Internet: Zwischen Sicherheit und Selbstvermarktung

Martin Hellweg, Experte für Privatsphäreschutz
Martin Hellweg, Experte für Privatsphäreschutz

Geheimdienste und soziale Netzwerke greifen unsere Daten ab. Das ist keine neue Erkenntnis. Die Frage bleibt jedoch für viele Nutzer, was sie dagegen tun können. Hinzu kommt, dass viele Tipps, die man zum Thema findet, nicht sinnvoll sind, wenn man als Journalist seine Marke im Netz aufbauen möchte. Ich habe mich zu diesem Thema mit Martin Hellweg unterhalten. Er ist der Autor des Buches „Safe Surfer. 52 Tipps zum Schutz ihrer Privatsphäre im digitalen Zeitalter“ und Gründer der Firma Virtual Bodyguard.

Das Buch „Safe Surfer“ flatterte mir eher zufällig und per Post ins Haus. Ich soll es für meinen Kunden getAbstract.com auf fünf Seiten zusammenfassen. Besonders erfreulich finde ich an diesem Buch, dass es erstens so geschrieben ist, dass man es gut lesen kann, und zweitens die meisten der 52 Tipps so einfach umzusetzen sind, dass es auch ein technischer Laie schafft, sich sicherer im Internet zu bewegen.

Trotzdem habe ich ein Problem mit dem Buch. Schließlich gebe ich Journalisten Personal-Branding-Seminare. Darin lernen sie, wie sie mithilfe des Internet zu einer eigenen Marke werden. Das hilft Freiberuflern dabei, Aufträge zu bekommen, und Festangestellten kann es zu einem neuen Job verhelfen oder zu einer Gehaltserhöhung. Allerdings, und das ist die Krux, wer eine eigene Marke im Netz aufbauen will, kann sich beispielsweise schlecht hinter einem falschen Namen bei Facebook, Twitter oder Google+ verstecken. Ich frage Martin Hellweg, den Autor des Buches, ob er sich über diesen Punkt mit mir unterhalten möchte.

„2006 und 2007 hatte ich ein einschneidendes Erlebnis“, erzählt er mir. „Ich arbeitete an einem sensiblen Fall, der in der Schweiz für viel Aufruhr sorgte. Es erschienen Blogartikel und Medienberichte über mich, die inhaltlich schlichtweg falsch waren, und aus ihnen wurde immer und immer wieder abgeschrieben, so dass ein Bild von mir in der Öffentlichkeit entstand, das ich so nicht stehen lassen wollte.“ Nicht, dass er alles Negative löschen lassen wollte, sagt Hellweg, ihm ging es lediglich darum, ein ausgewogenes Bild über sich wieder herzustellen. Hellweg suchte nach einem Spezialisten für Reputationsmanagement, also nach jemandem, der das Bild eines anderen im Internet verändert. Doch er fand im wesentlichen Spezialisten für Kommunikation, IT und Recht, also keinen, der das Thema ganzheitlich angehen konnte. Also hat er sich selbst in das Thema eingegraben, wurde zum Experten für das Thema Privatsphäre und Reputation im Internet und hat die Firma Virtual Bodyguard gegründet. Er erzählt weiter:

„Meine Erkenntnis aus den vergangenen sieben Jahren: Die größte digitale Gefahr kommt nicht von fernen Geheimdiensten oder Hackern, sondern aus dem unmittelbaren Umfeld. Bei den gut 150 Mandanten hat sich so in 4 von 5 Fällen jemand aus dem privaten Leben plötzlich gegen sie gewandt. Der enttäuschte Ex, ein frustrierter Mitarbeiter – plötzlich wurden aus Freunden Feinde. Vorsicht ist also angebracht.“

Jenseits dieser Gefahren für den Einzelnen lauern im Netz auch Risiken, die die gesamte Bevölkerung betreffen: Es gibt Organisationen und Unternehmen, die unsere Daten abgreifen, um sich daraus ein Bild von uns zu basteln. Wir denken dabei immer an Google oder Facebook. Viel schlimmer seien aber die so genannten Datenbroker, so Hellweg. Einer behauptet von sich selbst, von über 500 Millionen Konsumenten weltweit jeweils mehr als 1.500 Datenpunkte zu haben.

Wenn man das hört und liest, dann will man liebsten sofort komplett aus dem Internet verschwinden. Als Journalisten sollen wir aber zur Marke werden, um besser zu verdienen. Wie bekommt man das unter einen Hut?
Es gibt Menschen und Berufe, die im Netz existieren müssen. Das heißt aber nicht, dass sie ihr Privatleben dort offenzulegen haben. Man sollte für sich selbst bewusst analysieren und festlegen, was man mitteilen möchte, was nicht. Natürlich kann man auch einmal etwas Persönliches veröffentlichen, dann wirkt man nicht so aalglatt. Aber der Grundsatz sollte sein: Privates hat im Netz nichts verloren.

Cover Safe Surfer
Cover Safe Surfer

Sie geben in Ihrem Buch 52 Tipps für mehr Sicherheit im Netz. Welche drei sind am wichtigsten?
Das ist, wie wenn Sie mich fragen, ob ein Leck links oder rechts in der Schiffswand schlimmer ist. Wenn ich drei Tipps als besonders wichtig erachte, dann sind 49 plötzlich nicht mehr so wichtig. Darum tue ich mich mit der Frage schwer. Dies gesagt, sind die folgenden drei Dinge schon besonders wichtig:

  1. Man muss sich darüber im Klaren sein, welche Daten streng vertraulich sind, welche vertraulich und welche nicht vertraulich. Dementsprechend muss man die Daten und Dokumente behandeln. Journalisten, die investigativ arbeiten und hoch-vertrauliche Daten auf ihrem Computer haben, sollten diese auf jeden Fall gesondert von allen anderen Daten verschlüsselt ablegen – idealerweise auf einem separaten Offline-Gerät.
  2. Damit eng zusammen hängt die Frage, wie man Daten und E-Mails richtig verschlüsselt. Hier gibt es viele Angebote, aber nur ganz wenige, die ein hohes Maß an Sicherheit bieten. Wichtig ist, dass Anwendungen aus vertrauenswürdiger Quelle kommen, also einen guten Leumund haben.
  3. Wiederum zusammenhängend mit den oberen beiden Themen: Gute Passwörter. Ohne sie nützt die beste Verschlüsselung nichts.


Wie viele Ihrer Tipps beherzigen Sie selbst?

Aufgrund dieser Frage habe ich mir das Buch nochmals vorgenommen und nachgerechnet: Ich war positiv überrascht, erreichte ich doch einen Umsetzungsgrad von 97 Prozent. Die verbleibenden drei Prozent resultieren daraus, dass mir persönlich der Schutz einiger Dinge nicht so wichtig ist. Außerdem stehe ich im öffentlichen Leben, für meinen Beruf muss ich im Internet gefunden werden. Ich bin eben auch eine eigene Marke. Mir ist wichtig, dass die Menschen wissen, dass es trotz dieser hohen 97 Prozent sein kann, dass ich irgendwann gehackt werde oder meine Daten den Falschen in die Hände kommen. Eine einhundertprozentige Sicherheit gibt es nicht und wird es nicht geben. Aber immerhin mache ich es Angreifern mit meinen Tipps nicht so einfach. So ist es ja auch offline: Wir schließen die Haustür ab, um das Risiko eines Einbruchs zu minimieren. Ausschließen können wir es nicht.“

Das Buch „Safe Surfer. 52 Tipps zum Schutz ihrer Privatsphäre im digitalen Zeitalter“ gibt es unter anderem bei Amazon. Oder – ganz neu! – bei der Bundeszentrale für politische Bildung.




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Zum Abstract auf getAbstract.com

BettinaBlass

Wirtschaftsjournalistin, Dozentin für Internetthmen und Buchautorin.

2 Gedanken zu „Internet: Zwischen Sicherheit und Selbstvermarktung

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