Wie Megatrends die Bankenlandschaft beeinflussen

Megatrends haben Auswirkungen - überall
Megatrends haben Auswirkungen – überall

Demographischer Wandel, Silver Society, Urbanität und Konnektivität – das sind nur einige der so genannten Megatrends. Ein Megatrend beeinflusse jeden Einzelnen, die gesamte Gesellschaft, und das über Jahrzehnte, heißt es beim Zukunftsinstitut. Dort erforscht man europäische Trends und die damit verbundene Zukunft. Megatrends haben natürlich auch Einfluss auf die deutsche Bandenlandschaft.

Bis 2030 wird es mehr als eine halbe Million weniger Einwohner in Deutschland geben – trotz Zuwanderung. Das ist das Ergebnis der aktuellen Bevölkerungsprognose der Bertelsmann Stiftung. Die Deutschen werden also weniger. Nicht nur das: Sie werden auch älter. In den kommenden 15 Jahren soll die Zahl der Hochbetagten über 80 Jahre laut Studie bundesweit um 47,2 Prozent auf über 6,3 Millionen steigen. Und noch etwas ändert sich: Die Deutschen leben immer häufiger lieber in der Stadt als auf dem Land. Alle diese Faktoren zusammen nennt man den demographischen Wandel. Und der zählt zu den sogenannten Megatrends. Denn er hat Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft, auf die Kultur und vor allem auch auf die Wirtschaft: Beispielsweise wird es für Unternehmen immer schwieriger, qualifizierten Nachwuchs zu finden.

Der demographische Wandel führt auch dazu, dass in einigen Orten in Deutschland immer weniger Menschen leben: Bürger in Schrumpfungsregionen müssen in Kauf nehmen, dass dort Läden schließen, weil sie sich für die Besitzer nicht mehr rechnen. Städte machen auch Schwimmbäder oder Schulen dicht, Busse fahren seltener, manche Linien werden ganz eingestellt. Dadurch entsteht eine sich verschärfende Wegzugsspirale: Immer mehr Bürger zieht es in die Stadt – Megatrend Urbanität. „Auch Banken sind von diesen Entwicklungen betroffen“, sagt Ingolf Jungmann, Vizepräsident der Frankfurt School of Finance & Management. „Sie müssen sich darüber Gedanken machen, ob sich eine teure Filiale auf dem Land noch rechnet“. Selbst das Aufstellen eines Geldautomates sei künftig in einigen Orten zu teuer, so Jungmann. „Banken haben nur zwei Möglichkeiten: Entweder sie ziehen sich aus den entsprechenden Schrumpfregionen zurück, sobald es sich für sie dort nicht mehr rechnet. Oder sie spezialisieren sich auf bestimmte Produkte, so dass sie weiterhin wirtschaftlich arbeiten können.

Wie man die Kundenbeziehungen verbessert

Der demographische Wandel hat noch andere Folgen: „Ältere Kunden wünschen ältere Berater“, sagt Jungmann. Das heißt, die Personalkonzepte müssen überdacht werden: Gibt es ausreichend Berater in den entsprechenden Altersgruppen der Kunden? Und: Sind die Berater dann verfügbar, wenn die Kunden Zeit für Bankgeschäfte haben? Hier kommt der Megatrend Konnektivität ins Spiel, also die weiter zunehmende Nutzung des Internets. Videoberatung beispielsweise sei ein wichtiger Trend in allen Altersgruppen, so Jungmann. Damit könnte man außerdem speziell zu den Jüngeren und Berufstätigen eine Bindung aufbauen. Hier sollten Banken darum investieren.

Und nicht nur dort: Grundsätzlich gehe es darum, alle Kanäle zu bedienen, die die Kunden nutzen. Banken sollten darum auch lernen, die sozialen Medien besser einzusetzen. Denn selbst wenn sich deren Namen im Laufe der Zeit ändern werden, die Art der Kommunikation wird dadurch nicht automatisch verschwinden. Außerdem sei es eine Fehlannahme, dass junge Kunden keine Beratung bräuchten. „Sobald es um Altersvorsorge oder Baufinanzierung geht, wollen auch junge Kunden beraten werden“, sagt Jungmann. Aber eben nicht in der Filiale.

Zusätzlich sollte man die Kunden, die sich mit Technik nicht so gut auskennen, darin unterrichten, wie sie Überweisungen an einem Terminal selbst durchführen und wie sie Onlinebanking nutzen – „das spart auf Dauer gesehen Geld“, sagt Jungmann. Er will in diesem Zusammenhang nicht von „älteren Kunden“ sprechen: „Es sind nicht immer die älteren, die sich mit Finanztechnologie nicht auskennen“, sagt er. „Es gibt auch viele Junge, die angeleitet werden müssen“. Dem stimmt Michael Hülsiggensen zu. Er ist beim Bundesverband Digitaler Wirtschaft der Payment-Experte und stellvertretender Vorsitzender der Fokusgruppe Digital Commerce. „Nach meiner Erfahrung sind die so genannten Best Ager oder Silver Surfer, also diejenigen, die 50, 60 oder älter sind, sehr aktiv im Internet, kaufen darüber ein und erledigen ihre Bankgeschäfte“, sagt er. Damit sind wir beim Megatrend Silver Society: „Diese Altersgruppen haben viel Lebenserfahrung, oft ein hohes Einkommen – und häufig Zeit.“ Diese Zeit nutzten sie durchaus auch, um sich mit neuen Technologien auseinanderzusetzen. „Man vergisst auch gerne, dass diese Generation oft schon seit 15 bis 20 Jahren im Netz unterwegs ist – zumindest, wenn das beruflich erwartet wurde. Sie gehen nicht plötzlich offline, nur weil sie ein bestimmtes Alter erreicht haben“, sagt Hülsiggensen.

Was sich die Kunden wünschen

Die Zukunft wird die Geldwirtschaft noch weiter technologisieren. „Das kontaktlose Bezahlen mit Girocard war ein Schritt in die richtige Richtung“, sagt Experte Hülsiggensen. Was aber fehle, sei die Einbeziehung mobiler Geräte wie beispielsweise Smartphones, um zu bezahlen. „Die Arbeitszyklen in Banken sind lang“, so Michael Hülsiggensen. „Drei bis fünf Jahre sind normal. Darum sollte man schleunigst mobile Bezahlstrukturen entwickeln, bevor andere Unternehmen wie junge, innovative FinTechs diesen Sektor komplett belegen. „Der Verbraucher wird letztlich die Bezahlart nutzen, die für ihn am praktischsten ist und einen Mehrwert bietet“, sagt Hülsiggensen. „Und das wird auf Dauer das Bezahlen mit dem Smartphone sein“, ist er sich sicher. Interessanterweise sei es in Entwicklungsländern völlig normal, Geldgeschäfte mit dem Handy zu tätigen – dort gebe es keine Bankstrukturen wie in Deutschland. Not mache eben erfinderisch.

Ein Problem in Bezug auf den Schutz der persönlichen Daten beim Bezahlen mit mobilen Endgeräten sieht Michael Hülsiggensen hierzulande nicht: „Wir haben in Deutschland einen ungemein guten Verbraucherschutz“, sagt er. „Den sollten wir als Qualitätssiegel nutzen. Ich gehe davon aus, dass die Bezahldaten der Kunden bei deutschen Banken um ein Vielfaches besser geschützt werden als im internationalen Vergleich“. 100 Prozent Sicherheit gäbe es abgesehen davon sowieso nie: „Wir vergessen gerne, dass auch Bargeld riskant ist“, sagt er. Schließlich seien trotz hoher Sicherheitsvorkehrungen viele gefälschte Geldscheine im Umlauf. Und auch einen gut gefüllten Geldbeutel können Diebe stehlen oder der Besitzer verliert oder vergisst ihn irgendwo. Noch bestehe die Möglichkeit für deutsche Banken, das mobile Bezahlen über Smartphones mitzuentwickeln. „Wer die Gelegenheit verpasst, muss möglicherweise damit rechnen, dass in einigen Jahren andere Firmen dieses Segment übernommen haben.

BettinaBlass

Wirtschaftsjournalistin, Dozentin für Internetthmen und Buchautorin.

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