Twitter: Beziehungsstatus kompliziert

Kuechenzuruf bei Twitter
Kuechenzuruf bei Twitter

Es ist einige Jahre her, dass ich mit zwei männlichen Kollegen auf einem Podium in Stuttgart saß. Wir diskutierten dort zum Thema Personal Branding. Die beiden Jungs waren sich einig: Twitter war für sie unfassbar wichtig. Sie bekamen von dort auch die meisten Klicks auf ihre Blogs. Bei mir war das anders: Ich bekam den meisten Traffic über Facebook. Vielleicht auch bezeichnend: Obwohl ich am längsten bei Twitter war, hatte ich die wenigsten Follower.

Woher kommen meine Leser?
Woher kommen meine Leser?

Einen der beiden Kollegen habe ich neulich bei Besser Online getroffen. Er erzählte mir, er sei enttäuscht von Twitter. Dort sei alles ziemlich belanglos geworden, Diskussionen fänden jetzt bei Facebook statt. Was sollte ich sagen? Ich bin seither mit Twitter nicht wirklich wärmer geworden. Allerdings kommen die meisten Besucher auf meine Blogs in der Zwischenzeit wieder über Google. Ich vermute, das hängt auch damit zusammen, dass ich meine Texte zumindest ansatzweise für SEO optimiere. Facebook ist schon auch noch gut dabei als Referrer, Twitter nach wie vor eher abgeschlagen.

Was ich an Twitter mag

Nun ist es nicht so, dass ich Twitter total doof finde. Im Gegenteil mag ich viele Dinge an Twitter:

  • Twitter ist unfassbar schnell. Ist etwas irgendwo in der Welt passiert, schaue ich zuerst auf Twitter nach.
  • Gibt es Neuigkeiten übers Netz, dann lese ich sie bei Twitter. Beispielsweise, dass Facebook Stories bald auch für die Business Pages möglich macht. Oder wie man Bilder für Suchmaschinen optimiert.
  • Ich finde Twitter auch deutlich politischer als viele andere soziale Netzwerke.
  • Und ich schätze es sehr als Instrument bei Konferenzen und Tagungen, um auf dem Laufenden darüber zu sein, was außerhalb der analogen Welt an zusätzlichen Infos zu den Themen durchs Netz geschickt wird. Allerdings war ich neulich auf einer Journalistenkonferenz, auf der außer mir niemand getwittert hat. Da wundere ich mich schon. Und füllte mich ziemlich einsam.

Folgst du mir, folg’ ich dir – und die Konsequenzen

Was mir allerdings nicht gefällt, ist der stete Fluss an Tweets. Und je mehr Leuten ich folge, desto mehr Tweets habe ich. Die Folge ist also, dass ich nur noch einen Bruchteil davon erfassen kann. Natürlich gibt es dafür Lösungen:

  1. Ich folge einfach nicht so vielen Leuten. Das hat aber zur Folge, dass ich auch nicht besonders viele Follower habe. Während mir nur knapp 1160 Leute folgen, hat im Prinzip jeder Journalist, der etwas auf sich hält 5000, 6000 oder sogar weit über 10.000 Follower. Nun könnte man sagen: Ist doch egal, wie viele Follower man hat. Grundsätzlich ja. Allerdings wurde mir neulich unterstellt, ich hätte aufgrund der wenigen Follower nicht ausreichend Kompetenz, um Seminare zu diesem Internet zu geben. Das ist natürlich Quatsch, weil ich erstens nicht nur einen Twitter-Account habe, und zweitens in meinen Seminaren noch ganz andere Dinge Thema sind, als nur die Frage, wie man möglichst viele Follower bekommt.
  2. Ich könnte, um mehr Follower zu bekommen, mehr Profilen folgen. Die Profile, denen ich folge, müsste ich dann in Listen einteilen. Aber um ehrlich zu sein: Dann folgt man 8590 Profilen, um selbst 9780 Follower zu haben. Regelmäßig schaut man aber nur in die Liste mit den Profilen, die einem wirklich wichtig sind. Was dann im Umkehrschluss bedeutet, dass man mit großer Wahrscheinlichkeit von etwa 8490 Profilen nie auch nur einen einzigen Tweet sieht.

Hinzu kommt: Es gibt Leute bei Twitter, die folgen einem genau so lange, bis man ihnen folgt, dann entfolgen sie einem wieder. Dieses Spielchen wird auch auf Instagram gerne gespielt, und ganz besonders gerne von Profilen mit sehr vielen Followern. Der Grund ist einfach: Je mehr Follower man hat, und je weniger Profilen man selbst folgt, desto wichtiger scheint man zu sein, und desto wertvoller kann man für Unternehmen sein, die auf der Suche nach Influencern sind.

Ich finde das nervig und folge darum vielen Accounts, die sehr viele Follower haben, erst gar nicht zurück. Weder bei Instagram noch bei Twitter.

Die Sache mit dem Algorithmus

Und dann gibt es da noch den Algorithmus, wie bei allen anderen sozialen Netzwerken auch. Grundsätzlich ist die Idee ja nicht schlecht: Es gibt zu viele Informationen, darum wird aufgrund meiner Interaktionen und Interessen ausgewählt, was ich zu sehen bekomme. Das Ganze hat aber einen Haken, wenn man mal für längere Zeit bei Twitter verstummt ist. Das war bei mir der Fall. Ich habe Twitter über mehrere Wochen, vielleicht sogar Monate sehr vernachlässigt. Was mir angezeigt wurde, war zwar nicht schlecht. Aber meine eigene Sichtbarkeit war in den Minusbereich gerutscht. Folge: Als ich wieder anfing zu twittern, bekamen meine Posts null Interaktionen. Ich schätze, weil sie einfach kaum jemandem angezeigt wurden. Mein Profil wurde als uninteressant eingestuft, weil dort lange nichts passiert war. Sich aus diesem Algorithmus-Eiskeller wieder nach oben zu arbeiten, ist zäh. Und irgendwie auch total bescheuert und überflüssig. Aber was tut man nicht alles für die Sichtbarkeit im Netz.

Wie wird’s weitergehen mit Twitter und mir?

Ich habe keine Kristallkugel, in der ich lesen könnte, wie sich unsere Beziehung in den kommenden Monaten verändern wird. Was ich aber sagen kann, ist:

  • Ich habe über fünf oder sechs Jahre für einen Kunden einen geschlossenen Twitter-Account betreut. Unsere Evaluation hat ergeben, dass über Twitter kein einziger Artikel auf der Internetseite angeklickt wurde. Das kann ich verstehen, weil ich auch nicht gerne klicke, und ich finde, Twitter sollte mehr mit Inhalten als mit Links gefüllt werden. Wir haben die Konsequenzen gezogen und den Account dicht gemacht.
  • Ich finde es total doof, dass mir immer dieselben Leute vorgeschlagen werden, denen ich folgen soll. Ich würde Twitter gerne ähnlich wie beim Musik-Streaming sagen: Hey, die interessieren mich nicht. Schlag’ mir doch mal andere Profile vor!
  • Ich finde es gar nicht verwunderlich, dass zumindest in den USA viele Nutzer kein Problem damit hätten, wenn es Twitter nicht mehr gäbe. Die Statistiken habe ich übrigens über Twitter zugespült bekommen. Und zwar über den Account von Klenk & Hoursch.
  • Meinen zweiten Twitter-Account habe ich für mein Reiseblog eingerichtet. Erkenntnis: So, wie ich über Küchenzuruf im Wesentlichen mit Medienmenschen verbunden bin, bin ich bei Bettinaopjück hauptsächlich mit Reisebloggern verbunden. Den Verbraucher, für den ich eigentlich schreibe, erreiche ich über Twitter nicht. Ob es dann sinnvoll ist, zwei Konten zu haben, ist absolut fragwürdig. Eigentlich würde ich trotz der inhaltlichen Unterschiede beide Konten gerne zusammenlegen. Aber das geht nicht.

Es bleibt also kompliziert zwischen Twitter und mir. Und ich wüsste gerne, wie es Euch in dieser Beziehung geht. Lust auf Kommentare?

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