Zu Besuch im Apple-Museum in Prag. Oder warum sich Steve Jobs im Grabe umdrehen würde.

Apple-Museum von außen
Apple-Museum von außen

Angeblich ist es die größte private Sammlung von Apple Produkten weltweit: Das Apple-Museum in Prag. 11 Euro Eintritt zahlen Erwachsene, um sich dort die Entwicklung der Apple-Computer bis hin zum neusten iPhone anzusehen. Wir zögern, das Geld auszugeben, schließlich haben wir die Entwicklung der Computer, die Einführung von mp3-Player, Smartphones und Tablets erlebt. Ist die Computergeschichte wirklich schon so alt, dass es sich lohnt, dafür in ein Museum zu gehen? Wir entscheiden uns dafür, aus reiner Neugierde.

Natürlich ist im Apple-Museum alles auf Hochglanz poliert: Ein kleine, schmale Frau in einer rosa Uniform und mit asiatischen Gesichtszügen wienert ständig hinter den Besuchern her. Die Glasvitrine soll glänzen, der Boden keine Schmutzspuren zeigen. Während wir von Vitrine zu Vitrine gehen, hören wir in einer scheinbaren Endlosschleife die Rede von Steve Jobs, die er 2005 vor Studierenden an der Stanford Universität gehalten hat. „Stay hungry, stay foolish“ mag das berühmteste Zitat aus dieser Rede sein.

Steve Jobs galt als Perfektionist. 1993 hat er der New York Times gesagt: „Design ist nicht nur, wie es aussieht oder sich anfühlt. Design ist, wie es funktioniert.“ Steve Jobs hätte sicherlich seinen Spaß gehabt an diesem hellen, glänzenden Museum mit den vielen Geräten, die die Erfolgsgeschichte von Apple, seine Erfolgsgeschichte erzählen. Allerdings nur auf den ersten Blick. Denn auf den zweiten Blick ist dieses Museum absolut keinen Besuch wert. Das beginnt an der Kasse damit, dass die Dame, bei der wir bezahlen wollen, nicht weiß, wie die Kartenzahlung funktioniert. Nun gut, möglicherweise war es ihr erster Tag, und sie musste noch lernen. Dafür erklärt sie mir sehr verständlich, wie ich mich in das museumseigene W-LAN einwähle. Hätte ich zugegebenermaßen auch ohne sie geschafft.

Im ersten Moment bin ich positiv überrascht, von dem, was kommt, nachdem ich eingeloggt bin: Mein Smartphone wird zum Museumsführer, und zwar automatisch auf Deutsch. In jeder Vitrine hängt eine Ziffer, die ich in der Museumsführer-Software klicken kann. Dann erscheint ein passender Text. Interessant dabei ist zum Beispiel die Preisentwicklung über die Jahre: Anfang der 90er beispielsweise zahlte man für ein Laptop, das sieben Kilo wog, 6500 US-Dollar.

Aber Moment: Ich muss eine Zahl anklicken, um Informationen zu bekommen? Während das iPhone beispielsweise Gutscheine mit der Foto-App erkennen und einlösen kann? Und es erscheint ein Text? Warum ist keine Audiospur hinterlegt? Die Folge dieses Angebots ist nämlich, dass man vor jeder Vitrine steht, um lange und oft sehr technische Texte zu überfliegen. Auch das noch. Davon bleibt wenig hängen. Abgesehen davon sieht man wenig von den Vitrinen, weil man ständig aufs Smartphone starrt – als ob man das außerhalb des Museums nicht schon oft genug täte. Ich fürchte, das hätte sich Jobs anders gewünscht.

Noch schlimmer: Die Software funktioniert nicht richtig: Immer wieder kommen Fehlermeldungen: „Safari kann die Seite nicht öffnen, da zu viele Umleitungen auftraten“ ist nur eine Variante. Manchmal kommt man nach solch einer Fehlermeldung wieder zurück in den digitalen Führer, manchmal aber auch nicht. Spätestens nach der 3D-Visualisierung gebe ich auf und gehe ohne Museumsführer weiter durch die Räume. Zu dem Zeitpunkt hat meine Begleitung ihr Handy schon längst wieder in die Hosentasche gesteckt. Und eine deutsche Familie verzichtet zu diesem Zeitpunkt auch schon auf die weiterführenden Infos. Doch auch das ist ziemlich blöd: Da man sich offensichtlich darauf verlassen hat, dass der digitale Museumsführer funktioniert, hat man auf Erklärschilder in der Offlinewelt verzichtet. Heißt: Ohne funktionierenden Museumsführer auf dem Smartphone steht man vor Vitrinen, und versucht selbst eine Erklärung zu finden, für das, was man da sieht. Oder man lässt es eben sein und geht etwas genervt aber zügig Richtung Ausgang.

Davon abgesehen: Ganz spannend ist, was der Museumsbetreiber für die Zukunft plant: Einen Onlineshop, in dem man sowohl kaufen als auch verkaufen kann. Ich hoffe, dass er besser funktionieren wird, als der Museumsguide.
Und noch was: Fotografieren durfte man übrigens auch nicht.

BettinaBlass

Wirtschaftsjournalistin, Dozentin für Internetthmen und Buchautorin.

3 Gedanken zu „Zu Besuch im Apple-Museum in Prag. Oder warum sich Steve Jobs im Grabe umdrehen würde.

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