Augmented Reality in der Kommunikationsbranche

Ich am Vodafone-Stand auf der IFA 2014
Ich am Vodafone-Stand auf der IFA 2014

Der Begriff Augmented Reality ist mir das erste Mal vor vielen Jahren bei einer Kunstausstellung in Köln-Ehrenfeld begegnet: Wer sich dort eine entsprechende App herunterlud, konnte mithilfe seiner Smartphone-Kamera sehen, welche virtuellen Kommentare andere Besucher zu den Kunstwerken hinterlassen hatten. Ich schrieb 2010 einen Beitrag fürs journal NRW über die so genannte erweiterte Realität. Das nächste Mal stolperte ich über AR, wie Augmented Reality abgekürzt heißt, beim Elektrischen Reporter. Irgendwie erwartete ich immer, dass Augmented Reality mit einem großen Boom die Masse erreichen würde, doch es kam anders:

Ich am Lufthansa-Stand auf der ITB 2015
Ich am Lufthansa-Stand auf der ITB 2015

Der Ikea-Katalog setzte plötzlich auf AR und auch einige andere Apps, die sich mit dem Thema Wohnen beschäftigen. Allerdings nahm das sperrige Wort kaum jemand in den Mund. Google brachte seine Datenbrille Glass auf den Markt – konnte aber nicht die Masse begeistern. Erst einmal nicht. Dafür hatte ich selbst das erste Mal auf der IFA 2014 ein so genanntes head-mounted display auf, dann ein halbes Jahr später auf der ITB 2015.

Jetzt hat der UVK Verlag zu meiner Überraschung ein Praxishandbuch Augmented Reality (affiliate Link) herausgebracht und mir zur Rezension überlassen. Nach der Lektüre des ersten Kapitels freue ich mich, weil direkt eine Frage beantwortet wurde, die ich mir selbst schon gestellt hatte: Ist ein QR-Code eigentlich AR? Nein, lautet die Antwort der Autoren, denn der QR-Code leitet nur schnell auf beispielsweise ein Video oder eine Internetseite weiter, während bei Augmented Reality das Sichtfeld tatsächlich mit Informationen direkt angereichert wird, wie man auf meinen Bildern von 2010 zumindest erahnen kann:

Das Praxishandbuch richtet sich in erster Linie an Leute aus PR und Marketing. Ich bin aber sicher, dass AR künftig auch im Journalismus eine bedeutende Rolle spielen wird. In den USA beispielsweise gibt es erste Projekte damit. Der Vorteil von AR: Der Nutzer beschäftige sich länger mit dem Inhalt, zumindest, wenn dieser gut gemacht sei, heißt es im Praxishandbuch Augmented Reality. Aufgabe wird es darum künftig noch mehr als bei multimedialen Onlinespecials sein, die richtige Darstellungsform für die Inhalte zu finden, die man vermitteln möchte. Einen Text kann man so beispielsweise mit Video, Audio oder interaktiven Grafiken anreichern. Das haben übrigens der Stern und die Süddeutsche schon vor einigen Jahren in Einzelausgaben gemacht. Als positives Beispiel von AR im Journalismus wird übrigens ausgerechnet eine Tageszeitung aus Deutschland im Buch angeführt: der Weser-Kurier bietet wohl täglich AR-Anwendungen zum Printmedium an. Und das angeblich recht erfolgreich. Eine gute Nachricht, wenn man sonst immer nur von der Krise im Tageszeitungsjournalismus hört.

Guter Inhalt für AR

Was aber ist guter Inhalt für AR? Die Autoren Dirk Schart und Nathaly Tschanz sprechen davon, dass die Anwendung einen Mehrwert haben muss. Mehrwert, das ist ein Begriff, den wir im Verbraucherjournalismus gerne benutzen. Ein Beispiel zum Thema AR: Sitzt der Nutzer auf dem Sofa, bringt ihm ein mobiler Gutschein seines Lieblings-Coffee-Shops nichts. Ist er unterwegs und steht vor dem betreffenden Shop, ist der Gutschein bares Geld wert. Es geht also auch um den Context, wenn eine AR-App Nutzen bringen soll.

Zehn Schritte zur AR-Anwendung
Zehn Schritte zur AR-Anwendung

Technisch betrachtet spielt für den Erfolg einer AR-App auch eine Rolle, ob man sich für eine eigene App entscheidet oder auf einen AR-Browser zurückgreift. Beides hat Vor- und Nachteile. So ist eine Anwendung für einen AR-Browser vermutlich günstiger und man profitiert von dessen Bekanntheit. Allerdings laufe man dort Gefahr, dass die Konkurrenz sich dort ebenfalls um Nutzer bemühe, und man gehe darum eventuell unter in der Vielfalt der Anbieter, argumentieren die Autoren.

Wie man eine AR-Anwendung umsetzt

Der vielleicht größte Nutzwert des Praxishandbuchs Augmented Reality ist eine detaillierte Beschreibung, wie der Ablauf in der Praxis aussieht, um eine AR-Anwendung umzusetzen, und zwar von der Idee bis zur Realisierung. Allerdings wird in jedem Unternehmen aufgrund der hauseigenen Politik ein solcher Prozess anders laufen, mal schneller und einfacher, mal komplizierter.

Fazit: Wer bisher nur mit dem Gedanken gespielt hat, „was mit AR zu machen“, kommt mit diesem Buch der Umsetzung einen großen Schritt näher. Den Weg gehen muss jedoch jedes Unternehmen alleine. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wo und wie Augmented Reality künftig bei Medienhäusern eingesetzt wird. Wenn Ihr gute Beispiele kennt, schreibt sie doch bitte in die Kommentare.

BettinaBlass

Wirtschaftsjournalistin, Dozentin für Internetthmen und Buchautorin.

2 Gedanken zu „Augmented Reality in der Kommunikationsbranche

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