März muss ich nun endlich nicht mehr dafür bezahlen.

Statt Fitnessstudio mit Apps im Wohnzimmer aktiv

Das heißt natürlich nicht, dass ich keinen Sport mehr mache: ich laufe ja ein bisschen. Und meine Krankenkasse bezahlt mir die Jahresgebühr für Gymondo. Das ist eine App, mit der ich täglich einen anderen Kurs angeboten bekomme. Ich spare mir den Weg ins Fitnessstudio. Und ich kann entscheiden, ob die Übungen für mich passend waren oder nicht – danach wird mein Trainingsplan entwickelt. 

Auch zusammengerollt ein Eyecatcher: die Matte von Fitteryou
Auch zusammengerollt ein Eyecatcher: die Matte von Fitteryou

Fitteryou funktioniert im Prinzip ganz ähnlich. Das Unternehmen sagt über sich selbst, es sei der „Personal-Coach auf Knopfdruck“. Shape, der Mannheimer Morgen oder Wunderweib haben laut Homepage darüber berichtet. Fitteryou schrieb mich an und fragte, ob ich ihre Kurse testen möchte. Ich sage im Wesentlichen zu, weil ich die Matte, die von der App geliefert wird, interessant finde. Tatsächlich erweist sie sich auch zusammengerollt im Wohnzimmer stehend als Eyecatcher: Freunde und Nachbarn, die in den kommenden Wochen zu Besuch sind, lassen sich das Konzept erklären. Die Matte soll dabei helfen, bei den Übungen immer die richtige Haltung zu haben – also den richtigen Abstand der Füße zueinander beispielsweise. Darum gibt es sie auch für unterschiedliche Größen. Meine Erkenntnis: Für Einsteiger ist sie bestimmt sehr sinnvoll. Wer schon lange Fitness-Übungen macht, braucht sie eher nicht.

Aus meiner Sicht hat die Matte aber zwei gravierende Nachteile: Ausgerollt ist sie für unser Wohnzimmer eigentlich zu groß. Und ich mag ihren Geruch nicht. Was mir an ihr gefällt: Sie ist laut Angabe des Unternehmens in Werkstätten für Menschen mit Behinderung gepackt worden und mit fairen Preisen gehandelt.

Fitteryou hat eine eigene Matte und verspricht individuell angepasstes Training

Letztendlich liegt es aber nicht an der Matte, dass ich bei Gymondo bleibe und das Test-Abo bei Fitteryou kündige. Fitteryou und ich, wir passen einfach nicht zusammen, und das zeigt sich schon beim Start: Ich soll einen Eingangs-Fitness-Test machen, damit mir passende Übungen empfohlen werden. Dazu soll ich unter anderem drei Minuten lang beispielsweise auf unsere Bank steigen und wieder hinab – natürlich mit Tempo. In einem Wohn-Esszimmer, in dem ein Sofa steht, ein Tisch, Stühle und Kisten, ist das ehrlich gesagt auch etwas gefährlich. Würde ich das Gleichgewicht verlieren, dürfte ich mich ziemlich verletzen. Das Wohnzimmer ist eben kein Fitnessstudio.

Ich habe danach einen Herzschlag von 164 Beats per Minute. Rausgefunden habe ich das über meine Smartwatch. Eigentlich sollte ich den Pulsschlag am Handgelenk messen. Das kann ich aber nicht. Oder anders gesagt: Ich habe einfach nichts gefühlt, vermutlich bin ich dafür einfach zu doof. Leider wird das Ergebnis meiner Smartwatch aber nicht automatisch von der App übernommen. 164 Beats per Minute kann ich aber nirgendwo eintragen. Und schon trainieren wir aufgrund einer falschen Ausgangssituation.

Bei einer Übung danach kacke ich voll ab – ich schaffe maximal neun Wiederholungen und bin frustriert. Verwunderlich finde ich das nicht: Nachdem ich schon drei Minuten auf die Bank und wieder herunter gestiegen bin, spüre ich meinen Oberschenkel – auch beim Cross-Ausfallschritt. Dementsprechend höre ich einfach nach zehn Wiederholungen auf. Beim Beckenmove-Kicker dagegen höre ich nach 35 Wiederholungen auf, weil ich nicht das Gefühl habe, müde zu werden, und weil ich einfach keine Lust mehr darauf habe. Fazit: Ich quäle mich durch den Fitness-Check.

Meine 7 Tage mit Fitteryou

Interessant finde ich am Tag 1 mit Fitteryou die Aufwärmübungen für die Schultern und in der indischen Hocke. Aber eben auch nur am ersten, vielleicht noch am zweiten Tag. Danach langweilen sie mich. Total nervig finde ich die Sprünge beim HIIT-Training. HIIT steht für High Intensive Interval Training. Dabei geht man kurze Zeit an sein Limit, um möglichst viel Fett zu verbrennen. Aber: Wer sich diese Einheit ausgedacht hat, kann nicht in einem Mehrparteienhaus wohnen. Die junge Frau unter mir würde sich eher nicht freuen, wenn ich plötzlich anfangen würde zu springen, auf der Stelle zu rennen oder zu hüpfen.

Was mir außerdem nicht gefällt: Drei Sätze hintereinander die gleichen Witze zu hören: „Das ist gut für die Arme, die müssen jetzt nichts machen“. Außerdem soll ich mich am Ende auf meinen Daumennagel konzentrieren, um fokussierter zu werden. Ich stelle fest, dass er eingerissen und schlecht gefeilt ist. Auch eine Erkenntnis.Davon abgesehen sind Yoga und Meditation mir nicht fremd – ich mache beides seit vielen Jahren.

Tag 2 mit Fitteryou

Ich bin amüsiert. Denn ich werde mit den Worten begrüßt: „Oh, das Training war dir zu leicht!“ Auch ganz nett finde ich die Aufforderung, ab und zu den Bildschirm zu berühren, um zu zeigen, dass man noch da ist. Dafür frustriert mich die Standwaage mit Rumpfdrehungen – als ob die Balance zu halten nicht schon schwierig genug wäre. Nicht gerade aufbauend ist der Kommentar: „Es gibt ja Leute, die können nicht mal gut auf einem Bein stehen“. Ich frage mich, wie ich mich fühlen würde, wenn ich dazugehören würde.

Bei den eigentlichen Übungen spricht mich der Verspannungskiller an. Schließlich habe ich genau das seit etwa drei Wochen: Verspannungen im Nacken und den Schultern. Dementsprechend knackt und knirscht es auch bei den ersten Armhebungen. Aber: Im Laufe der Übungen wird das tatsächlich besser. Gut. Alles in allem war das zweite Training besser als das am ersten Tag.

Tag 3

Meine Nackenschmerzen sind weg. Toll. Aber ich ärgere mich, dass meine gestrige Bewertung als „es lief alles rund“ gespeichert wurde. Denn so rund fand ich es denn nicht.

Erkenntnis am heutigen Tag: Die Matte ist zwar ganz nett. Aber wenn man schon ein bisschen Erfahrung hat, braucht man sie nicht – zumindest nicht für mein Programm. Hinzu kommt: Sie stinkt wirklich. Was ich außerdem feststelle: Ich bin einfach niemand, der in Sätzen und Wiederholungen denkt. Mögen die Übungen noch so effektiv sein – mich langweilt das. Ich habe dann lieber einen durchgehenden Kurs, als ich dass ich ständig irgend etwas wiederholen muss.

Tag 4

Ich war nicht zufrieden am Vortag, aber das wird wieder behauptet. Das HIIT-Training fängt aus meiner Sicht immer zu plötzlich und ohne Erklärung an.

Tag 5

Heute bleibt das Bild hängen, ich höre nur noch Musik. Pause drücken bringt nichts, die App reagiert nicht mehr. Mir bleibt nur der Trainingsabbruch wegen technischer Probleme.

Tag 6 

Das Training sei mir zu einfach gewesen, bekomme ich zu hören. Das ist natürlich Quatsch: Ich musste wegen technischer Probleme abbrechen. Heute kommt ein weiteres Problem dazu: Das Handy klingelt. Ich muss rangehen. Leider stoppt das Training nicht automatisch, und ich kann nicht Pause drücken. So höre ich zum Gespräch den Ton aus dem Training. Das ist nervig.

Tag 7

Ich habe das Training gewechselt – von Inshape auf Vitality. Das scheint aber eher eine theoretische Sache gewesen zu sein, denn praktisch ändert sich nicht wirklich etwas. Ich fühle mich nicht ernst genommen, das Training langweilt mich. Ich beschließe, das kostenlose Probeabo zu kündigen.

Mein Fazit: Es gibt viele Apps, die gut klingen. Aber die Umsetzung ist dann doch nicht so einfach. Das war auch schon mit dem Fitnessarmband Up so.

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